Kategorie: "Reiseleben"
Jun 28, 2012 - Reiseleben    Kein Kommentar

Ein Déjà-vu mit Labskaus

Heute steht Labskaus auf mei­nem Spei­se­plan. Hin­ter mir lie­gen Schäu­feleTei­chel­mauke und Schnüsch, und in den kom­men­den Wochen werde ich mir Wurste­brot, Pfef­fer­pott­hast und Dib­belab­bes vorknöpfen.

Ein Déjà-vu? Nein, tat­säch­lich sitze ich seit vier Wochen am hei­mi­schen Rech­ner in Mün­chen und schreibe die Erleb­nisse mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise in Buch­form nie­der — pro Bun­des­land ein Kapi­tel, also ins­ge­samt 16. Im Moment bin ich wie gesagt beim Labskaus und in Ham­burg ange­langt, Kapi­tel Num­mer acht, die Hälfte ist geschafft — könnte man meinen. Doch tat­säch­lich liegt höchs­tens ein Drit­tel der Arbeit hin­ter mir, denn schon jetzt graut mir vor dem Über­ar­bei­ten, Umstel­len und Umwer­fen des ers­ten Ent­wurfs, was mich sicher noch reich­lich Zeit und Schweiß kos­ten wird.

Aber sei’s drum: Ich komme voran — wenn auch nicht so schnell, wie ich anfangs gehofft hatte. Dafür hat sich in punkto Ver­lags­su­che Erfreu­li­ches getan. Denn aktu­ell deu­tet alles dar­auf hin, dass ein gro­ßer deut­scher Ver­lag mein Buch in sein Pro­gramm für das kom­mende Früh­jahr auf­neh­men wird. Sobald ich den Ver­trag unter­zeich­net habe, werde ich dar­über noch aus­führ­li­cher berichten.

Zuletzt weise ich noch auf drei schöne Bei­träge über meine Reise hin, die in den ver­gan­ge­nen Tagen erschie­nen sind:

Jun 20, 2012 - Reiseleben    Kein Kommentar

Ein Nimmersatt auf Deutschlandreise

Fast 4000 Kilo­me­ter bin ich durch Deutsch­land getrampt, mit 97 Fah­rern, habe bei 27 Couch­sur­fern über­nach­tet und 32 regio­nale Gerichte ver­drückt. Doch allein für die­sen einen Moment haben sich die Stra­pa­zen   gelohnt: Am ver­gan­ge­nen Frei­tag durfte ich die Zei­tungs­seite im Münch­ner Mer­kur mit Caro­lin Rei­ber tei­len —  der Caro­lin Reiber.

Zuge­ge­ben: Auch das Pär­chen­foto von Knö­del & mir ist spitze (Foto­graf: Oli­ver Bod­mer), der Text von Carina Lech­ner fasst meine kuli­na­ri­sche Reise char­mant zusam­men, und die Auf­ma­chung mit mei­ner Route als Karte finde ich prima. Aber was ist all das gegen ein Tête-à-tête mit dem Lio­nel Messi der Volks­mu­sik? Gerade ein­mal zwei mick­rige Spal­ten tren­nen mich von Carolin!

Was jetzt noch kom­men mag: Buch­ver­trag? Best­sel­ler? Lebens­lang Schweins­bra­ten mit Knö­del? Ich weiß nur dies: Bes­ser geht’s nim­mer für den Nimmersatt.

(Lesehin­weis: Wer sich Caro­lin Rei­bers Kolumne „Unter mei­nem weiß-blauen Him­mel“ in Ruhe zur Gemüte füh­ren will, sollte zunächst auf das untere Bild kli­cken, um zum Arti­kel zu gelan­gen. Danach ein­fach noch ein­mal auf den Arti­kel kli­cken, um ihn zu vergrößern.)

Jun 17, 2012 - Reiseleben    Kein Kommentar

32 Leibgerichte und ein Bäuchlein

Ein letz­tes Mal in den Topf geblickt: Im hei­mi­schen Mün­chen habe ich Gabi Wal­ter in der Gast­stätte Groß­markt­halle besucht und den baye­ri­schen Klas­si­ker geges­sen — Schweins­bra­ten mit Kartoffelknödel.

