Dez 4, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    4 Kommentare

Türchen 4 — So albern wie Vergleiche

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: So albern wie Vergleiche.


sprotte

Patrik Stäbler fin­det sinn­arme Ver­glei­che zum Anbei­ßen wie Kie­ler Sprotten.

Gibt es etwas, das Ihnen an den Tex­ten von Patrik Stäbler so unan­ge­nehm auf­stößt wie Wer­be­pau­sen an der span­nends­ten Stelle im Film? Die häu­figste Ant­wort auf diese Frage kenne ich auch ohne Zuhil­fe­nahme von Markt­for­schern. Es sind die andau­ern­den Ver­glei­che, die sich durch mein Schrei­ben zie­hen wie Dumm­hei­ten durch das zweite Leben des Boris Becker. Und ich geb’s ja zu: Bis­wei­len neige ich bei die­sem Stil­mit­tel zur maß­lo­sen Über­trei­bung — so wie die Bild-Zeitung in ihren Überschriften.

Gleich­wohl habe ich natür­lich auch mei­nem Buch „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ eine Reihe von Ver­glei­chen unter­ge­ju­belt wie Capri-Sonne den arg­lo­sen Kin­dern ihre frucht­ar­men Zucker­beu­tel. Hier meine Favoriten:

  • Wann ich mich ins Essen ver­liebt habe? Und warum? Auf bei­des kann ich keine erschöp­fende Ant­wort geben. Und doch lässt unsere Bezie­hung auch nach all den Jah­ren Romeo und Julia so aus­se­hen wie einen lieb­lo­sen Urlaubs­flirt. (aus: Vorwort)
  • Nun har­mo­nie­ren Hack­fleisch und Zwie­beln mei­nen Geschmacks­ner­ven zufolge ohne­hin so gut wie Bud Spen­cer und Terence Hill. (aus: „Im Reich des Mutzbratenkönigs“)
  • Ich warte gerade an der Kasse im Super­markt, als eine Gruppe Jugend­li­cher den Laden betritt: alle­samt schwer mit Glit­zer­schmuck behan­gen und braun­ge­brannt wie die Hähn­chen im Gril­lim­biss. (aus: „Schlem­men, bis die Schwarte kracht“)
  • Wenn Butt­jes Old Com­mer­cial Room so etwas wie die Heidi Klum unter Ham­burgs Gast­stät­ten ist, dann ist der Aal­spei­cher Heidi Kabel. (aus: „Butt­jes sagen­haf­ter Seemannsschmaus“)
  • Beson­ders erschre­ckend ist die Zahl jener pan­zer­gro­ßen Gelän­de­li­mou­si­nen, mit denen man wahr­schein­lich den Hima­laja über­que­ren könnte, die aber für jede deut­sche Park­lü­cke zu breit sind. Am Steuer die­ser bour­geoi­sen Mons­ter­trucks sit­zen fast aus­schließ­lich Damen, deren Son­nen­bril­len vom Haar­an­satz bis zur Unter­lippe rei­chen – und die einen ver­zwei­fel­ten Tram­per am Stra­ßen­rand so geflis­sent­lich igno­rie­ren wie die Umwelt­bi­lanz ihrer rol­len­den Klein­flug­zeuge (aus: „Butt­jes sagen­haf­ter Seemannsschmaus“)
  • Den Auf­takt macht eine als Mann ver­klei­dete Kaba­ret­tis­tin, die sich als Mode­ra­tor des Abends ent­puppt. Ihre Späß­chen sind unge­fähr so mit­rei­ßend wie der Wel­len­gang im Kin­der­plansch­be­cken – und doch werde ich mich als­bald danach zurück­seh­nen. (aus: „Über sie­ben Kräu­ter musst du geh’n“)

Zugleich gestehe ich unum­wun­den, dass ich mir den einen oder ande­ren Ver­gleich durch­aus hätte spa­ren kön­nen. Oder eher: spa­ren sol­len. Denn diese kom­men unge­fähr so plump daher wie Flirt­ver­su­che nach dem vier­ten Bier — und sind oben­drein so humo­rig wie Mario Barth. Auch hier seien zwei Bei­spiele erwähnt:

  • Die Ket­wurst ist mir bis zu die­sem Moment so unbe­kannt ist wie dem gemei­nen Inder ein Rinds­gu­lasch. (aus: „Die Qual mit dem Wal“)
  • Doch aus­ge­rech­net hier in Tübin­gen scheint eine Schwarz­wäl­der Kirsch­torte schwe­rer auf­zu­trei­ben zu sein als Weiß­würste im Kongo. (aus: „Im Ländle der Legenden“)

 P.S. Wer jetzt immer noch nach Ver­glei­chen lechzt wie mein Magen nach Scho­ko­rie­geln, dem sei die­ses Lied der Rap-Gruppe Blu­men­topf ans Herz gelegt.

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