Archiv: November, 2012
Nov 28, 2012 - Buch    Kein Kommentar

Ein spannendes „Buch-Experiment“

Tei­len lohnt sich — auch beim Buchschreiben?

Vor­vor­ges­tern habe ich 20 Euro für ein Buch von Dirk von Geh­len hin­ge­blät­tert — und doch halte ich das Buch weder in den Hän­den, noch werde ich das in Bälde tun. Denn sein Werk namens „Eine neue Ver­sion ist ver­füg­bar“ wird vor­aus­sicht­lich erst im Mai 2013 erschei­nen — und den­noch haben bereits jetzt rund 250 Käu­fer mehr als 8.000 Euro für das Buch aus­ge­ge­ben. Warum ich dar­über an die­ser Stelle schreibe? Weil ich von Geh­lens Pro­jekt in vie­ler­lei Hin­sicht span­nend finde — gerade im Hin­blick auf mein eige­nes Buch „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“, das im kom­men­den Früh­jahr im Rowohlt Ver­lag erschei­nen wird.

Da ist ers­tens die Finan­zie­rung: Der SZ-Journalist von Geh­len ver­zich­tet auf die Zusam­men­ar­beit mit einem Ver­lag und setzt statt­des­sen auf die Crowdfunding-Plattform Start­next. Dort kön­nen Mit­glie­der ihre Pro­jekte der Öffent­lich­keit vor­stel­len und von einer Viel­zahl von Unter­stüt­zern Geld für die Finan­zie­rung sam­meln — egal ob das nun eine Buchi­dee, die Pro­duk­tion von „Chucks ohne schlech­tes Karma“ oder ein Spiel­film­pro­jekt ist. Als Dank für ihre Inves­ti­tion erhal­ten die Unter­stüt­zer das Pro­dukt, eine Gewinn­be­tei­li­gung und/oder andere Gegen­leis­tun­gen. Im Falle von Geh­lens reicht das von der eBook-Version der Buches (€12) über die Papier­va­ri­ante in Basis– (€20) und Premium-Version (€30) bis hin zu einem Vor­trag des Autors (€500).

Ich selbst habe im Früh­som­mer eben­falls mit dem Gedan­ken gespielt, mein Buch per Crowd­fun­ding zu finan­zie­ren, ehe ich mich dann doch für den Rowohlt Ver­lag ent­schie­den habe. Warum Crowd­fun­ding? Weil ich die­ser Art der Finan­zie­rung gerade im künst­le­ri­schen Bereich gro­ßes Poten­zial zutraue. Und weil es den Pro­du­zen­ten direkt mit sei­nen Kun­den zusam­men­bringt. Hier ent­schei­det nicht die Mar­ke­ting­ma­schi­ne­rie des Ver­la­ges über Erfolg oder Miss­er­folg eines Buches, nicht die Kre­dit­ab­tei­lung der Bank über eine Startup-Idee und nicht das Film­stu­dio über ein Dreh­buch  - son­dern nur der Kunde. Ihn gilt es zu über­zeu­gen — und genau das sollte doch der Sinn jeg­li­chen Pro­duk­tes sein.

Noch span­nen­der als die Finan­zie­rung ist jedoch zwei­tens die Idee hin­ter von Geh­lens Buch. Wie der Titel „Eine neue Ver­sion ist ver­füg­bar“ ver­rät, ver­steht er sein Buch nicht als abge­schlos­se­nes Werk, son­dern eher als eine Art Ent­wick­lungs­pro­zess. Dies ist zugleich das Thema sei­nes „Buch-Experiments“. Denn von Geh­len will die Leser — also alle, die sich vorab zur Unter­stüt­zung des Pro­jekts bekannt haben — in den Ent­ste­hungs­pro­zess des Buches ein­bin­den. Wenn ich ihn rich­tig ver­stehe, dann will er den Akt des Buch­schrei­bens für seine Leser öffent­lich machen, ihre Anre­gun­gen auf­grei­fen, mit ihnen dis­ku­tie­ren und so das Buch bis zu einem gewis­sen Grad gemein­sam mit ihnen ent­wi­ckeln. Der Leser bekommt für den „Kauf­preis“ also nicht nur das fer­tige Buch, son­dern auch einen Ein­blick in den Entstehungsprozess.