Wo hat’s am Bes­ten geschmeckt? Diese Frage höre ich zur­zeit häu­fi­ger als Jogi Löw im Fern­se­hen auf­taucht. Und ebenso sou­ve­rän wie der Bun­des­trai­ner am Mikro ant­worte ich: „In Nürn­berg. Das Frän­ki­sche Schäu­fele war spitze!“ Doch schon beim nächs­ten Fra­ger höre ich mich sagen: „Ham­burg, der Labskaus – ein­ma­lig.“ Und dem Drit­ten ent­gegne ich: „Die hand­ge­mach­ten Maul­ta­schen im Klos­ter Maul­bronn. Ein Traum!“

Nein, ein ein­zi­ges Lieb­lings­es­sen mei­ner kuli­na­ri­schen Reise her­aus­zu­pi­cken, ist so schwer wie nörd­lich der Linie Karls­ruhe – Nürn­berg eine anstän­dige Bre­zel auf­zu­trei­ben. Auf mei­nem Spei­se­plan der ver­gan­ge­nen drei Monate stan­den 32 regio­nale Gerichte in 16 Bun­des­län­dern – von Aal­suppe an der Küste bis Kässpat­zen im All­gäu. Jetzt weiß ich: Die tra­di­tio­nelle deut­sche Küche ist her­vor­ra­gend – und in Gefahr.

Denn auch wenn man in Bay­ern an jeder zwei­ten Ecke einen Schweins­bra­ten mit Knö­deln bekommt – andere Regio­nen pfle­gen ihre Esstra­di­tion weit weni­ger sorg­sam. So wollte ich im Nord­os­ten Schleswig-Holsteins das dor­tige Natio­nal­ge­richt Schnüsch essen, doch der Gemüse-Milch-Eintopf stand nir­gendwo auf der Karte. Zig Restau­rants habe ich abge­klap­pert, bei Lokal­zei­tung und Hei­mat­ver­ein nach­ge­fragt – ver­geb­lich. Erst in einem 1800-Seelen-Kaff wurde ich fün­dig. Dort kochte ein Wirt extra für mich Schnüsch, obwohl wir uns zuvor nur fünf Minu­ten am Tele­fon unter­hal­ten hatten.

Ohne­hin hat mich eines noch stär­ker beein­druckt als das Essen: die Hilfs­be­reit­schaft und Gast­freund­schaft der Deut­schen. Bis auf zwei Nächte im Hotel habe ich stets bei Frem­den auf der Couch oder im Kin­der­zim­mer über­nach­tet – und dabei zahl­lose inter­es­sante Men­schen getrof­fen. Fast 4000 Kilo­me­ter habe ich per Anhal­ter zurück­ge­legt und in den frem­den Autos fast ebenso viele denk­wür­dige Gesprä­che geführt. Spä­tes­tens wenn ich von mei­ner Reise erzählte, brach das Eis: Zum Thema Essen hat jeder etwas zu sagen.

Manch­mal habe ich auch geschwie­gen. Denn einige Fah­rer waren froh, end­lich einen Zuhö­rer zu fin­den. Etwa jener Mann in Sachsen-Anhalt, der mich auf der Heim­fahrt vom Grab sei­ner Frau auf­ga­belte. „Sie ist vor zwei Wochen gestor­ben.“ Die fol­gen­den zwan­zig Minu­ten brei­tete er sein See­len­le­ben aus, ohne dass ich ein Wort gesagt hätte. Sein letz­ter Satz zum Abschied: „Das hat rich­tig gut getan, sich so zu unterhalten.“

Was bleibt also von drei Mona­ten kuli­na­ri­scher Reise? Drei Dinge. Ers­tens: eine Viel­zahl Erleb­nisse, die ich nun in einem Buch nie­der­schreibe. Zwei­tens: ein klei­ner Bauch­an­satz. Und drit­tens: 32 neue Lieb­lings­ge­richte.

(in: Schwä­bi­sche Zeitung)

Mai 11, 2012 - Hessen, Reiseleben, Saarland    12 Kommentare

Dummheit tut weh

Nette Auto­fah­rer. Das wäre heute hilf­reich gewe­sen — ers­tens. Zwei­tens: etwas weni­ger Dumm­heit auf mei­ner Seite. Drit­tens eben­falls nicht zur Hand, obgleich drin­gend nötig: eine Son­nen­creme. Vier­tens: weni­ger Dumm­heit, fünf­tens: das rich­tige Gepäck und schließ­lich sechs­tens: weni­ger Dummheit.

Da jedoch die­ses halbe Dut­zend mir am heu­ti­gen Tag so schmerz­lich abgeht wie einem rei­sen­den Bay­ern eine ordent­li­che Bre­zen — daher also sitze ich jetzt ent­kräf­tet, ver­brannt und frus­triert in einer Bäcke­rei in Kai­sers­lau­tern und warte auf meine Mit­fahr­ge­le­gen­heit nach Frank­furt. Mit­fahr­ge­le­gen­heit? Ja, denn nach gut sie­ben Stun­den und mage­ren 36 Kilo­me­tern habe ich mei­nen  Anhal­ter­dau­men für heute in den Fei­er­abend geschickt.

