Apr 25, 2012 - Hamburg, Interview    Kein Kommentar

Interviews im Dutzend (1): Eppendorfer Grillstation

In der Eppen­dor­fer Grill­sta­tion wird die TV-Serie „Ditt­sche“ gedreht.

Auf den ers­ten Blick ist es ein ganz nor­ma­ler Imbiss. Viel­leicht etwas sau­be­rer als die Otto-Normal-Bude in Ham­burg, viel­leicht etwas bes­ser besucht. Doch dann betritt ein jun­ger Mann im Bade­man­tel den Raum, pos­tiert sich an der Bar, ordert ein Bier, setzt an, „Das perlt!“ — und der kichernde Kol­lege hält mit der Kamera drauf.

Will­kom­men in der Eppen­dor­fer Grill­sta­tion. Will­kom­men in dem Ham­bur­ger Imbiss, der an knapp zwei Dut­zend Sonn­ta­gen im Jahr als Kulisse dient für die TV-Sendung „Ditt­sche“ mit Olli Dittrich. Seit 2005 betreibt Oli­ver Kam­me­rer die Grill­sta­tion; ebenso lange dabei ist sein Freund und Kol­lege Mar­kus Ex. Mit ihm habe ich mich unter­hal­ten über die deut­sche Imbiss­kul­tur, den Fak­tor Ditt­sche und allzu pein­li­che Fans.

Frei­tag­mit­tag, kurz nach 14 Uhr. Der ganz große Andrang ist vor­über, doch noch immer tröp­feln die Hung­ri­gen in die Eppen­dor­fer Grill­sta­tion und ordern Würste, Frit­tier­tes, Rot­wei­ßes — exakt von jener Stelle, wo an Dreh­ta­gen „Ditt­sche“ seine Comedy-Späßchen treibt. Mar­kus Ex ist allein, eilt von der Kam­mer in die Küche, lupft Frit­ten aus der Frit­teuse, nimmt Bestel­lun­gen ent­ge­gen, zer­sä­belt Würste, kas­siert, scherzt mit den Stamm­gäs­ten — und beant­wor­tet neben­bei die Fra­gen des hin­ter­he­rei­len­den Repor­ters. Los geht’s — ein Dutzend-Interview im Frittendunst.

1. Wel­ches Gericht sollte jeder deut­sche Imbiss auf der Karte haben?

Mar­kus Ex: Curry-Pommes.

2. Wel­ches Gericht auf eurer Karte wird am meis­ten unterschätzt?

Ex: Das Bau­er­nome­lette mit Kar­tof­feln, Speck und Zwiebeln.

Schon bei Frage zwei kommt  Ex ins Grü­beln, blickt ver­stoh­len auf die Spei­se­karte über den Frit­teu­sen. Aber dem Lachen nach zu urtei­len macht es ihm Spaß. Oder sind Imbiss­bu­den­ver­käu­fer qua Beruf Frohnaturen?

3. Ist „Ditt­sche“ für euch Fluch oder Segen?

Jetzt grinst Ex, nein er lacht. Und über­legt. Klar ist: Diese Ant­wort wird nur die halbe Wahr­heit sein.

Ex: Eher Segen, würde ich sagen. Ja: Segen, auf jeden Fall. „Ditt­sche“ ist für uns als kos­ten­lose Wer­bung unbe­zahl­bar. Aber natür­lich dür­fen wir uns dar­auf nicht aus­ru­hen, denn irgend­wann wird es die Sen­dung nicht mehr geben.

4. Wie häu­fig sehen Sie sich „Ditt­sche“ im Fern­se­hen an?

Ex: Am Anfang habe ich das häu­fi­ger geschaut. Aber inzwi­schen fast gar nicht mehr.

5. Wie häu­fig essen Sie selbst hier?

Ex: Schon ab und zu. Ich habe hin­ter der Theke meis­tens was ste­hen, und dann nasche ich davon. Ein paar Pom­mes oder so.

6. Wie oft kom­men Ihre treu­es­ten Stamm­kun­den in die Grillstation?

Ex: Da hin­ten sit­zen Ingrid und Rolf. Die sind jeden Tag da. Rolf beginnt mit Kakao oder Spezi und geht dann zum Bier über — Hols­ten Edel. Ingrid trinkt Weißwein.

