Kategorie: "Niedersachsen"
Jan 28, 2013 - Brandenburg, Niedersachsen    2 Kommentare

Lieber Knieperfuchs als Hasselhoff

Wir Deut­sche lie­ben Würste und David Has­sel­hoff, haben im Schnitt so viel Humor wie eine Scheibe Zwie­back, sind Frem­den gegen­über reser­viert bis ableh­nend und gehen am Ende eines Spiels mit 22 Leu­ten immer als Sie­ger vom Platz. So weit die liebs­ten Klischees. Dass einige von ihnen in der Rea­li­tät schnel­ler zer­brö­seln als Vam­pire im Son­nen­licht, soll­ten wir spä­tes­tens seit den jüngs­ten Fuß­ball­welt– und Euro­pa­meis­ter­schaf­ten wissen. Und noch ein wei­te­res Vor­ur­teil ist — zumin­dest nach mei­ner Erfah­rung — mei­len­weit von der Wahr­heit ent­fernt: näm­lich das vom unter­kühl­ten, unfreund­li­chen Deutschen.

Tat­säch­lich habe ich auf mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise mehr offene, auf­ge­schlos­sene und extrem hilfs­be­reite Men­schen getrof­fen, als ich in mei­nem Leben Scho­ko­rie­gel ver­drückt habe — und glaubt mir, das ist eine erschre­ckend große Menge. Da waren etwa die 97 Auto­fah­rer, die mich fast 3.900 Kilo­me­ter durch die ganze Repu­blik kut­schiert haben. Oder die 27 Couch­sur­fer, die mich ohne Gegen­leis­tung bei sich zu Hause beher­bergt haben. Ganz zu schwei­gen von den aber­dut­zen­den Gast­wir­ten, Hob­by­kö­chen, Koch­buch­au­to­ren und Essens­lieb­ha­bern, die ihre Zeit für mich geop­fert und ihre Rezepte, ihr Küchen­wis­sen und fast immer auch eine Kost­probe mit mir geteilt haben.

Deutsch­land und Gast­freund­schaft? Seit mei­ner Reise weiß ich: Das passt so gut zusam­men wie Cur­ry­wurst und Pom­mes frites.

Drei beson­ders hilfs­be­reite und lie­bens­wür­dige Men­schen habe ich dabei in Bran­den­burg und in Nie­der­sach­sen getrof­fen — und von ihnen gibt es nun Neues zu berich­ten. Da ist zunächst ein­mal Horst Fenske vom Deut­schen Haus in Pritz­walk — der Knie­per­fuchs, wie er sich nennt, der seit Jahr­zehn­ten für den Knie­per­kohl kämpft und auch mir eine deftig-leckere Por­tion auf­ge­tischt hat. Um für sei­nen Knie­per­kohl zu wer­ben, schlüpft Fenske bis­wei­len in ein manns­gro­ßen Fuchs­kos­tüm, was ich bei mei­nem Besuch natür­lich nur zu gerne erlebt hätte. Lei­der war der Plü­sch­an­zug damals in der Wäsche, doch für die RBB-Sendung Zibb ist der Wirt nun in das tie­ri­sche Dress gestie­gen. Hier geht’s zum fünf­mi­nü­ti­gen Knieperfuchs-Beitrag, der außer­dem viel Wis­sens­wer­tes rund um den Knie­per­kohl enthält.

Ebenso herz­lich wie in Pritz­walk wurde ich auch in Osna­brück begrüßt, wo ich einen der denk­wür­digs­ten Abende mei­ner Reise erlebte. Zunächst setzte mir der Metall­künst­ler Jona­than ein durch­aus aben­teu­er­li­ches Gericht namens Wurste­brot vor, und danach saß ich mit dem Jour­na­lis­ten und Couch­sur­fer Daniel Hop­kins bis spät in die Nacht bei reich­lich Bier & Schnaps zusam­men. (zum Bericht im Blog)

Schon damals erzähl­ten Jona­than und Daniel von ihrem Plan, die aben­teu­er­li­che Lebens­ge­schichte des Künst­lers in einem Buch nie­der­zu­schrei­ben. Nun wird das Werk im März 2013 erschei­nen; bei Ama­zon kön­nen bereits Vor­be­stel­lun­gen hin­ter­legt wer­den. Ich selbst habe noch keine Zeile von dem Buch gele­sen, und doch durfte ich einen Nach­mit­tag lang Jona­thans Erzäh­lun­gen lau­schen und bin mir daher sicher: „Und Sirius hat es gese­hen — Vom Leben ver­ge­wal­tigt“ (Link zu Ama­zon) ist abso­lut lesenswert.