Dabei ver­lange ich kei­nes­wegs Unmög­li­ches von ihm, als mein Anhal­ter­tag heute um neun Uhr in Saar­brü­cken star­tet. Das Ziel: Frank­furt — laut Google Maps gerade ein­mal ein 184 Kilo­me­ter lan­ger Kat­zen­sprung. Im Geiste sehe ich mich schon um die Mit­tags­zeit in Hes­sen, wäh­rend ich den ers­ten Autos gut gelaunt mei­nen Dau­men entgegenstrecke. 

600 vor­bei­don­nernde Fahr­zeuge und zwei Stun­den spä­ter ist meine Laune rezi­prok pro­por­tio­nal zur Außen­tem­pe­ra­tur gefal­len. Will hei­ßen: Wäh­rend mein Gemüts­zu­stand im Per­ma­frost bib­bert, treibt mir die bren­nende Sonne Schweiß­per­len auf die Stirn. Son­nen­creme? Ja, das wäre jetzt nicht schlecht. Ebenso wie eine kurze Hose. Statt­des­sen habe ich dicke Socken und die lange Unter­buxe im Ruck­sack, der oben­drein von aller­lei Nutz­lo­sem beschwert wird — doch dazu spä­ter mehr.

Denn zunächst naht Ret­tung in Gestalt einer net­ten Rus­sin, die mir einen Lift nach Neunkirchen/Saar anbie­tet. Einen flüch­ti­gen Blick auf die Karte gewor­fen: Ja, das liegt irgendwo im Nord­os­ten von Saar­brü­cken, ten­den­zi­ell Rich­tung Frank­furt, also hopps eingestiegen.

Erst in Neun­kir­chen — 20 Minu­ten und eine nette Unter­hal­tung spä­ter — stu­diere ich die Karte genauer und muss ent­de­cken: Statt wie erhofft an der A6 Rich­tung Kai­sers­lau­tern stehe ich an der A8. Bedeu­tet: Erst über das nahe Kreuz käme ich auf die gewünschte Auto­bahn. Doch damit nicht genug: Auch die Auf­fahrt in Neun­kir­chen erweist sich für Anhal­ter als so prak­tisch wie eine Blei­weste als Schwimmhilfe. 

Und so brüte ich erst eine halbe Stunde ver­geb­lich in der Sonne — kein ein­zi­ges Auto hält. Dann ver­su­che ich mein Glück an der nahen Tank­stelle mit direk­tem Anspre­chen — doch nie­mand fährt in meine Rich­tung (oder will einen ver­schwitz­ten und inzwi­schen wohl auch müf­feln­den Tram­per in sei­nem Wagen). Ent­nervt stelle ich mich schließ­lich an die Land­straße und hoffe über die­sen Umweg schnel­ler auf die A6 zu gelangen.

Dies­mal habe ich zum Glück einen Schat­ten­platz, doch inzwi­schen sind die Tem­pe­ra­tu­ren der­art geklet­tert, dass mir den­noch Schweiß­bä­che den Rücken hin­un­ter­rin­nen. Wohl auch, weil erneut ein paar Hun­dert Auto­fah­rer mit regungs­lo­sem Gesicht an mei­nem Dau­men vor­bei­bret­tern. Was ist nur mit den Saar­län­dern los, die ich bis­her als so herz­lich und hilfs­be­reit ken­nen­ge­lernt habe?

Dann end­lich stoppt ein Wagen. Und auch wenn ich nur zwei Hand­voll Saar­län­der kenne, wage ich zu behaup­ten: In Sachen Ver­rückt­heit gehört die­ser etwa 45-jährige Mann zur abso­lu­ten Elite des Lan­des. Gerade ein­mal acht Minu­ten sitze ich sei­nem Auto, doch das ist genug für ihn, um zunächst drei geschmack­lose Witze über Homo­se­xu­elle zu rei­ßen. Und dann einen Schwank aus sei­nem Lie­bes­le­ben zu erzäh­len, wobei es irgend­wie um Gum­mi­dil­dos, drei Nym­pho­ma­nin­nen, seine Spiel­sucht und Poli­zei­raz­zien geht. Ein Glück habe ich so meine Pro­bleme mit dem saar­län­di­schen Akzent, sodass mir der grö­ßere Zusam­men­hang des wir­ren Gefa­sels erspart bleibt. Und so nicke ich nur mono­ton, wäh­rend er von Fot­zen, Schwän­zen und Oral­sex schwa­dro­niert — in einem Ton, als berichte er vom jüngs­ten Familienausflug.

So, hier musst du raus!“, sagt’s, schubst mich bei­nahe vom Bei­fah­rer­sitz und braust davon. Erst der Blick aufs Handy ver­rät mir: Ich bin in Lim­bach, immer noch im Saar­land, immer­hin aber nahe der Auf­fahrt zur A6. Und so schul­tere ich mei­nen Ruck­sack und stapfe durch den Ort. Ach ja, habe ich erwähnt, dass es 35 Grad im Schat­ten hat? Und dass ein 20-Kilo-Rucksack auf dem Rücken die gefühlte Tem­pe­ra­tur locker noch ein­mal um fünf­zehn Grad erhöht?