Diese Idee erin­nert mich an mein eige­nes Buch — aller­dings nur, was die Recher­che anbe­langt. Denn auch wäh­rend mei­ner kuli­na­ri­schen Reise stand ich im stän­di­gen Dia­log mit den Lesern mei­nes Blogs bzw. mei­ner Face­book­seite — und habe davon enorm pro­fi­tiert. Bei­spiels­weise wäre ich ohne die Anre­gung von Uli (er hat mir über Face­book geschrie­ben) nie auf die Idee gekom­men, einen Abste­cher nach Osna­brück zu unter­neh­men und mich dort auf die Suche nach Stop­sel zu machen. Und ohne Roberts Hin­weis (wie­der Face­book) hätte ich Ost­fries­land unbe­se­hen links lie­gen las­sen. Mit­hin wären also zwei Sta­tio­nen, die nun­mehr ein kom­plet­tes Kapi­tel im Buch fül­len, gar nicht auf mei­nem Spei­se­plan auf­ge­taucht. Und das ist beleibe nicht alles: Durch die zahl­lo­sen Tipps, Anre­gun­gen und Hin­weise hat meine Reise der­art an Qua­li­tät gewon­nen, das ich es im Nach­hin­ein sogar bereue, mein Pro­jekt nicht noch aus­führ­li­cher, noch offen­si­ver und noch inter­ak­ti­ver im Web prä­sen­tiert zu haben.

Anders hin­ge­gen ver­lief das eigent­li­chen Schrei­ben mei­nes Buches: Das habe ich ganz klas­sisch als Ein­zel­kämp­fer vor dem Com­pu­ter erle­digt — sieht man ein­mal von den Hin­wei­sen eini­ger Freunde, der Lek­to­rin und dem Kor­rek­tur­le­ser ab. Ob genug mei­ner Blog-Leser das Buch finan­zi­ell unter­stützt hät­ten? Das weiß ich nicht. Ob sie Inter­esse an einer Debatte über die Inhalte gehabt hät­ten? Weiß ich auch nicht. Was ich aber weiß: Wenn sich genug Blog-Leser am Ent­ste­hungs­pro­zess des Buches betei­ligt hät­ten, dann wäre das in meh­re­rer Hin­sicht vor­teil­haft für das End­er­geb­nis gewesen:

  1. Anre­gun­gen: in punkto Rezepte, Auf­bau des Buches, Aus­wahl der Gerichte und Geschich­ten. Natür­lich hätte ich mir nicht wahl­los dik­tie­ren las­sen, was ich schreibe. Aber wenn 190 von 200 Lesern vehe­ment dafür plädieren, meinen Besuch beim Whisky-Liebhaber aus Neu­bran­den­burg doch lie­ber ins Buch auf­zu­neh­men (lei­der musste ich diese Epi­sode aus Platz– und Logik­grün­den weg­las­sen), dann würde ich die Ent­schei­dung gege­be­nen­falls revi­die­ren. Schließ­lich ist man als Autor auch ein Stück weit Dienst­leis­ter — und wer zahlt, schafft an.
  2. Feh­ler­ver­mei­dung: Vier Augen sehen mehr als zwei — und ein paar Hun­dert dem­nach mehr als eine Handvoll.
  3. Kun­den­bin­dung: Wer den Ent­ste­hungs­pro­zess eines Buches ver­folgt, ja sich viel­leicht sogar mit Rat­schlä­gen und Hin­wei­sen daran betei­ligt hat, der wird wohl kaum dar­auf ver­zich­ten, sich das Werk her­nach auch ins Bücher­re­gal zu stel­len — und den Autor womög­lich sogar in wei­te­rer Hin­sicht zu unterstützen.

Kurzum: Ich bin sehr gespannt dar­auf, wel­che Erfah­run­gen von Geh­len mit sei­nem Buch-Experiment sam­melt — und werde sie sicher für kom­mende Pro­jekte im Hin­ter­kopf behalten.