Auch mein Buch „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ kann man inzwi­schen bei Ama­zon vor­be­stel­len — gerne über das Wer­be­ban­ner in der rech­ten Spalte (Warum?). Darin berichte ich aus­führ­lich von mei­nen Tref­fen mit dem Knie­per­fuchs, mit Jona­than und Daniel und mit den vie­len ande­ren hilfs­be­rei­ten Deut­schen, die ich auf mei­ner kuli­na­ri­schen Tour getrof­fen habe. Außer­dem geht’s um Würste, und das nicht zu knapp. Und sogar der Fuß­ball taucht am Rande mal auf.

Nur David Has­sel­hoff konnte ich lei­der auf den rund 260 Sei­ten nicht unter­brin­gen. Doch gedenkt man sei­nes Tête-à-têtes mit einem Cheese­bur­ger, ist das — zumin­dest aus kuli­na­ri­scher Sicht — kein gro­ßer Verlust.

Mit dem Künstler Jonathan beim Wurstebrotessen in Osnabrück. Seine Lebensgeschichte erscheint nun als Buch.

Mit dem Künst­ler Jona­than beim Wurste­bro­tes­sen in Osna­brück. Seine Lebens­ge­schichte erscheint nun als Buch von Autor Daniel Hopkins.

Horst Fenske ist für den RBB in Knieperfuchskostüm geschlüpft.

Horst Fenske ist für den RBB ins Knie­per­fuchs­kos­tüm geschlüpft.

Mai 18, 2012 - Niedersachsen    3 Kommentare

Beim Künstlertreff gibt’s Wurstebrot

Die unver­gess­li­chen Schla­ger­bar­den Cliff & Rexo­nah fan­den einst ihr ganz gro­ßes Glück in Osna­brück. Ganz so weit würde ich in mei­nem Fall nicht gehen — doch immer­hin habe ich in der nie­der­säch­si­schen Frie­dens­stadt der­art inter­es­sante Men­schen getrof­fen, dass ich dar­über in die­sem Blog ähnlich pene­trant berich­tet habe wie das Cliff & Rexonah’sche Gedu­del heute anmu­tet - ohne den vor­he­ri­gen Genuss von reich­lich Rauschmitteln.

Ein kur­zer Rückblick:

  • In Osna­brück traf ich den Jour­na­list Daniel Hop­kins, der als Extreme-Couch-Hopper in 80 Tagen auf 80 Cou­ches um die Welt gereist ist. Hier geht’s zu mei­nem Inter­view mit Daniel.
  • Daniel wie­derum hat über mei­nen Besuch in sei­nem Blog bei Stern.de berich­tet — unter dem schö­nen Titel „Des Couch­sur­fers Stopsel“
  • Und zuletzt hat Daniel auch noch für die Neue Osna­brü­cker Zei­tung eine Geschichte über meine Essens­reise geschrie­ben (mit klei­ner Bilderstrecke)

Als wäre all das noch nicht genug, habe ich nun auch meine wöchent­li­che Rei­se­ko­lumne beim Münch­ner Mer­kur den Osna­brü­cker Bekannt­schaf­ten gewid­met. Lese­freund­li­cher gibt’s den Text wie immer auf der Merkur-Homepage. Mehr Infor­ma­tio­nen zur Landkreis-Redaktion fin­det ihr auf deren Facebook-Seite.

 

Mai 10, 2012 - Niedersachsen, Rezepte    1 Kommentar

Im Land der sonderbaren Ostfriesen

Das Otto-Huus in Emden ehrt den wohl bekann­tes­ten Ost­frie­sen: Otto Waalkes.