An einer Kreu­zung recke ich erneut mei­nen Dau­men in die Luft — und bin fast über­rascht, dass es dies­mal nur 15 Minu­ten dau­ert, ehe ein jun­ger Bur­sche anhält. „Zur Auto­bahn­auf­fahrt? Ja, da kann ich dich hin­brin­gen.“ Erleich­tert sacke ich in den Bei­fah­rer­sitz und ver­su­che das üble Bren­nen in Gesicht und Nacken zu igno­rie­ren. Sollte die­ser grau­en­volle Tag doch noch ein gutes Ende fin­den? (Du, lie­ber und auf­merk­sa­mer Leser, kennst die Ant­wort bereits aus der Ein­gangs­se­quenz: Nein!)

Direkt an der Auto­bahn­auf­fahrt lässt mich der Junge unter einer Brü­cke aus­stei­gen. „Da hast du sogar Schat­ten“, sagt er zum Abschied. Ich nicke erleich­tert, winke ihm nach, drehe mich um, bli­cke auf das Auto­bahn­schild — und lasse im nächs­ten Moment einen Wut­schrei los, als hätte mir ein Arzt eröff­net, dass ich all­er­gisch gegen Scho­ko­lade sei. Denn: Ich stehe nicht etwa an der A6, son­dern wie­der an der A8! Heißt: In den letz­ten drei Stun­den habe ich einen gro­ßen Bogen ums Auto­bahn­kreuz gezo­gen, nur um jetzt erneut an der fal­schen Auto­bahn zu ste­hen. Und pas­send dazu bret­tern die Autos mit 70 Stun­den­ki­lo­me­tern auf die Auf­fahrt zu — Anhal­ter­chance gleich null.

Als ich ein wei­te­res Mal den Ruck­sack schul­tere, ist mir nach lau­tem, aus­gie­bi­gem Flu­chen zumute — allein mir fehlt die Kraft. Das War­ten, die Sonne, der Irre, der Durst und die Dumm­heit: Sie haben mich der­art aus­ge­zehrt, dass ich nur stumm wei­ter stapfe, wei­ter schwitze, wei­ter leide. Da taucht in der Ferne eine Bus­hal­te­stelle auf; eine halbe Stunde spä­ter stehe ich am Bahn­hof von Hom­burg. Vor sie­ben Stun­den bin ich in Saar­brü­cken auf­ge­bro­chen — und noch immer im klei­nen Saarland. 

Ein letz­tes Mal wider­stehe ich dem ver­lo­cken­den Schnell­zug nach Kai­sers­lau­tern und schleppe mei­nen Ruck­sack und mich 20 Minu­ten lang zur Orts­aus­fahrt­straße. Von hier — so ver­heißt es die Karte — soll­ten die Chan­cen groß sein, einen Lift auf die A6 zu bekom­men. Denke ich. Doch das Den­ken ist (an die­sem Tag) nicht meine Stärke. Tat­säch­lich ent­puppt sich die Straße als zwei­spu­ri­ges Mons­trum — weit und breit keine Hal­te­bucht, weit und breit kein Schatten. 

Dafür bin ich kom­plett durch­ge­schwitzt, hum­mer­rot und erle­digt, als ich 45 Minu­ten spä­ter im Zug sitze. In Kai­sers­lau­tern ange­kom­men, krame ich meine Stra­ßen­karte noch nicht mal aus dem Ruck­sack. Statt­des­sen greife ich zum Handy und arran­giere eine Mit­fahr­ge­le­gen­heit nach Frankfurt. 

Die Zeit bis zur Abfahrt über­brü­cke ich in einer Bäcke­rei am Bahn­hof. Dort schütte ich Was­ser um Was­ser in mich hin­ein und tippe diese Zei­len. Und auch wenn ihr’s nicht glau­ben wer­det: Gerade als ich mir Gedan­ken um das pas­sende Ende die­ser Geschichte mache, ertönt im Radio ein Lied von Xavier Nai­doo: „Die­ser Weg wird kein leich­ter sein.“ 

Mai 1, 2012 - Reiseleben    7 Kommentare

Eine Halbzeit in 17 Bildern

So pünkt­lich ich die erste Hälfte mei­ner Reise hin­ter mich gebracht habe — exakt am 15. April, also nach 46 der ange­peil­ten 92 Tage, war ich in Schles­wig, dem nörd­lichs­ten Punkt mei­ner Route. So unpünkt­lich folgt nun eine kleine Zwi­schen­bi­lanz in Bil­dern — zwei Wochen nach dem Halbzeitpfiff.

