Dez 12, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    4 Kommentare

Türchen 12 — Wieso ein Verlag?

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Wozu braucht man eigent­lich einen Verlag?


Das erste Exemplar gab's mit persönlichem Grußkärtchen der Rowohlt-Lektorin.

Das erste Exem­plar gab’s mit per­sön­li­chem Gruß der Rowohlt-Lektorin.

Vor­weg dies: Ich hätte mein Buch auch dann geschrie­ben, wenn meine Ver­lags­su­che (-> Tür­chen #9) erfolg­los ver­lau­fen wäre. In dem Fall hätte das Werk einen ande­ren Titel (-> Tür­chen #11) und ein ande­res Cover (–> Tür­chen #3), darin wür­den sich weder hüb­sche Über­sichts­kar­ten noch gra­fisch auf­ge­peppte Rezepte fin­den, es wäre teu­rer und ehr­lich gesagt auch schlech­ter — aber exis­tie­ren würde es den­noch. Denn seit dem Sie­ges­zug des Inter­nets kann Jeder­mann denk­bar leicht ein eige­nes Buch ver­öf­fent­li­chen. Dazu lädt man bei einem Self-Publishing-Anbieter wie epu­bli ein­fach sein Manu­skript hoch (als pdf), und für schlappe 14,95€ erhält das Werk eine ISBN-Nummer und kommt bei Ama­zon & Co. in die digi­ta­len Regale.

Drängt sich eine Frage auf: Wozu braucht es da noch einen Ver­lag? (Der über­dies bei guten Ver­kaufs­zah­len einen Groß­teil des Gewinns ein­streicht — doch dazu hin­ter einem spä­te­ren Tür­chen mehr). Die Ant­wort dar­auf ist viel­schich­tig — und hat sich mir in ihrer gan­zen Band­breite erst wäh­rend des Ent­ste­hungs­pro­zes­ses von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ erschlos­sen. Exklu­siv für den Advents­ka­len­der wage ich nun einen Annä­he­rungs­ver­such in vier Punkten:

1) Reich­weite

Der nahe­lie­gendste Grund: Ohne einen Ver­lag hätte ich mein Buch zwar an Freunde und Bekannte sowie an Bekannte von Freun­den und Freun­den von Bekann­ten ver­kau­fen kön­nen; über­dies wären wohl meh­rere Hand­voll Exem­plare über meine Web­seite bzw. meine Face­book­seite geor­dert wor­den; ja womög­lich hätte ich sogar den einen oder ande­ren Buch­händ­ler in mei­ner Umge­bung über­zeu­gen kön­nen, das Werk in sei­nen Laden zu stel­len. Aber mehr auch nicht. Dank des Rowohlt-Verlages jedoch steht „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ auch im Hugen­du­bel in Stutt­gart, am Leip­zi­ger Flug­ha­fen, in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek des Saar­lan­des und in zig wei­te­ren Buch­lä­den, Büche­reien und Geschäf­ten (und im Muse­ums­la­den in Leip­zig), wo poten­zi­elle Leser wenigs­tens die Chance haben, einen Blick auf das Buch zu werfen.

Man mag diese Markt­macht der Ver­lage gut oder schlecht hei­ßen — doch wer nicht gerade über 200.000 Facebook-Freunde ver­fügt, eine Web­seite mit mil­lio­nen­fa­chen Zugriffs­zah­len oder ein Heer von Mini­job­bern, die Tele­fon­bü­cher durch­ar­bei­ten, um das eigene Buch bei allen Ein­trä­gen von Abele bis Zypries anzu­prei­sen, der fährt mit der Unter­stüt­zung eines Ver­la­ges wahr­schein­lich sehr viel bes­ser als Einzelkämpfer.

2) Wer­bung

Die ZEIT, der MDR, die Ber­li­ner Zei­tung, der Münch­ner Mer­kur, der BR, die Stutt­gar­ter Nach­rich­ten, diverse Blog­ger und noch viele mehr haben über mein Buch berich­tet. Weil die Idee hin­ter mei­ner Reise so genial ist und meine Sprach­ge­wand­heit sogar Reich-Ranicki-selig die Freu­den­trä­nen in die Augen gedrückt hätte? Das mag ich mir viel­leicht nach dem drit­ten Glas Rot­wein ein­re­den — aber wahr­schein­lich spielt der Name „Rowohlt“ auf dem Cover die grö­ßere Rolle. Ohne den Ver­lag wäre das Rezen­si­ons­ex­em­plar wohl deut­lich sel­te­ner bis in die Redak­tion vor­ge­drun­gen — oder dort acht­los weg­ge­wor­fen wor­den. Schließ­lich habe ich lange genug bei Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten gear­bei­tet, um zu wis­sen, wel­che Mas­sen an Büchern dort ange­spült wer­den (und wie mit ihnen umge­gan­gen wird — Stich­wort eBay).