Ich kenne nahezu jeden Witz, könnte vie­les Wort für Wort mit­spre­chen, sogar die Satz­me­lo­die habe ich über die Jahre nicht ver­ges­sen. Kurzum: Es ist erschre­ckend. Sehr sogar. Und ein Stück weit pein­lich. Dass ich so etwas in mei­ner Jugend tat­säch­lich lus­tig fand!

Eine Mischung aus Fas­zi­na­tion und Scham steigt in mir auf, wäh­rend ich alleine in die­sem Mini-Kino sitze und gebannt ver­folge, was da über die Lein­wand fla­ckert: Otto Waal­kes, in Schleife, eine Best-of-DVD mit Auf­trit­ten aus ich-weiß-nicht-wie-vielen Jahr­zehn­ten. Otto spielt fla­che Sket­che, Otto reißt nive­auf­reie Kalauer, Otto träl­lert grau­en­volle Lied­chen — und die Zuschauer schüt­teln sich vor lachen. So wie ich mich damals schüt­telte, als ich Otto Anfang der Neun­zi­ger­jahre für den lus­tigs­ten Men­schen der Welt hielt. Und „Otto — Der Außer­frie­si­sche“ für ein Werk voll­en­de­ter Filmkunst.

Inzwi­schen hat sich das glück­li­cher­weise geän­dert — und doch kann ich bei mei­nem Besuch in Emden das Otto-Huus nicht ein­fach unbe­se­hen links lie­gen las­sen. Ein gan­zes Museum nur für Otto Waal­kes? Hatte der Fah­rer, der mich in Olden­burg auf­ge­ga­belt hat, etwa doch Recht mit sei­ner War­nung: „Du willst nach Ost­fries­land? Da musst du auf­pas­sen. Die Leute dort sind komisch!“

Nach vier Tagen Ost­fries­land habe ich mir ein eige­nes Bild von die­sem Land­strich und den Men­schen dort gemacht — und bin um zwei Erkennt­nisse rei­cher. Ers­tens: Das Otto-Huus ver­dient den Namen Museum nicht wirk­lich; viel­mehr ist es ein Sou­ve­nir­shop, dem ein Raum mit Requi­si­ten aus diver­sen Otto-Filmen sowie das ange­spro­chene Mini-Kino ange­glie­dert ist. Und zwei­tens: Ost­frie­sen sind tat­säch­lich son­der­bar — und das in zwei­er­lei Hinsicht.

Wel­che Eigen­ar­ten das sind, steht in mei­ner jüngs­ten Reise-Kolumne für den Münch­ner  Mer­kur. Lese­freund­li­cher gibt es den Arti­kel auf der Merkur-Webseite (oder auf das unten ste­hende Bild kli­cken). Auch dies­mal will ich nicht ver­säu­men, in die­sem Zusam­men­hang auf die Facebook-Seite der Landkreis-Redaktion hinzuweisen.

Zum Nach­ko­chen (14): Mehl­pütt mit Vanil­le­soße

Und weil’s so lecker war, hier noch das Rezept für Mehl­pütt, das ich hier mit der freund­li­chen Geneh­mi­gung von Ines Kor­des vom Kul­tur­café Emden im Pel­zer­haus ver­öf­fent­li­che.

a) Mehl­pütt

Zuta­ten:

  • 30 Gramm Hefe
  • 1 Tee­löf­fel Zucker
  • 4 Ess­löf­fel Milch
  • 800 Gramm Mehl
  • 3 Eier
  • 05, Liter Milch
  • 1 Eßlöf­fel Schmalz (oder Butter)
  • 1 Prise Salz

Zube­rei­tung:

  1. Hefe mit Zucker und lau­war­mer Milch verrühren
  2. Mehl in eine Schüs­sel geben und lau­warme Milch, Eier, Schmalz (But­ter), Salz und Hefe vermengen
  3. Tüch­tig kneten
  4. Teig auf ein bemehl­tes Tuch legen und abde­cken (Teig sollte ca 1 Stunde aufgehen)
  5. Teig mit einem Tuch lose unter einen Topf­de­ckel bin­den und über dem Was­ser­dampf etwa 45 Minu­ten garen las­sen (Wich­tig: Der Pütt darf nicht im Was­ser hängen!)