Obwohl Bilanz eigent­lich das fal­sche Wort ist: Viel­mehr han­delt es sich bei fol­gen­den Fotos um Bemer­kens­wer­tes, Bedenk­li­ches und Kurio­ses, das mir auf mei­ner Reise vor die Linse gelau­fen ist — abge­se­hen von den  Sehens­wür­dig­kei­ten, Men­schen und vor allem Gerich­ten, um die es sonst an die­ser Stelle geht.

Ein Rück­blick in 17 Fotos:

1nurnberg

Zünf­tige Madl und ker­nige Bur­schen sucht man im tra­di­tio­nel­len Brat­wurst­häusle in Nürn­berg ver­ge­bens. Dort ste­hen Asia­ten am Grill und brut­zeln die bekann­tes­ten Würste der Stadt.

2altenburg

Um nicht fal­sche Kli­schees zu bedie­nen: Die­ses arg ram­po­nierte Gefährt in Alten­burg war nahezu der ein­zige Trabbi, der mir im Osten über den Weg gefah­ren ist.

3cottbus

Cott­bus ist die größte zwei­spra­chige Stadt der Bun­des­re­pu­blik. Nahezu alle Stra­ßen­na­men sind sowohl auf Deutsch als auch auf Sor­bisch angeschrieben.

4berlin

Wir Bay­ern haben der Welt Bre­zen, Bier und Lothar Mat­thäus geschenkt. Doch man­ches hät­ten wir bes­ser für uns behal­ten — etwa eine Köst­lich­keit namens Leber­käse. So jedoch musste ich im Ber­li­ner Bahn­hof Fried­richs­straße die­sen Imbiss ent­de­cken, des­sen rosa-labbrige Fleisch­stü­cke kaum mehr etwas mit dem lecke­ren Ori­gi­nal zu tun haben.

5berlin

Ach ja, auch einen „Spätzle Express“ gibt’s in der Haupt­stadt der kuli­na­ri­schen Irrun­gen. Ein Glück habe ich mich in Ber­lin auf Döner­bu­den beschränkt… (siehe: http://deutschland-isst.info/2012/03/20/drei-tage-doner-en-masse/)

6magdeburg+

Mag­de­burg ist die Otto-Stadt: Zum einen wegen Otto dem Gro­ßen (912−973), der dort über­all Spu­ren hin­ter­las­sen hat. Zum ande­ren wegen Otto von Gueri­cke, laut Wiki­pe­dia „Poli­ti­ker, Jurist, Natur­wis­sen­schaft­ler, Phy­si­ker, Tier­arzt, Erfin­der und auch Bür­ger­meis­ter“. Sein wohl wich­tigs­ter Ver­dienst ist die Begrün­dung der Vaku­um­tech­nik, die er mit einem spek­ta­ku­lä­ren Ver­such mit zwei Halb­ku­geln der Öffent­lich­keit demons­trierte. Daran erin­nert die­ses Bildnis.

7schwerin

In Schwe­rin droht dem Thea­ter ein radi­ka­ler Spar­kurs. Dage­gen wehrt sich die Stadt: Einen Tag vor mei­nem Besuch gin­gen 3000 Men­schen auf die Straße — angeb­lich die größte Demons­tra­tion, die es dort je gege­ben hat.

8schwerin

Fast schon phi­lo­so­phisch — gese­hen auf dem Mede­we­ge­hof in Schwerin.

9luebeck

Ihr merkt: Wir sind bei den Lebens­weis­hei­ten ange­langt. Diese hier aus Lübeck gefällt mir allein schon wegen ihrer Simplizität.

10luebeck

Ein­mal ins Fege­feuer, bitte.“ Auch das gibt’s in Lübeck.

11kiel

Blick auf den Strand von Laboe an der Kie­ler Förde. Im Hin­ter­grund schip­pert ein Last­kahn vorbei.

12eckernfoerde

In der Räu­che­rei Reh­behn & Kruse in Eckern­förde wer­den die Kie­ler Sprot­ten ein­zeln auf­ge­spießt, ehe es in die Räu­cher­kam­mer geht.

13schleswig

Alle reden über die Pira­ten — dabei gibt es schon eine hydro­phile Par­tei: Die Mari­time Union Deutsch­land wirbt um Stim­men bei der Land­tags­wahl in Schleswig-Holstein.

14flensburg

Fuck the Recht­schrei­bung! — in Flensburg.

15stpauli

Im Ham­bur­ger Sün­den­pfuhl von St. Pauli steht in unmit­tel­ba­rer Nähe zur Ree­per­bahn ein Klos­ter. Darin leben tat­säch­lich noch eine Hand­voll Non­nen, deren Leit­spruch wohl im Kon­text der unmit­tel­ba­ren Umge­bung zu sehen ist.