Nov 14, 2012 - Buch    3 Kommentare

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Ser­vus und baba — mein Baby geht auf Reisen.

Und jedem Anfang wohnt ein Zau­ber inne, dich­tet Her­mann Hesse in sei­nen Stu­fen. Schon wahr. Außer­dem werde ich mich hüten, den guten Herrn Hesse zu bekrit­teln — das hebe ich mir für Momente eitels­ter Hybris auf, wenn mein Buch der­einst neben sei­nen Wer­ken im Regal steht (wobei „neben“ in die­sem Zusam­men­hang meint: Bei­des gibt’s bei Ama­zon). Und den­noch will ich an die­ser Stelle anmer­ken: Auch ein Ende kann sich durch­aus zau­ber­haft anfühlen.

Wobei Ende frei­lich über­trie­ben ist, denn fer­tig ist mein Buch Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten noch lange nicht. Aber zumin­dest ich habe meine Arbeit (vor­erst) abge­schlos­sen: Ges­tern habe ich das Manu­skript an den Rowohlt Ver­lag ver­schickt — 466.077 Zei­chen, 70.998 Wör­ter und 191 Din-A4-Seiten lang. Zum Ver­gleich noch mehr Hybris: Die Bibel — von Moses bis Offen­ba­rung — bringt es auf stolze 4,4 Mil­lio­nen Zei­chen und 739.000 Wör­ter; dafür haben daran auch mehr als vier­zig Schrei­ber gewer­kelt. Mei­nen Buch­sta­ben­wust wird sich nun eine Lek­to­rin vor­neh­men, ehe wir vor­aus­sicht­lich um den Jah­res­wech­sel herum noch ein­mal gemein­sam Feh­ler aus­bü­geln, Erzähl­kan­ten glät­ten und an Hol­per­kon­struk­tio­nen fei­len. Über die Details werde ich dann an die­ser Stelle berichten.

Zunächst aber zu mei­nem Buch, in dem ich die Erleb­nisse auf mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise schil­dere. Der kom­plette Titel lau­tet: Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten — Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus. Auf dem Cover­foto stre­cke ich mei­nen Dau­men in die Höhe — und mein Grin­se­ge­sicht dem Betrach­ter entgegen. Das Buch soll sech­zehn Kapi­tel umfas­sen — eines pro Bun­des­land -, wobei jedes mit einem Schwarz-Weiß-Foto beginnt und mit einem lan­des­ty­pi­schen Rezept endet. Anvi­siert sind 256 Sei­ten sowie ein Preis von etwa zehn Euro; Erschei­nungs­ter­min ist vor­aus­sicht­lich Mai 2013.

Reif fürs Museum

Etwa zu die­ser Zeit kön­nen ver­mut­lich auch Lese­faule mehr über meine Deutsch­land­reise erfah­ren. Denn momen­tan sieht es so aus, als sollte meine kuli­na­ri­sche Tour ins Museum kom­men — und zwar als Bestand­teil einer Wech­sel­aus­stel­lung, die sich um das Thema „Essen und Trin­ken in Deutsch­land“ dreht. Ein Mit­ar­bei­ter des betref­fen­den Muse­ums hat mich bereits in Mün­chen besucht, um Details und mög­li­che Expo­nate abzu­spre­chen. Genaue­res werde ich berich­ten, sobald die Sache fix ist.

Zunächst aber gilt es, die Manuskript-Abgabe gebüh­rend zu fei­ern. Wie? Natür­lich mit Essen! So gibt’s heute Mit­tag erst mal Gams­bra­ten von der Schwie­ger­mut­ter, ehe ich am Abend die Küche des Klingl­wirts in München-Haidhausen teste. Ich war zwar selbst noch nie in dem Gast­haus, aber zumin­dest für die Orts­gruppe von Slow Food Deutsch­land gehört es zu den gerade ein­mal zwei emp­feh­lens­wer­ten Loka­len in Mün­chen.

In die­sem Sinne beschließe ich auch die­sen Text mit den letz­ten bei­den Wor­ten aus mei­nem Manu­skript: Guten Appetit!