Dez 9, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    5 Kommentare

Türchen 9 — Verlagssuche 2.0

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Verlagssuche 2.0.


vertragsschuss

Besie­gelt: Rowohlt ver­legt mei­nen Reisebericht.

Im Jahr 2012 sind laut boersenblatt.net hier­zu­lande rund 91.100 Bücher auf den Markt gekom­men. Also knapp 250 Neu­hei­ten pro Tag oder 10 pro Stunde. Noch ein­mal: ZEHN neue Bücher in jeder Tages– und Nacht­stunde des Jah­res. Alleine ein Ver­lag wie Rowohlt — in puncto Umsatz Num­mer 21 unter den rund 3.000 Ver­la­gen in Deutsch­land — bringt laut Han­dels­blatt an jedem ein­zel­nen Arbeits­tag 2,5 neue Bücher heraus.

Dies vor­aus­ge­schickt, will ich nun erzäh­len, warum es an einem son­ni­gen Juni­tag des Jah­res 2013 nicht nur 1,5 Rowohlt-Neuheiten waren, die das Neon­licht der Buch­lä­den erblick­ten — son­dern auch ein Werk namens „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“. Die­ses Buch — das behaupte ich nach wie vor — wäre genauso erschie­nen, wenn es den Rowohlt-Verlag nicht gäbe — und auch sonst kein Ver­lag Inter­esse an mei­ner Spei­se­rei­se­er­zäh­lung gehabt hätte.

    Auf­ruf im Netz 

Was ich sagen will: Ich hätte die­ses Buch zusam­men­ge­stöp­selt, sogar wenn sich ledig­lich meine Mut­ter erbarmt hätte es zu lesen. Weil ich es schrei­ben wollte. Unbe­dingt. Was frei­lich nicht heißt, dass ich das Werk unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit hal­ten wollte — im Gegen­teil: Von Anfang an war es mein Ziel, einen Ver­lag zu fin­den, der die­ses Pro­jekt unterstützt.

Also ver­öf­fent­lichte ich kurz vor Rei­se­be­ginn fol­gen­den Auf­ruf auf mei­ner Web­seite:

liebeverlageneu

Die Reak­tion? Erst mal — nichts.

Ich war bereits rund zwei Monate unter­wegs, schrieb flei­ßig auf mei­ner Web­seite, twit­terte, face­bookte und ver­öf­fent­li­che Rei­se­ko­lum­nen in zwei Zei­tun­gen, da flat­terte plötz­lich eine Mail in mein Post­fach — inklu­sive zweier fol­gen­schwe­rer Sätze:

„Lie­ber Herr Stäbler, ich finde Ihre Reise und natür­lich vor allem die Idee dahin­ter sehr char­mant und kann mir tat­säch­lich vor­stel­len, dass dar­aus ein Buch wer­den könnte. Wollen wir uns ein­mal, ganz unver­bind­lich, dar­über unterhalten?“

Und ob ich wollte!, denn unter­zeich­net war das Schrei­ben von einer Lek­to­rin der Rowohlt-Verlags, sei­nes Zei­chens einer der grö­ße­ren und einer der renom­mier­tes­ten Ver­lage in Deutsch­land. Also kramte ich mein freund­lichs­ten E-Mail-Deutsch her­vor und ant­wor­tete, dass ich mir eine sol­che Zusam­men­ar­beit gut vor­stel­len könne. Ich klickte auf das Senden-Knöpfchen und war­tete. Und war­tete. Und war­tete. Inzwi­schen war ich von mei­ner Reise zurück­ge­kehrt, wie­der in Mün­chen, schrieb eine zweite Mail gen Rowohlt und war­tete. Und wartete.

    You’ve Got Mail

Nach eini­gen Wochen hatte ich die Rowohlt’sche Mail fast schon ver­ges­sen und die ers­ten zwei Kapi­tel mei­nes Buches geschrie­ben. Mit ihnen als Schreib­probe — eine sol­che wird in der Regel erwar­tet — wollte ich bei Ver­la­gen vor­stel­lig wer­den. Nur bei welchen?

Just als ich an einem Juni­mor­gen (des Jah­res 2012) den Rech­ner hoch­fuhr, um nach pas­sen­den Adres­sen zu suchen, ploppte eine Mail auf — wie­der aus Ham­burg, wie­der von Rowohlt. Sie habe mich nicht ver­ges­sen, schrieb die Lek­to­rin, sei aber etwas von der Arbeit absor­biert wor­den. Meine kuli­na­ri­sche Reise könne sie sich wei­ter sehr gut im Taschenbuch-Programm des Ver­la­ges vor­stel­len. Hier sei ihr Ange­bot; gerne könne man über das Kon­zept noch ein­mal sprechen.

Statt wie geplant auf Ver­lags­su­che zu gehen, sagte ich nach einer Darüber-schlaf-Nacht zu, unter­schrieb kurz dar­auf einen Ver­trag, und ziem­lich genau ein Jahr spä­ter stand „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ in den Buch­re­ga­len — ver­legt von Rowohlt.

 

P.S. Weil ich’s grad in der Sta­tis­tik ent­deckt habe: Im Schnitt kos­tete eine Print-Neuerscheinung im ver­gan­ge­nen Jahr 25,63 Euro. Inso­fern sind die 8,99 Euro für „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ ein ech­tes Schnäpp­chen — und ein per­fek­tes Weihnachtsgeschenk…

 

Bis­her im Adventskalender:

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