16.stpauli

Eben­falls in St. Pauli: die Pfand­kiste. Eine kluge Idee, getreu dem Motto die­ses außer­ge­wöhn­lich span­nen­den Vier­tels: do it your­self. Will hei­ßen: Wenn dir etwas in dei­ner Umge­bung nicht passt, dann jam­mere nicht, son­dern ändere es. Selbst.

17stpüauli

Und ein letz­tes Foto aus St. Pauli: die Ree­per­bahn. Der ein­zig mir bekannte Ort, wo die Ampeln für Fuß­gän­ger deut­lich grö­ßer sind als jene für Autos. Hin­ter­grund sind die Mas­sen von Be– bis Voll­trun­ke­nen, die hier am Wochen­ende dem Alko­hol­kon­sum frönen.

Zünftige Madl und kernige Burschen sucht man im traditionellen Bratwursthäusle in Nürnberg vergebens. Dort stehen Asiaten am Grill und brutzeln die bekanntesten Würste der Stadt.Um nicht falsche Klischees zu bedienen: Dieses arg ramponierte Gefährt in Altenburg war nahezu der einzige Trabbi, der mir im Osten über den Weg gefahren ist.Cottbus ist die größte zweisprachige Stadt der Bundesrepublik. Nahezu alle Straßennamen sind sowohl auf Deutsch als auch auf Sorbisch angeschrieben.Wir Bayern haben der Welt Brezen, Bier und Lothar Matthäus geschenkt. Doch manches hätten wir besser für uns behalten - etwa eine Köstlichkeit namens Leberkäse. So jedoch musste ich im Berliner Bahnhof Friedrichsstraße diesen Imbiss entdecken, dessen rosa-labbrige Fleischstücke kaum mehr etwas mit dem leckeren Original zu tun haben.Ach ja, auch einen "Spätzle Express" gibt's in der Hauptstadt der kulinarischen Irrungen. Ein Glück habe ich mich in Berlin auf Dönerbuden beschränkt... (siehe: http://deutschland-isst.info/2012/03/20/drei-tage-doner-en-masse/)Magdeburg ist die Otto-Stadt: Zum einen wegen Otto dem Großen (912-973), der dort überall Spuren hinterlassen hat. Zum anderen wegen Otto von Guericke, laut Wikipedia "Politiker, Jurist, Naturwissenschaftler, Physiker, Tierarzt, Erfinder und auch Bürgermeister". Sein wohl wichtigster Verdienst ist die Begründung der Vakuumtechnik, die er mit einem spektakulären Versuch mit zwei Halbkugeln der Öffentlichkeit demonstrierte. Daran erinnert dieses Bildnis.In Schwerin droht dem Theater ein radikaler Sparkurs. Dagegen wehrt sich die Stadt: Einen Tag vor meinem Besuch gingen 3000 Menschen auf die Straße - angeblich die größte Demonstration, die es dort je gegeben hat.Fast schon philosophisch - gesehen auf dem Medewegehof in Schwerin.Ihr merkt: Wir sind bei den Lebensweisheiten angelangt. Diese hier aus Lübeck gefällt mir allein schon wegen ihrer Simplizität."Einmal ins Fegefeuer, bitte." Auch das gibt's in Lübeck.Blick auf den Strand von Laboe an der Kieler Förde. Im Hintergrund schippert ein Lastkahn vorbei.In der Räucherei Rehbehn & Kruse in Eckernförde werden die Kieler Sprotten einzeln aufgespießt, ehe es in die Räucherkammer geht.Alle reden über die Piraten - dabei gibt es schon eine hydrophile Partei: Die Maritime Union Deutschland wirbt um Stimmen bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein.Fuck the Rechtschreibung! - in Flensburg.Im Hamburger Sündenpfuhl von St. Pauli steht in unmittelbarer Nähe zur Reeperbahn ein Kloster. Darin leben tatsächlich noch eine Handvoll Nonnen, deren Leitspruch wohl im Kontext der unmittelbaren Umgebung zu sehen ist.Ebenfalls in St. Pauli: die Pfandkiste. Eine kluge Idee, getreu dem Motto dieses außergewöhnlich spannenden Viertels: do it yourself. Will heißen: Wenn dir etwas in deiner Umgebung nicht passt, dann jammere nicht, sondern ändere es. Selbst.Und ein letztes Foto aus St. Pauli: die Reeperbahn. Der einzig mir bekannte Ort, wo die Ampeln für Fußgänger deutlich größer sind als jene für Autos. Hintergrund sind die Massen von Be- bis Volltrunkenen, die hier am Wochenende dem Alkoholkonsum frönen.
Mrz 31, 2012 - Reiseleben    8 Kommentare

Die perfekte Welle

Wel­len­rei­ten auf Deutsch­lands Sofas: Couch­sur­fing hat meine Reise bereichert.