Blick in die Ecke. Das ist also Rolf, der in etli­chen Zei­tungs­ar­ti­keln zur Grill­sta­tion als Prot­ago­nist her­hal­ten muss. Nach dem Motto: Hier ist ein ech­ter Stamm­gast — im Gegen­satz zu den „Dittsche“-Touris. Ingrid winkt uns zu, ordert noch einen Wein. Spä­ter wer­den wir uns über Mün­chen und den Eng­li­schen Gar­ten unter­hal­ten. Sehr nett. Doch zurück hin­ter die Theke…

7. Wel­ches Getränk gehört hier in die Eppen­dor­fer Grillstation?

Ex: Da sag ich mal fritz-kola.

Ähem, und… Bier?

8. Was war das Pein­lichste, was ein „Dittsche“-Tourist hier ange­stellt hat?

Ex: Ein­mal war ein Mann bei uns. Der hat sei­ner Toch­ter einen Bade­man­tel ange­zo­gen, dann musste sie hier rein­kom­men und ein Bier bestel­len. Und er hat das Ganze mit der Kamera gefilmt! Vor allem der Toch­ter war das ziem­lich peinlich…

Ach herr­lich, was eine Geschichte! So etwas lässt das Jour­na­lis­ten­herz höher schlagen.

… aber das ist wirk­lich die Aus­nahme. 99 Pro­zent unse­rer Gäste — auch der „Dittsche“-Fans — sind nett und freundlich.

Klar, das musste er jetzt sagen. Hätte ich an sei­ner Stelle auch getan…

9. Wie erkenne ich eine gute Imbiss­bude auf den ers­ten Blick?

Ex: Man sagt ja: So wie es auf der Toi­lette aus­sieht, so sieht es auch im Rest der Bude aus — und bis zu einem gewis­sen Grad stimmt das auch. Sau­ber­keit ist sehr wich­tig für den ers­ten Ein­druck. Wenn Oli und ich als Pommes-Tester für Kabel1 unter­wegs sind, schauen wir außer­dem immer in die Frit­teuse. Das Fett muss regel­mä­ßig gewech­selt wer­den. Als Grund­re­gel gilt: Man sollte durch das Fett den Boden der Frit­teuse erkennen.

Pein­lich, pein­lich, das mit den Pommes-Testern bei Kabel 1 ist mir völ­lig neu. Hätte ich wis­sen müs­sen! Zum Glück ist er dar­auf zu spre­chen gekom­men — und das gar nicht prot­zig, son­dern zurück­hal­tend, in einem Halb­satz. Sehr sympathisch.

10. Wel­ches Gericht schmeckt in der Grill­sta­tion beson­ders gut?

Ex: Da nehme ich unser Grill-Hähnchen. Das ist ja auch so etwas wie unser Aus­hän­ge­schild. Das pro­bie­ren Sie nach­her auch! Ein gutes Grill-Hähnchen muss gold­gelb und knusp­rig sein. Und natür­lich frisch!

11. Was bestellt Olli Dittrich immer, wenn er hier isst?

Ex: Per­sön­lich habe ich Olli Dittrich nie ken­nen­ge­lernt. Aber ein Mal war er hier, und da hat er einen Hal­ven Hahn gegessen.

12. Macht eine Imbiss­bude glück­lich oder reich?

Ex: Eher glück­lich. Das Arbei­ten hier macht Spaß. Natür­lich ist es nicht mein abso­lu­ter Traum-Job. Aber man hat viel zu tun, und es gibt Stamm­gäste, die schon seit Ewig­kei­ten kom­men, und mit denen man sich über alles und jedes unter­hält. Für die ist man fast schon ein biss­chen Psychologe.

Na, das ist doch ein schö­nes und ehr­li­ches Schluss­wort. Ich schließe mei­nen Block und will zum prak­ti­schen Teil mei­nes Besuchs über­ge­hen — sprich: das Hähn­chen -, da steht plötz­lich eine alte Frau am Tre­sen. „Mar­kus, ich wollte nur kurz sagen, dass es uns bei­den ges­tern her­vor­ra­gend geschmeckt hat.“ Sie nickt nach drau­ßen, wo ein älte­rer Herr auf einem Rol­la­tor lehnt und winkt. Spä­ter wird mir Mar­kus Ex erzäh­len, dass die bei­den über 90 sind und trotz­dem noch mehr­mals die Woche zum Essen in die Grill­sta­tion kommen.

Welch Finale! Die alte Frau und die Pom­mes­bude: Das klingt fast schon nach Fern­seh­stoff. So hätte das nicht mal „Ditt­sche“ hinbekommen.

Markus Ex arbeitet seit 2005 in der Grill-Station.

Mar­kus Ex arbei­tet seit 2005 in der Grillstation.

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