Archiv: März, 2013
Mrz 4, 2013 - Buch    Kein Kommentar

Die Diagnose lautet: Lesewurm

Die Druckfahnen zu "Speisende soll man nicht aufhalten" - wobei sich auf dem Deckblatt gleich zwei Fehler eingeschlichen haben.

Such­spiel: Wer ent­deckt die Feh­ler auf dem Deck­blatt der Druckfahnen?

Euro­pes The Final Count­down. One Moment in Time von Whit­ney Hous­ton. Oder — gerne zur Weih­nachts­zeit — Wham! mit Last Christ­mas. Na, klingelt’s? Oder bes­ser: wurmt’s?

Genau, die Rede ist vom gemei­nen Ohr­wurm, einem laut Wiki­pe­dia „ein­gän­gi­gen und merk­fä­hi­gen Musik­stück, das dem Hörer für einen län­ge­ren Zeit­raum in Erin­ne­rung bleibt und einen hohen akus­ti­schen Wie­der­er­ken­nungs– und Repro­duk­ti­ons­wert besitzt“. Das Wort stammt übri­gens vom gleich­na­mi­gen Insekt ab, das dem Duden zufolge nach volks­tüm­li­cher Vor­stel­lung „gern in Ohren kriecht“.

Ein Ohr­wurm also. Das kannte ich. Zur Genüge. Siehe oben. Was mir jedoch gänz­lich neu war, und was ich erst im Zuge mei­nes Buch­pro­jekts „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ ken­nen­lernte, ist das Phä­no­men des Lese­wurms. Lei­der lie­fern hier­für weder Wiki­pe­dia noch der Duden brauch­bare Erklä­run­gen, des­halb ver­su­che ich mich im Fol­gen­den an einer eige­nen Definition:

Lese­wurm, Sub­stan­tiv mas­ku­lin. Ein Text, der durch fan­ta­s­til­li­ar­den­fa­ches Lek­türe für einen län­ge­ren Zeit­raum in Erin­ne­rung bleibt und dem Leser dadurch nur noch als sinn­ent­leerte Anein­an­der­rei­hung von Buch­sta­ben erscheint. 

Einen sol­chen Lese­wurm also habe ich mir ein­ge­fan­gen, wie sich nach­drück­lich gezeigt hat, als am Mon­tag die Druck­fah­nen zu „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ in mei­nem Brief­kas­ten lagen. Zur Erklä­rung: Dabei han­delt es sich um die Buch­sei­ten, wie sie in ihrer fer­ti­gen Form aus­se­hen wer­den - inklu­sive Schrift­bild, Lay­out etc. Darin kann ich nun „letzte, klei­nere, nicht den Umbruch ver­än­dernde Kor­rek­tu­ren ein­tra­gen“, wie mir der Rowohlt-Verlag mit­ge­teilt hat, ehe das Buch end­gül­tig in den Druck geht. Bleibt nur ein Haken: Dazu muss ich das Manu­skript ein wei­te­res Mal lesen — und hier nun kommt der Lese­wurm ins Spiel.

Denn gefühlt habe ich in den Mona­ten des Schrei­bens, Ver­bes­serns, Ärgerns, Schrei­bens, Umstel­lens, Schrei­bens, Ärgerns, Schrei­bens, Löschens, Ver­bes­serns und Schrei­bens das Buch öfter durch­ge­ar­bei­tet, als ich in die­ser Zeit Scho­ko­rie­gel zur Ner­ven­be­sänf­ti­gung ver­drückt habe — und glaubt mir: Diese Zahl lässt den Schul­den­stand Grie­chen­lands mick­rig erscheinen. Kurzum, ich kann inzwi­schen ganze Pas­sa­gen des Manu­skripts aus­wen­dig; nachts schwir­ren Text­frag­mente ein­zel­ner Kapi­tel durch meine Träume; meine einst so auf­re­gende Reise kommt mir beim xten Durch­le­sen wie eine dröge Tup­per­fahrt vor; und alle For­mu­lie­run­gen, die mir bei der Nie­der­schrift noch unsag­bar genial und vor Wort­witz trie­fend erschie­nen, wir­ken plötz­lich nur wie flos­kel­schwere Dampf­plau­de­rei. Ein kla­rer Fall von Lesewurm.

Daher sehne ich inzwi­schen den Moment her­bei, in dem ich die Druck­fah­nen end­gül­tig in den Umschlag ste­cke, ihn zu Rowohlt nach Ham­burg schi­cke, und danach die Wör­ter „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ erst wie­der sehe, wenn sie end­gül­tig und unver­än­der­bar auf Buch­de­ckeln gedruckt sind.

Davor jedoch werde ich mich in den kom­men­den Tagen zusam­men­rei­ßen und mir die 16 Kapi­tel ein letz­tes Mal mit dem Rot­stift vor­neh­men. Im Kampf mit dem Lese­wurm setze ich dabei auf drei Dinge. Ers­tens: wei­tere Unmen­gen an Scho­ko­rie­geln. Zwei­tens: der Gedanke an den 1. Juni, wenn „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ end­lich in den Rega­len der Buch­lä­den lie­gen soll. Und drit­tens werde ich wäh­rend der Lek­türe im Hin­ter­grund  The Final Count­down in Dau­er­schleife spie­len — im Kampf Wurm gegen Wurm.


P.S. Weil es so über­haupt nichts mit obi­gem Text zu tun hat, ver­weise ich an die­ser Stelle noch ein­mal auf mein neues Pro­jekt — die Schmau­s­epost. Meine Bitte: Werft einen Blick auf die Seite, mel­det euch für den News­let­ter an, und sagt mir danach, was ihr davon haltet.

P.P.S. In den Manu­skript­wäl­ze­pau­sen grüble ich der­zeit, wie und wo ich die Ver­mark­tung mei­nes Buches nach dem Erschei­nungs­ter­min im Juni etwas ankur­beln kann. Habt ihr Vor­schläge, wel­che Orte bzw. Loka­li­tä­ten sich etwa für eine Lesung eig­nen wür­den? Oder Ideen, wel­che Ver­an­stal­tun­gen ich sonst noch auf die Beine stel­len könnte? Dann gebt mir bitte Bescheid — hier in den Kom­men­ta­ren, per E-Mail oder auf mei­ner Facebook-Seite. Danke!