Es gibt Dinge, die klin­gen in der Theo­rie so ein­leuch­tend wie das kleine Ein­mal­eins — in der Pra­xis jedoch ent­spre­chen sie gewis­ser­ma­ßen einer Divi­sion durch Null. Will hei­ßen: Sie schei­tern kläg­lich. Der Kom­mu­nis­mus ist so ein Bei­spiel, ebenso Mon­ta­ge­an­lei­tun­gen von IKEA. Oder das Prin­zip von Couch­sur­fing — so dachte ich bis vor weni­gen Wochen.

Wieso sollte jemand seine Woh­nung für einige Tage mit Frem­den tei­len — und das ohne Gegen­leis­tung? Wie neun­und­neun­zig Pro­zent aller Nicht-Couchsurfer konnte auch ich diese Frage nicht zufrie­den­stel­lend beant­wor­ten. Damals. Inzwi­schen jedoch habe ich diese Art des Rei­sens ken­nen und schät­zen gelernt; Zeit für eine erste Bilanz.

Was ist Couchsurfing?

Couch­sur­fing ist ein sozia­les Netz­werk im Inter­net mit Pro­fi­len, Freun­des­lis­ten und Foto­al­ben, also durch­aus ähnlich zu Face­book. Im Zen­trum steht aber ein ande­rer Gedanke: Mit­glie­der las­sen andere Couch­sur­fer, die auf Rei­sen sin, für einige Zeit kos­ten­frei bei sich woh­nen (oft auf der Couch — daher der Name). Die Nut­zer sind aber nicht ver­pflich­tet, eine Unter­kunft zur Ver­fü­gung zu stel­len. Sie kön­nen alter­na­tiv auch anbie­ten, sich mit ande­ren Mit­glie­dern auf einen Kaf­fee oder zum Stadt­rund­gang zu treffen.

Ist das nicht gefährlich?

So lau­tet die Stan­dard­frage von Außen­ste­hen­den — und zwar sowohl an Hosts (die­je­ni­gen, die eine Unter­kunft anbie­ten) als auch an Sur­fer (die Rei­sen­den). Schließ­lich lasse man Wild­fremde bei sich über­nach­ten bzw. näch­tige bei ihnen. Was da alles pas­sie­ren kann…

Die Ant­wort ist: eine Menge — allein die Wahr­schein­lich­keit ist kaum höher als bei der Über­nach­tung im Hotel. Ich will jetzt nicht den stets zitier­ten Ver­gleich mit den Tau­sen­den Ver­kehrs­to­ten bemü­hen. Daher nur so viel: Wenn man ein paar Dinge beach­tet, ist das Risiko beim Couch­sur­fing mini­mal, der Nut­zen jedoch groß — doch dazu gleich mehr.

Wie wäh­len Sur­fer ihre Hosts aus — und umgekehrt?

Über eine Such­funk­tion erhält der Sur­fer eine Liste mit Hosts, die in der betref­fen­den Stadt ihre Couch anbie­ten. Nun kann er eine Anfrage abschi­cken, die der Ange­schrie­bene wie­derum anneh­men oder ableh­nen kann. Das heißt: Nie­mand ist ver­pflich­tet, irgend­je­mand bei sich aufzunehmen.

Doch wie lässt sich die andere Per­son ein­schät­zen? Da ist ers­tens das für alle Mit­glie­der ein­seh­bare Pro­fil mit Fotos, Hob­bys etc., das bereits einen guten Ein­druck über den Nut­zer ver­mit­telt — und zudem, zwei­tens, via Kre­dit­karte veri­fi­ziert wer­den kann. Drit­tens ent­hält die Pro­fil­seite kurze Refe­ren­zen von ande­ren Mit­glie­dern, wel­che die jewei­lige Per­son als Host bzw. Sur­fer ken­nen­ge­lernt haben (ähnlich zu Ebay-Bewertungen). Und vier­tens muss jede Couch-Anfrage ein Anschrei­ben mit Infor­ma­tio­nen zu Rei­sen­dem und Hin­ter­grund der Reise enthalten.

Was bringt Couchsurfing?

Eine kos­ten­lose Unter­kunft: So wird die Ant­wort in neun von zehn Fäl­len lau­ten — aller­dings nur, wenn man Nicht-Mitglieder fragt. Für Couch­sur­fer selbst hin­ge­gen spielt der Geld-Faktor meist eine unter­ge­ord­nete Rolle; in vie­len Pro­fi­len steht sogar aus­drück­lich: „Bitte keine Anfra­gen von Nut­zern, die nur ein kos­ten­lo­ses Quar­tier suchen.“

Doch woher kommt dann die Moti­va­tion? In mei­nen Augen gibt es zwei zen­trale Aspekte. Ers­tens der Beweg­grund, des­sent­we­gen auch ich mich für Couch­sur­fing ent­schie­den habe: inter­es­sante Men­schen ken­nen­ler­nen. Schließ­lich will ich auf mei­ner Reise nicht nur erkun­den, wie Deutsch­land isst, son­dern auch, wie es ist. Im Falle der meis­ten Couchsurfing-Hosts beschränkt sich dies natür­lich nicht auf Deutsch­land — im Gegen­teil. „Wenn ich selbst gerade nicht durch die Welt reise“, for­mu­liert es etwa meine Gast­ge­be­rin Gabi, „dann kann ich durch Couch­sur­fing die Welt zu mir nach Cott­bus holen“.

