Dez 11, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    Kein Kommentar

Türchen 11 — Auf Titeljagd

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Auf Titeljagd.


Speisen und Reisen - das passt zusammen.

Spei­sen und Rei­sen — das passt zusammen.

So wie diese Web­seite einst unter dem Namen „Deutsch­land, wie es is(s)t“ fir­mierte (die Nach­we­hen sieht man noch in der Adress­zeile), so sollte auch mein Buch ursprüng­lich fol­gen­den Titel tra­gen: „Deutsch­land, wie es is(s)t — Eine Reise über den Tel­ler­rand hin­aus“. Mona­te­lang trug ich die­sen (Arbeits-)Titel mit mir herum, druckte ihn auf Auf­kle­ber und Visi­ten­kar­ten, nahm ihn mit auf Rei­sen und ver­riet ihn Couch­sur­fern, Auto­fah­rern und sons­ti­gen Men­schen, die mir auf mei­ner Tour begegneten.

Als im Som­mer 2012 die zustän­dige Lek­to­rin bei Rowohlt nach mei­nem Titel­vor­schlag fragte, musste ich also nicht lange über­le­gen: Deutsch­land, wie es is(s)t — Eine Reise über den Tel­ler­rand hin­aus tippte ich in die E-Mail, klickte aufs Senden-Knöpfchen und war­tete auf einen min­des­tens mit­tel­gro­ßen Begeisterungssturm.

    „Ver­gleichs­weise bieder“

Statt­des­sen teilte mir die Lek­to­rin freund­lich aber bestimmt mit, dass mein Titel bei ihr und ihren Kol­le­gen durch­ge­fal­len sei: „zu kom­pli­ziert mit der Klam­mer, ver­gleichs­weise bie­der“, so drückte sie sich aus. Vol­ler Ent­rüs­tung und Ent­täu­schung angelte ich einen Scho­ko­rie­gel aus mei­nem Vor­rat und ver­suchte mich mit­hilfe eines Zucker­schocks  zu besänf­ti­gen. Ver­geb­lich. Also schob ich im Stile eines Ket­ten­rau­chers einen zwei­ten Rie­gel hin­ter­her, wäh­rend ich immer noch irri­tiert auf den Bild­schirm starrte. Zu kom­pli­ziert? Und zu bieder???

Knapp 1.000 Kilo­ka­lo­rien und eine halbe Stunde spä­ter hatte sich mein Ärger in Fett auf­ge­löst — und ich kam nicht umher, der Lek­to­rin zuzu­stim­men. Tat­säch­lich muss man den Titel zwei– bis drei­mal lesen, ehe sich der Sinn ent­schließt. Und ganz ehr­lich: Würde ich im Geschäft inmit­ten von hun­der­ten kon­kur­rie­rende Covern zu einem Buch grei­fen mit dem eher kryp­ti­schen Titel „Deutsch­land, wie es is(s)t“? Eher nicht.

    Sau­ma­gen fällt durch

Und so begann die wochen­lange Suche nach einem neuen Titel — übri­gens knapp ein Jahr vor dem Erschei­nungs­ter­min, weil Titel und Cover bereits so früh fest­ste­hen müs­sen. Zunächst schlug die Lek­to­rin eine Kapi­tel­über­schrift mei­nes Buchs vor, näm­lich: Sau­ma­gen macht den Kohl nicht fett — Eine leckere Deutsch­land­reise. Das frei­lich konnte mich nicht über­zeu­gen. Schließ­lich habe ich zum einen eine Aver­sion gegen das Wort „lecker“; zum ande­ren bestand die Gefahr, dass Ex-Kanzler Hel­mut Kohl zum Erschei­nungs­zeit­punkt des Buches nicht mehr unter den Leben­den weilt. Und ein Wort­spiel auf Kos­ten eines Ver­stor­be­nen käme bei den meis­ten Men­schen unge­fähr so gut an wie ein jagen­der Metz­ger beim Veganerstammtisch.

Den­noch reizte mich der Sau­ma­gen, weil ich annahm, dass Wort wie Gericht ein Hin­gu­cker sind. Also pro­bierte ich in mei­ner nächs­ten Mail fol­gende Vari­ante: Per Anhal­ter zum Sau­ma­gen - Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus. Der (berech­tigte) Ein­wand der Lektorin: „Danke für Ihre Idee, doch die Anspie­lung auf „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ ist schon einige Male bei Büchern ver­wen­det worden.“

Nun ging ich zwei Tage in Klau­sur mit mei­nen Noti­zen und sam­melte alle noch so abwe­gi­gen Ideen und Gedan­ken­gänge. Her­aus kam diese Liste, die ich der Lek­to­rin zukom­men ließ:

  • Auf­ge­ga­belt - Eine Anhal­ter­reise zu Maul­ta­sche und Mutz­bra­ten (zu Schnüsch und Saumagen)
  • Dau­men hoch für Dib­belab­bes - Eine Anhal­ter­reise durch Deutsch­lands Küchen
  • Rund­speise zum Sau­ma­gen - Der deut­schen Küche auf der Spur
  • Marsch nach Gais­burg - Eine Anhal­ter­reise zu Sau­ma­gen & Co.
  • Deutsch­land nach Bauch­ge­fühl - Eine Anhal­ter­reise zu Eis­bein und Saumagen
  • Weil’s mehr als Wurst ist — Auf der Jagd nach Eis­bein und Saumagen
  • Der lange Weg zum Schnüsch — Eine Anhal­ter­reise durch Deutsch­lands Küche
  • Liebe geht durch den Saumagen
  • Tram­pen zur Teichelmauke
  • Auf Leib– und Magen­reise zum Saumagen
  • Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten - Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hinaus

Diese Vor­schlag­liste wollte ich mit der Lek­to­rin dis­ku­tie­ren, gemein­sam einen Titel her­aus­ar­bei­ten — doch dazu kam es nicht. Denn schon am nächs­ten Tag erreichte mich fol­gende Mail:

Lie­ber Herr Stäbler, wir haben einen abso­lu­ten Favo­ri­ten! Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten - Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus. Sind Sie mit der Kom­bi­na­tion ein­ver­stan­den? Ich würde mich sehr freuen, denn es ist ein äußerst char­man­ter Titel.

Eine Nacht lang ließ ich den Titel sacken — doch je län­ger ich dar­über sin­nierte, desto bes­ser gefiel er mir. Und so schrieb ich tags dar­auf — am 4. Juli 2012, ach wäre ich nur Ame­ri­ka­ner! — fol­gende sechs Wör­ter in eine wei­tere Mail gen Rowohlt: „Mit die­ser Titel­kom­bi­na­tion bin ich einverstanden.“

 

Bis­her im Adventskalender:

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