Archiv: Dezember, 2012
Dez 10, 2012 - Buch    7 Kommentare

Ein Platz am Mittelfinger

Aus dem Kata­log: Einer reckt den Mit­tel­fin­ger, der andere den Daumen.

Ein eiför­mi­ges Strich­männ­chen blickt mich mit Angela-Merkel-Mundwinkeln an — und streckt mir sei­nen gereck­ten Mit­tel­fin­ger ent­ge­gen. Dar­un­ter steht die Über­schrift: „Starr­köpfe über­zeu­gen — Psy­cho­tricks für den Umgang mit Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern, Fun­da­men­ta­lis­ten, Part­nern und Ihrem Chef.“ Ich bin leicht ver­wirrt: Was genau wol­len die Damen und Her­ren vom Rowohlt-Verlag mir damit sagen? Haben die in mei­nem Pri­vat­le­ben geschnüffelt?

Ich halte den Vor­schau­ka­ta­log „Sach­buch 2013″ in der Hand; ihn habe ich vor­ges­tern aus mei­nem Brief­kas­ten gezo­gen. Kein Anschrei­ben ist in dem Umschlag beige­legt, allein ein Zet­tel steckt in Seite 22, von der mich jener mit­tel­fin­ger­re­ckende Starr­kopf anglotzt. Ich über­fliege das hand­be­schrie­bene Stück Papier: „Lie­ber Herr Stäbler, anbei unsere druck­fri­sche Vor­schau für Sie mit Ihrem Buch auf Seite 23.“

Erst jetzt wan­dert mein Blick auf die rechte Hälfte des auf­ge­schla­ge­nen Kata­lo­ges: Auch dort blickt ein Männ­chen vom Buch­co­ver — wenn­gleich jenes etwas freund­li­cher drein­schaut und dem Betrach­ter nicht den Mit­tel­fin­ger, son­dern sei­nen Dau­men ent­ge­gen­streckt. „Eine unter­halt­same Ver­bin­dung von Koch– und Rei­se­li­te­ra­tur“ ver­spricht die Über­schrift, und „mit Rezep­ten!“ — was mich wie­derum leicht ner­vös wer­den lässt, weil ich im Geiste schon erboste Groß­müt­ter­chen an mei­ner Türe rüt­teln sehe, die sich über mein Rezept für Eis­bein mit Kraut echauffieren.

Doch sei’s drum: Jetzt gibt es ohne­hin kein Zurück mehr. Unter dem Titel „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten — Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus“ (Danke Evi für die Unter­zeile!) wird das Buch zu mei­ner kuli­na­ri­schen Reise laut Kata­log im Juni 2013 erscheinen.

Tut mir ehr­lich leid, Ihr Öster­rei­cher, dass es für Euch teu­rer wird!

Nun könnte der gedruckte Vor­schau­ka­ta­log (Down­load hier) zu der Ver­mu­tung ver­lei­ten, mein Buch sei längst fer­tig und ebenso druck­be­reit — doch weit gefehlt. Denn aktu­ell beant­worte ich im Wochen­takt ein gan­zes Bün­del von Fra­gen wie „In wel­cher Form kommt das Knob­lauch in das Rezept für Stral­sun­der Fischtopf — gehackt, Pul­ver oder Zehe?“. Oder: „Bitte bele­gen Sie die Zitate von Seidel-Pielen im Kapi­tel Ber­lin mit Erschei­nungs­ort, Ver­lag, Erschei­nungs­jahr, evtl. Auf­la­gen­höhe, Sei­ten­zahl.“ Absen­der der Fra­gen ist die Lek­to­rin Bar­bara Imgrund, die sich gerade durch mein Manu­skript wühlt — und das dan­kens­wer­ter­weise offen­bar sehr gewis­sen­haft. Ach ja: Das erwähnte Buch von Seidel-Pielen heißt „Auf­ge­spießt — Wie der Döner über die Deut­schen kam“ und ist äußerst lesens­wert. Aber das nur am Rande.

Vor­aus­sicht­lich zu Weih­nach­ten schickt mir Frau Imgrund dann das Manu­skript mit all ihren Ver­bes­se­run­gen, Anre­gun­gen und Vor­schlä­gen zurück, sodass ich zwi­schen Weih­nachts­gans und Sil­ves­ter­sause ein paar besinn­li­che Tage vor dem Rech­ner ver­brin­gen werde. Danach kommt das Manu­skript zu den Kor­rek­tur­le­sern, von dort zurück zu mir, wie­der gegen­le­sen, wie­der Feh­ler aus­bes­sern, wie­der schi­cken — und dann, ja dann steht das Buch im Juni 2013 in den Rega­len. So der Plan.

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