(Rezept aus dem Ost­frie­si­schem Koch­buch von Anne­lene von der Haar)

b) Vanil­le­soße

Zuta­ten:

  • 1 Liter Milch
  • 125 Gramm Zucker
  • 1Vanillescote
  • 4 Eigelb
  • 20 Gramm Speisestärke

Zube­rei­tung:

  1. Spei­se­stärke mit etwas Milch anrühren
  2. Eigelb dazu geben und bei­des gut mit­ein­an­der vermengen
  3. Vanil­le­schote aus­krat­zen und alles mit der Milch und dem Zucker zum Kochen bringen
  4. Speisestärke/Eigelbmasse dazu­ge­ben und noch ein­mal auf­ko­chen lassen

(Rezept Ines Kordes)

Guten Appe­tit!

Ebenso süß wie lecker: Mehl­pütt mit Vanil­le­soße und Birnen.

Ines Kor­des, Küchen­che­fin im Kul­tur­café Emden, kocht Mehl­pütt. Die­ser Hefe­kloß wird im Was­ser­dampf gegart und ist ein tra­di­tio­nel­les ost­frie­si­sches Gericht.

Die Lei­te­rin des Tee­mu­se­ums in Leer, Celia Hübl, wiegt Tee­blät­ter ab. Neben ihr steht die Menge an Tee, die ein Ost­friese durch­schnitt­lich im Jahr trinkt: genug für 300 Liter.

Interviews im Dutzend (2): Extreme-Couch-Hopper

Daniel berich­tet vom Strand der Pazi­fik­in­sel Raro­tonga. Im Vor­der­grund rechts: das schlech­teste Bier der Welt.

Nutzt Couch­sur­fing und spart Geld!“ Es ist die­ser Satz aus dem Mund eines TV-Moderators, der die unglaub­li­che Geschichte des Daniel Hop­kins‘ ins Rol­len bringt. Die Aus­sage steht im kras­sen Wider­spruch zum Leit­ge­dan­ken des welt­wei­ten Netz­werks — und das will der Jour­na­list aus Osna­brück bewei­sen. Seine Idee: eine Reise um die Welt in 80 Tagen — auf 80 Couches.

Hop­kins holt die Flug­ge­sell­schaft Star Alli­ance ins Boot, bekommt die Flüge bezahlt, berich­tet in Stern-Blog und Neuer Osna­brü­cker Zei­tung. In 80 Tagen reist er durch 34 Städte, 21 Län­der und 5 Kon­ti­nente, ver­bringt 80 Sofa­nächte bei Couch­sur­fern aus aller Welt. So einer hat viel zu erzäh­len — über den Geschmack von leben­den Maden, ekel­er­re­gen­des Bier in der Süd­see und einen ver­füh­re­ri­schen Geburtstag.

Eine Gar­ten­laube in Osna­brück, der Brun­nen plät­schert, die Vögel zwit­schern, es däm­mert. Plopp, Daniel Hop­kins öffnet sich ein Bier. Plopp, noch eines für mich. Beck’s — die­ses Gün­ther Jauch unter den deut­schen Bieren.

Auf dem Holz­tisch steht ein Dut­zend wei­te­rer Fla­schen, dane­ben stiert der Hirsch vom Jägermeister-Etikett. Schnell also, bevor’s aus­ar­tet, ein Dutzend-Interview mit einem Dut­zend­sassa: Daniel Hop­kins, 34, Jour­na­list, PR-Manager, Social-Media-Experte, Vater, Osna­brü­cker, Rei­sen­der. Und „Extreme-Couch-Hopper“ — so steht’s auf sei­ner Web­seite.