Zwei­tens gibt es einen Beweg­grund, den vor allem Sur­fer schät­zen — und den ich vor mei­ner Deutsch­land­tour über­haupt nicht bedacht hatte: Dank Couch­sur­fing kön­nen Rei­sende ihren Rei­se­ort nicht nur klas­sisch als Tou­rist erle­ben, son­dern auch ein­tau­chen in die Welt der Men­schen vor­ort. Tat­säch­lich habe ich durch meine Hosts Orte, Spei­sen und Men­schen ent­deckt, die mir als Hotel­rei­sen­der ver­bor­gen geblie­ben wären. So war ich mit einer Gast­ge­be­rin samt Töch­ter­chen im Kin­der­thea­ter, habe eine Sän­ge­rin zur Band­probe beglei­tet, von einem Schau­spie­ler Ein­bli­cke in den Über­le­bens­kampf vie­ler Thea­ter im Osten bekom­men und in der Studenten-WG Bier um Bier geleert. Ganz zu schwei­gen von den vie­len, vie­len Sight­see­ing– und Restauranttipps.

Wer ist der typi­sche Couchsurfer?

Ich habe bei einem jun­gen Paar mit Klein­kin­dern gewohnt, bei einer Leh­re­rin, bei Stu­den­ten, bei der allein­er­zie­hen­den Mut­ter, beim alter­na­ti­ven Hippie-Pärchen und, und, und. Will hei­ßen: Der typi­sche Couch­sur­fer exis­tiert nicht. Ten­den­zi­ell sind unter den welt­weit rund vier Mil­lio­nen Mit­glie­dern aber über­pro­por­tio­nal viele Stu­den­ten; zudem sind Couch­sur­fer eher jün­ger und selbst viel gereist. Und zumin­dest nach mei­nem Ein­druck gehö­ren auch ein Schuss Gut­men­schen­tum, große Tole­ranz sowie Neu­gier auf andere Kul­tu­ren zu typi­schen Wesenszügen.

Gibt es Nachteile?

Natür­lich. Bei­spiels­weise sollte man als Couchsurfing-Gast eher nicht nur in Unter­buxe zum Früh­stück erschei­nen. Zudem kommt es vor, dass einen mor­gens nicht der Duft fri­schen Kaf­fees son­dern Kin­der­ge­schrei weckt — oder schon des Nachts ein allzu zudring­li­cher Hund („Der wollte nur spie­len…“). Auch in Sachen Hygie­ne­emp­fin­den kommt es vor, dass der Host von den eige­nen Stan­dards in etwa so weit ent­fernt ist wie die FDP der­zeit von der Fünf­pro­zent­hürde. Und wie im hei­mi­schen All­tag trifft man mit­un­ter auf nerv­tö­tende, dumme und müf­felnde Men­schen — oder sol­che, die eben diese Eigen­schaf­ten der eige­nen Per­son attes­tie­ren. Kurzum: Couch­sur­fing ist im Grunde wie das Rei­sen selbst: meist auf­re­gend, bis­wei­len anstren­gend, sel­ten ärger­lich — aber alles in allem sehr, sehr lohnenswert!

(Mehr Infos auf der Couchsurfing-Webseite)

Mrz 23, 2012 - Reiseleben    Kein Kommentar

Speiseplan 2.0

Nach mehr als drei Wochen habe ich nun erst­mals meine Route aktua­li­siert. Zum einen in Rich­tung Ver­gan­gen­heit — also Gerichte, die ich auf mei­ner bis­he­ri­gen Reise ent­deckt habe. Zum ande­ren in Rich­tung Zukunft — also jene regio­nale Spe­zia­li­tä­ten, die ich auf­grund von Freun­des­tipps anpei­len werde. Dazu gehö­ren etwa Pfef­fer­pott­hast (Danke Jan!), Stop­sel (Danke Uli!) und das Zun­gen­ra­gout (Danke liebe Anhal­te­rin aus Mag­de­burg mit den roten Haaren!).

Doch wei­ter­hin gilt: Meine Route ist nicht in Stein gemei­ßelt. Habt Ihr noch wei­tere Gerichte, die ich unbe­dingt auf mei­nen Spei­se­plan set­zen sollte? Dann gebt Bescheid! (zur Kon­takt­seite)