Dez 17, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    2 Kommentare

Türchen 17 — Buch schreiben macht reich. Nicht.

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Buch schrei­ben macht reich. Nicht.

Mein Buch. Von Zaster überschüttet. Leider nur im Wortsinn.

Mein Buch. Von Zas­ter über­schüt­tet. Lei­der nur im Wortsinn.

Schüch­terne Men­schen soll­ten Bücher schrei­ben. Denn auf Par­tys, im Büro­auf­zug oder beim Small­talk gibt es kaum ein Thema, dass sich bes­ser zum Plau­dern eig­net. Ich zumin­dest habe bis­lang noch kei­nen Men­schen getrof­fen, der nicht wenigs­tens fünf Minu­ten lang Inter­esse zeigt, wenn ich von mei­nem Buch und des­sen Ent­ste­hungs­ge­schichte erzähle.

Nun habe ich — abge­se­hen von mei­ner Bezie­hung — in kaum ein ande­res Pro­jekt der­art viel Liebe, Zeit und Anstren­gung gesteckt wie in mein Buch, wes­halb ich nur zu gerne davon berichte (halb­wegs regel­mä­ßige Leser die­ser Web­seite wer­den das noch als Unter­trei­bung abtun). Es gibt nur einen Haken: Wäh­rend ich am liebs­ten über Kapi­tel­ein­stiege, dra­ma­tur­gi­schen Auf­bau und sprach­li­che Kniffe debat­tie­ren würde oder wenigs­tens über Gerichte, Rezepte und Köche, drängt es 97 Pro­zent mei­ner Gesprächs­part­ner spä­tes­tens bei der zwei­ten Frage zu fol­gen­dem Thema: „Wie viel hast du eigent­lich mit dei­nem Buch verdient?“

   Offen zugäng­li­che Zahlen

Aus die­sem Grund geht es hin­ter Tür­chen #17 im Advents­ka­len­der heute um das liebe Geld. Doch zunächst zwei Vorbemerkungen:

  1. Die ver­brei­tete Vor­stel­lung, Buch­au­to­ren ver­die­nen sagen­hafte Reich­tü­mer, ent­hält unge­fähr so viel Wahr­heits­ge­halt wie einst das Daum’sche reine Gewis­sen. Schon rich­tig: Mit einem Buch kann man ein hüb­sches Sümm­chen machen — aller­dings nur „wenn es in 42 Spra­chen über­setzt wird, Hol­ly­wood sich um die Film­rechte reißt, und die im Buch erfun­dene Comic­fi­gur auf T-Shirts, Tas­sen, Bett­wä­sche gedruckt und als Merchandising-Artikel ver­kauft wird“, wie es bei buch-schreiben.de treff­lich heißt. Ansons­ten gelte: „Was ver­dient ein Autor? — In der Regel zu wenig.“
  2. Die über­wäl­ti­gende Mehr­heit hat kaum eine Vor­stel­lung davon, was ein Buch­au­tor mit sei­nem Erst­lings­werk ver­dient. Dabei braucht es nur eine Google-Suche, um recht genaue Zah­len ans Licht zu brin­gen (hier oder hier). Mehr noch: Im Jahr 2005 haben sich der Ver­band Deut­scher Schrift­stel­ler in ver.di und eine Reihe von Belletristik-Verlagen dar­auf geei­nigt, was unter einem „ange­mes­se­nen Hono­rar“ zu ver­ste­hen sei. Auf die­ses haben Auto­ren seit­dem einen Anspruch — und kön­nen es im Ernst­fall sogar ein­kla­gen. Übri­gens: Auch der Rowohlt-Verlag, der mein Buch ver­legt hat, gehörte zu den Unter­zeich­nern — inso­fern ver­rate ich hier nicht etwa geheime Ver­trags­de­tails, son­dern ordne nur offen zugäng­li­che Zahlen.

Und damit zu Mam­mons Schot­ter. Im Prin­zip ist es denk­bar sim­pel: Als Autor erhalte ich einen bestimm­ten Anteil von jedem ver­kauf­ten Buch — und zwar je nach Ver­kaufs­zahl fünf bis sie­ben Pro­zent des Netto-Verkaufspreises (= Laden­preis ohne 7% Mwst.). Die­ser Wert ist bei Taschen­bü­chern üblich, fin­det sich in oben genann­ten Ver­gü­tungs­re­geln sowie in der Wiki­pe­dia.

   Gesamt­ho­no­rar = Fixhonorar

Nun braucht es kei­nen Rechen­schie­ber, um in mei­nem Fall grob zu über­schla­gen: Bei einem Laden­preis von €8,99 und einem Netto-Verkaufspreis von €8,40 strei­che ich pro Buch rund 40 Cent ein. Da nicht zu erwar­ten steht, dass sich „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ in Bestseller-Sphären ver­kauft (gemein­hin spricht man davon ab 100.000 Exem­pla­ren), scheint die­ser Lohn in einer Liga mit ban­gla­de­schi­schen Nähe­rin­nen zu spie­len. Auf den ers­ten Blick.