1. Es ist 22 Uhr, ich bin auf Rei­sen und habe keine Ahnung, wo ich schla­fen soll. Ein Tipp vom Experten?

Daniel Hop­kins: Ich würde in die nächste Bar gehen und mit den Men­schen ins Gespräch kom­men. Du brauchst natür­lich eine gute Geschichte, aber wenn du die hast, dann wird irgend­wann einer sagen: Ach weißt du was, du kommst jetzt ein­fach mit zu mir.

2. Wo auf der Welt gibt es das schlech­teste Bier?

Hop­kins: Auf der Pazi­fik­in­sel Raro­tonga, ganz klar. Das war so abge­stan­den, dass es beim Öffnen nicht mal geploppt hat. Und geschmack­lich hatte das mit Bier über­haupt nichts zu tun.

3. Und das beste Bier?

Hop­kins: Also das Osna­brü­cker Pils ist schon sehr süf­fig und wirk­lich gut…

Puh, das glaubt er doch selbst nicht. Das welt­beste Bier aus Osna­brück? Und warum gibt’s dann hier Beck’s? Egal, Daniel Hop­kins ist gut drauf. Ein gebo­re­ner Erzäh­ler in Erzähllaune.

4. Das ekligste Essen auf dei­ner Reise?

Hop­kins: Das waren lebende Maden in Hong­kong. Ich wollte zu einer Halloween-Party in so einen Edel-Club, doch der Ein­tritt war sünd­haft teuer, umge­rech­net mehr als hun­dert Euro. Also habe ich dem Tür­ste­her vor­ge­schla­gen, dass ich zehn lebende Maden esse, wenn er mich für die Hälfte rein­lässt — und er hat Ja gesagt. Um ehr­lich zu sein: Die haben gar nicht so übel geschmeckt.

5. Wel­cher Ort dei­ner Reise war die größte Enttäuschung?

Hop­kins: Dakar im Sene­gal. Da bin ich von einer Gruppe Män­nern der­art bedrängt wor­den, dass ich laut um Hilfe schreien musste. Doch kaum war die Poli­zei weg, bin ich schon wie­der von denen ver­folgt worden.

6. Wel­cher Ort hat dich posi­tiv überrascht?

Hop­kins: Bra­si­lien. Da habe ich mich in die Stadt Rio de Janeiro ver­liebt — und in eine Frau. Sie war auch der Grund, warum ich nach mei­ner Reise für acht Monate nach Bra­si­lien gegan­gen bin.

Daniel Hop­kins hält inne, blickt einen Moment in die Däm­me­rung — und in die Ver­gan­gen­heit. Dann ein Seuf­zer, Plopp, neues Bier, tie­fer Beck’s-Schluck. Auch die Jägermeister-Gläser sind inzwi­schen nicht mehr unbe­nutzt. Daniel Hop­kins lehnt sich im Gar­ten­stuhl zurück, grinst. Wären da nicht die grauen Sträh­nen, er würde glatt als Stu­dent durch­ge­hen. Sieht so der moderne Glo­be­trot­ter aus? Ein Phi­leas Fogg 2.0? Zeit für Vorurteile.

7. Wel­ches Kli­schee hat sich auf dei­ner Reise bestätigt?

Hop­kins: Was man den Ame­ri­ka­nern immer nach­sagt: dass sie keine Ahnung haben, was außer­halb der USA pas­siert. Über­nach­tet habe ich dort bei zwei Stu­den­tin­nen. In deren Küche stand eine Mikro­welle nur mit zwei Knöp­fen — „Fleisch“ und „Pop­corn“. Das fand ich ziem­lich lus­tig, doch mein Lachen haben die Mäd­chen so inter­pre­tiert, dass wir in Deutsch­land ein der­ar­ti­ges High-Tech-Gerät gar nicht ken­nen. Also haben sie ange­fan­gen, mir zu erklä­ren, was man einer Mikro­welle alles Fan­tas­ti­sches anstel­len kann. Und das Beste war: Das Gerät stammte von Bosch, also von einer deut­schen Firma!

