Dez 2, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    5 Kommentare

Türchen 2 — Obama oder Osama?

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, habe ich einen Advents­ka­len­der geschnürt: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Obama oder Osama?

Pfälzer Gastfreundschaft: Luzia Bölinger und Alfons Kuhnen servieren Original Plattener Teufelsbraten.

Pfäl­zer Gast­freund­schaft: Luzia Böl­in­ger und Alfons Kuh­nen ser­vie­ren Ori­gi­nal Plat­te­ner Teufelsbraten.

Wenn Zei­tungs­jour­na­lis­ten in trau­ter Runde bei­sam­men­sit­zen, bringt spä­tes­tens Bier Num­mer drei das Thema Namens­dre­her auf den Tisch. Da geht es um Arti­kel, in denen der US-Präsident Barack Osama heißt, oder Kom­men­tare, die über Kanz­le­rin Andreas Mer­kel her­zie­hen — in harm­lo­sen Fäl­len. Noch ein Stück­chen, nun ja, unge­schick­ter, ist jene Epi­sode, die sie bei mei­ner Ex-Zeitung stets her­vor­kra­men. Da wollte einem Redak­teur par­tout der Name einer US-Sängerin nicht ein­fal­len, wes­halb er spa­ßes­hal­ber in die Bild­un­ter­schrift tippte: „Wie heißt noch mal die blöde Schlampe?“ — und den rest­li­chen Tag offen­bar Wich­ti­ge­res zu tun hatte, als die­sen Text, wie ursprüng­lich ange­dacht, noch ein­mal zu überarbeiten.

Kurzum: Als Jour­na­list weiß man um die Bedeu­tung von Namen und ihrer kor­rek­ten Schreib­weise. Obama ist nicht Osama, Neu­ner nicht Neuer und Mari­lyn Mon­roe nicht Mari­lyn Man­son. Aus die­sem Grund habe ich alle Namen in mei­nem Buch dop­pelt und drei­fach geprüft. Da stimmt alles!, war ich sicher — und hätte dar­auf mei­nen kom­plet­ten Scho­ko­la­den­vor­rat ver­wet­tet. Zum Glück hab ich’s nicht.

    Aus ‚o‘ wird ‚u‘

Denn irgend­wann kam der Tag, an dem die druck­fri­schen ers­ten Exem­plare zu mir nach Hause flat­ter­ten. Prompt schickte ich eine E-Mail an alle Wirte, Couch­sur­fer, Auto­fah­rer und sons­tige Per­so­nen, die mich auf mei­ner Reise unter­stützt haben. Dar­un­ter auch Alfons Koh­nen, Orts­bür­ger­meis­ter der pfäl­zi­schen Gemeinde Plat­ten und einer der hilf­reichs­ten Men­schen, die ich unter­wegs tref­fen durfte (mehr über ihn und den Plat­te­ner Teu­fels­bra­ten steht hier).

Komisch nur, dass ich von jenem Herrn Koh­nen nur eine Tele­fon­num­mer, aber keine E-Mail-Adresse notiert hatte. Doch kein Pro­blem, dachte ich, bei einem Orts­bür­ger­meis­ter sollte sich das schnell her­aus­fin­den las­sen. Fluggs hatte ich „Alfons Koh­nen Plat­ten“ bei Google ein­ge­tippt — wor­auf die Such­ma­schine freund­lich nach­fragte: „Mein­ten Sie: Alfons Kuh­nen Platten“.

Nein, nein“, mur­melte ich gedan­ken­ver­lo­ren, „Koh­nen — mit o“ — ehe jemand in mei­nem Kopf den Licht­schal­ter anknipste. Muss ich wirk­lich beschrei­ben, wie ich mich unter lau­ter wer­den­den „Ver­dammt! Ver­dammt! Verdammt!“-Flüchen zur Web­seite der Gemeinde Plat­ten durch­klickte? Dort grüßte — natür­lich — „Ihr Orts­bür­ger­meis­ter Alfons Kuhnen“.

    Wer­bung statt Warnung

Nach­dem ich mei­nen Kopf etwa eine halbe Stunde lang gegen die Wand gehäm­mert hatte, griff ich zu einem der frisch gedruck­ten Exem­plare mei­nes Buches und schrieb in den Ein­band: „Lie­ber Herr Kuhnen — nicht Kohnen, es tut mir schreck­al­ler­herz­lichst leid, dass mein abgrund­tief­däm­li­cher Feh­ler aus­ge­rech­net Sie getrof­fen hat“ (sinn­ge­mäß, den genauen Wort­laut habe ich ver­drängt). Dann packte ich das Buch in einen Umschlag, schickte ihn nach Plat­ten, war­tete und bangte.

Schon zwei Tage spä­ter erhielt ich eine Nach­richt von Herrn Kuhnen:

Guten Tag Herr Stäbler,

heute wurde ich von Ihrem klei­nen Geschenk sehr posi­tiv über­rascht. Vie­len Dank für das über­las­sene Buch­ex­em­plar, dem ich mich auf mei­ner nächs­ten Reise – dann lese ich in der Regel – gerne wid­men werde. Den klei­nen Faux­pas mit dem Buch­staben­dre­her kann ich gut verkraften.

Doch damit nicht genug: Noch am glei­chen Tag schrieb Herr Kuh­nen bei Facebook:

kuhnen

Ob Barack auch so locker geblie­ben wäre, wenn ich aus ihm einen Osama gemacht hätte? Ich bezweifle es.

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