Zudem gibt es eine zweite Kom­po­nente des Ver­trags: das Fix­ho­no­rar. Es bewegt sich im mitt­le­ren, vier­stel­li­gen Eurobe­reich und wurde mir bereits über­wie­sen — hälf­tig bei Abgabe des Manu­skripts und am Erschei­nungs­tag des Buches. Die­ses Fix­ho­no­rar wird mit den antei­li­gen Ein­künf­ten ver­rech­net. Heißt: Erst, wenn mein Anteil (die 5 bis 7 Pro­zent je Buch) das Fix­ho­no­rar über­steigt, sehe ich wei­te­res Geld. Zugleich muss ich jedoch nichts vom Fix­ho­no­rar zurück­zah­len — selbst, wenn sich mein Buch kein ein­zi­ges Mal ver­kauft hätte.

In Fall von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ lässt sich das Ganze auch weit­aus sim­pler aus­drü­cken: Ich müsste schon mehr als 10.000 Exem­plare ver­kau­fen, damit mein Ver­kaufs­an­teil das Fix­ho­no­rar über­steigt — und das wird nicht pas­sie­ren. Dem­nach wird mein Gesamt­ho­no­rar mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit gleich dem Fix­ho­no­rar sein.

   Mythos vom aus­beu­te­ri­schen Verlag

Wenn ich diese Summe nun her­un­ter­rechne auf die Zeit, die ich mit Recher­che und Schrei­ben ver­bracht habe, dann kommt man auf einen Stun­den­lohn, der irgendwo zwi­schen nicht­exis­tent und kärg­lich pen­delt — einer­seits. Ande­rer­seits erhalte ich unab­hän­gig vom Ver­kaufs­er­folg einen fixen Betrag, sodass das Risiko vor­erst ein­mal beim Ver­lag liegt (der ja die sons­ti­gen Kos­ten trägt).

Ohne­hin ist es nicht etwa so, dass Ver­lage sich auf Kos­ten ihrer Auto­ren dumm und dus­se­lig ver­die­nen. Einen inter­es­san­ten Ein­blick hierzu gibt es bei Voland & Quist, die ein­mal im Detail auf­ge­schlüs­selt haben, wel­cher Anteil des Ver­kaufs­prei­ses letzt­lich beim Ver­lag hän­gen bleibt. (Inwie­fern sich diese Rech­nung mit einem Groß­ver­lag wie Rowohlt ver­glei­chen lässt, sei ein­mal dahingestellt).

Des Wei­te­ren will ich an die­ser Stelle noch ein­mal auf Tür­chen #12 ver­wei­sen, hin­ter dem ich all jene Leis­tun­gen auf­ge­lis­tet habe, die der Ver­lag für mich über­nom­men hat — vom Lek­to­rat bis zum Mar­ke­ting. Unent­gelt­lich, ver­steht sich. Und zuletzt gilt es wohl auch noch die Fol­ge­ein­nah­men eines sol­chen Buch­pro­jekts zu beden­ken, die vor­wie­gend nicht beim Ver­lag, son­dern in mei­ner Tasche lan­den — etwa Hono­rare bei Lesun­gen oder wei­tere Aufträge.

All diese Punkte ändern frei­lich nichts daran, dass der Autor in 99 Pro­zent aller Bücher keine Reich­tü­mer ver­dient. Jedoch legen sie nahe, dass auch die beliebte Geschichte vom aus­beu­te­ri­schen Ver­lag eher ins Reich der Mythen gehört. Am bes­ten trifft es wahr­schein­lich die Ein­schät­zung eines befreun­de­ten Autors, der bereits meh­rere Bücher geschrie­ben hat, und dem ich mein Hono­ra­r­an­ge­bot vor­ge­legt habe. Sein Kom­men­tar: „Nicht üppig, aber fair.“

Bis­her im Adventskalender:

2 Kommentare

  • […] Kaum über­ra­schend waren die besu­cher­stärks­ten Monate im Jahr 2013 der Juni (am 1. Juni kam mein Buch in die Läden) und der Dezem­ber — wohl wegen mei­nes Advents­ka­len­ders. Diese Aktion ist offen­bar sehr gut ange­kom­men, sodass die Seite im Monats­schnitt rund 100 Besu­che pro Tag ver­zeich­nete. Am stärks­ten schnitt dabei ent­ge­gen mei­ner Erwar­tung nicht etwa der Bericht über mei­nen finan­zi­el­len Zuge­winn durch das Buch ab, son­dern die Geschichte rund um jene Men­schen und Erleb­nisse, die es nicht ins Buch geschafft haben (Tür­chen #10 — Todes­kuss der Lösch­taste). Am zweit­be­lieb­tes­ten war die Beschrei­bung mei­ner lan­gen Suche nach dem pas­sen­den Buch­ti­tel (Tür­chen #11 — Auf Titel­jagd), und erst danach lan­dete der schnöde Mam­mon auf Rang drei (Tür­chen #17 — Buch schrei­ben macht reich. Nicht.) […]

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