8. Und wel­ches Län­der­kli­schee lag kom­plett daneben?

Hop­kins: Das vom Über­wa­chungs­staat China. Ich hatte bereits bei der Visa-Anmeldung ange­ge­ben, dass ich Jour­na­list bin, und außer­dem Lap­top, Kamera und ande­res Equip­ment dabei. Des­halb habe ich damit gerech­net, dass ich an der Grenze stun­den­lang gefilzt werde. Doch aus­ge­rech­net China war das ein­zige Land, wo mein Hand­ge­päck über­haupt nicht kon­trol­liert wurde.

9. Gab es Erleb­nisse, bei denen du dich nicht getraust hast, sie in dei­nem Blog zu veröffentlichen?

Hop­kins: Ja, die gab es. Meh­rere sogar. Ich erzähle mal diese Geschichte: In Aus­tra­lien bin ich bei einer 40-jährigen Mut­ter und ihrem 20-jährigen Sohn unter­ge­kom­men. Es war mein 32. Geburts­tag und irgend­wann nach ein paar Bier sagt die Frau plötz­lich: Jetzt ist es Zeit für dein Geburts­tags­ge­schenk — und geht mir an die Wäsche. Den Rest der Geschichte lasse ich hier mal offen…

Zuge­ge­ben, ich hatte auf eine andere Geschichte gehofft, die Daniel Hop­kins zuvor im grö­ße­ren Kreis erzählt hat — nach der ers­ten Jäger­meis­ter­runde. Mit einem Hund und… ach egal: Das mit der Geburts­tags­über­ra­schung ist auch gut. Sex sells, sagt man doch so.

10. In einem Satz: Die Lehre dei­ner Reise?

Hop­kins: Die Welt ist gut, man wird fast über­all mit offe­nen Armen emp­fan­gen. Und man sollte nicht immer das Schlechte in allem sehen.

Waren das jetzt nicht zwei Sätze? Sogar drei? Aber was soll’s: Daniel Hop­kins im Erzäh­len zu brem­sen ist so ein­fach wie in der Mon­go­lei ein ordent­li­ches Weiß­bier auf­zu­trei­ben. Aber warum auch? Die­ser Mann ist wie das ZDF-Auslandjournal, nur in lus­tig. Kom­men wir also — Plopp!, Plopp! — zum Schlussspurt.

11. Der her­un­ter­ge­kom­menste Schlaf­platz dei­ner Reise?

Hop­kins: Das war in Dar-es-Salaam in Tan­sa­nia. Da habe ich in einer klei­nen Hütte über­nach­tet mit einem Loch im Boden als Toi­lette. Außer­dem haben mich die ganze Nacht Mos­ki­tos gequält, sodass ich fast kein Auge zube­kom­men habe.

12. Was bliebe dies­mal daheim, wenn du noch ein­mal auf 80 Cou­ches durch die Welt rei­sen würdest?

Hop­kins: Mein Smart­phone! Das hat sich in Afrika irgend­wie auto­ma­tisch ins Inter­net ein­ge­wählt. Am Ende des Monats kam dann eine Rech­nung über 1200 Euro. Da wäre ein stink­nor­ma­les Handy bes­ser gewesen…

Er lacht! 1200 Euro in den Sand gesetzt — und er lacht. Herr­lich! Das neh­men wir als Schluss­satz, auch wenn an die­sem Abend in der Gar­ten­laube noch gefühlte vier Dut­zend Geschich­ten fol­gen wer­den — und genug Beck’s, um als Aus­rede zu gel­ten für die ein oder andere Unge­nau­ig­keit in die­sem Inter­view, für die ich mich an die­ser Stelle schon ein­mal entschuldige…

Immer auf der Suche nach einer Couch — mag sie auch noch so unkom­for­ta­bel sein.

Stär­kung auf der Reise: Daniel Hop­kins isst Vet­koek auf einem Markt in Johannesburg.

Ein Couch­sur­fer auf Abwe­gen: In Dubai näch­tigt Daniel Hop­kins im 39. Stock des luxu­riö­sen Juwel Tower.

In Bra­si­lien ver­liebt sich Daniel Hop­kins dop­pelt: in Rio de Janeiro und in Rita — der Grund, warum er danach für acht Monate nach Süd­ame­rika zurückkehrt.