In puncto Rezen­si­ons­ex­em­plare war Rowohlt übri­gens äußerst groß­zü­gig. Nicht nur, dass der Ver­lag stan­dard­mä­ßig sei­nen Pres­se­ver­tei­ler bemühte, mein Buch in sei­nen Kata­log auf­nahm und diverse Pres­se­an­fra­gen bediente. Auch alle Jour­na­lis­ten, die ich auf mei­ner Reise getrof­fen hatte, wur­den mit Rezen­si­ons­ex­em­pla­ren bedacht. Dazu stellte mir der Ver­lag drei Bücher für ein Gewinn­spiel auf mei­ner Face­book­seite zur Ver­fü­gung und machte gleich zehn Exem­plare für eine Lese­runde bei Lovely­books locker. Als epubli-Schreiber müsste man all diese Dinge selbst finan­zie­ren — und würde es sich daher wohl zwei­mal über­le­gen, ein Buch zu ver­schi­cken, wenn die Chance auf eine Bespre­chung eher mau aussieht.

Zur Wer­bung gehört seit Län­ge­rem auch das Thema Social Media, und hier gibt’s bei Rowohlt eben­falls eine eigene Abtei­lung — oder zumin­dest eine Mit­ar­bei­te­rin, mit der ich mich aus­ge­tauscht habe. Sie ver­sorgte mich mit einem Social-Media-Leitfaden für Auto­ren, unter­stützte mich bei mei­nen Aktio­nen und — wohl das Wich­tigste — nutzte den Face­book– und Twitter-Kanal des Ver­lags, um meine Auf­rufe zu ver­brei­ten. Ach ja, im ver­lags­ei­ge­nen Maga­zin von Rowohlt gab’s auch noch einen (übri­gens sehr nett gemach­ten) Bericht über mein Buch.

3) Qua­li­tät

In einem frü­he­ren Ein­trag habe ich bereits über das Lek­to­rat geschwärmt. Keine Frage: Ohne die Unter­stüt­zung der freien Lek­to­rin Bar­bara Imgrund wäre mein Buch bei wei­tem nicht so gut gewor­den (bezie­hungs­weise noch schlech­ter — je nach Sicht­weise). Die Kos­ten, die ich dafür tra­gen musste, lagen bei genau null Euro — selbst­ver­ständ­lich zahlt der Verlag.

Und das ist bei­leibe nicht alles: Vom Cover, das die haus­ei­ge­nen Gra­fi­ker anfer­ti­gen, über die Kar­ten, das Schrift­bild und die Tite­lei bis hin zur dop­pel­ten und drei­fa­chen Recht­schreib­prü­fung — stets stan­den die diver­sen Rowohlt-Mitarbeiter bereit. Alle mit einem Ziel: das Buch durch ihre Hilfe ein Stück­chen bes­ser machen. Zuge­ge­ben, auch für das eigene epubli-Buch kön­nen Lek­tor, Gra­fi­ker, Kor­rek­tur­le­ser und Co. ange­heu­ert wer­den. Allein die Kos­ten dürf­ten in 98% der Fälle die Gesamt­ein­nah­men des Buches um Län­gen übersteigen.

4) Kos­ten

Ich habe mir ehr­lich gesagt die genaue Kos­ten­struk­tur von Self-Publishing-Seiten wie epu­bli nur flüch­tig ange­schaut. Aber der Schnell­test mit dem epubli-Preisrechner ergibt:

  • Ein Buch mit 304 Sei­ten (wie „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“)
  • im Schwarz-Weiß-Druck, Din-A5-Format, Softcover
  • bei einer Bestel­lung von 500 Exem­pla­ren (was eine sehr opti­mis­ti­sche Anzahl wäre, hätte ich das Buch nur unter Freun­den vertrieben)

–> kos­tet pro Stück €11,13

Und wenn ich das rich­tig sehe, dann ist bei die­sem Preis noch kein Gewinn für den Autor ein­ge­plant. Heißt: Der Ver­kaufs­preis müsste wohl eher um die 15 Euro lie­gen, damit wenigs­tens etwas Geld in die Kas­sen kommt. Bei einem Groß­ver­lag wie Rowohlt hin­ge­gen ist der Pro­duk­ti­ons­pro­zess natur­ge­mäß güns­ti­ger. So wech­selt mein Buch für €8,99 den Besit­zer — und hier ist der Gewinn für Ver­lag wie Autor bereits berücksichtigt.

Fazit

Nun will ich Self-Publishing-Angebote kei­nes­falls schlecht­re­den — ich selbst habe ja mit dem Gedan­ken gespielt, mein Buch auf diese Weise unter die Leute zu brin­gen. Für meine Situa­tion und mein Buch muss ich jedoch rück­bli­ckend sagen: Ich bin heil­froh, dass der Rowohlt-Verlag und ich zuein­an­der gefun­den haben.

 

Bis­her im Adventskalender:

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