Kategorie: "Weihnachtsaktion"
Dez 20, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    Kein Kommentar

Türchen 20 — Letzte Chance

Hin­ter Tür­chen Num­mer 20 war­tet nichts ande­res als schnöde Wer­bung. Sorry. Aber heute ist nun ein­mal die letzte Chance, noch ein signier­tes Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ als Weih­nachts­ge­schenk zu bestel­len — ver­sand­kos­ten­frei in ganz Deutsch­land. Schreibt mir dazu ein­fach eine Mail an Patrik.Staebler(ät)gmx.de (Details zur Weih­nachts­ak­tion ste­hen hier).

Ansons­ten wün­sche ich Euch einen ent­spann­ten vier­ten Advent mit die­sem besinn­li­chen Foto…

Ein signiertes Buch als Weihnachtsgeschenk bestellen - bevor das letzte Lichtlein brennt...

 

Bis­her im Adventskalender:

Dez 19, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    1 Kommentar

Türchen 19 — Totholz lebt!

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Die ers­ten Verkaufszahlen.

Papier ist trumpf - zumindest bei meinem Buch.

Papier ist trumpf — zumin­dest bei mei­nem Buch.

Die Zukunft ist digi­tal — und Papier auf dem Holz­weg. Ich weiß, ich weiß. So in zwei bis drei Jah­ren wer­den Zei­tun­gen nur noch im Museum zu bestau­nen sein; Teen­ager wer­den im Geschichts­un­ter­richt von so skur­ri­len Din­gen wie „Büchern“ hören; und Otto-Normal-Friese wird sei­nen Fisch in eine bieg­same iFo­lie wickeln, über die Spor­t­er­geb­nisse und Bör­sen­kurse flim­mern. Das alles habe ich ver­in­ner­licht wie Obe­lix den Wild­schwein­bra­ten. Ich bin ja vom Fach und so.

Des­halb war mir auch sofort klar, wohin ich mei­nen Blick rich­ten musste, als ich den Brief mit den Ver­kaufs­zah­len vom Rowohlt-Verlag erhielt — näm­lich zu den E-Books. Dazu sei ange­merkt: Es war dies meine Premieren-Abrechnung für „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“, und sie umfasste nur die Ver­käufe im ers­ten Monat nach dem Erschei­nungs­tag am 1. Juni. Doch ein paar Hun­dert­tau­send E-Books soll­ten schon über die digi­tale Tre­sen von Ama­zon, Apple und Co. gegan­gen sein. Nahm ich an.

   Zwei digi­tale Exemplare

Titel: Stäbler, Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten — E-Book“, las ich dort also, „Gesamt­ab­satz per 30.06.2013″. Und dane­ben — eine 2.

Eine 2? Wel­che Ein­heit ist damit gemeint?, schoss es mir durch den Kopf. Sind das 2.000 oder nur 200 oder gar 20.000? Ich suchte nach einer Legende — Fehlanzeige.

Da end­lich fiel der Gro­schen — und zeit­gleich mein Unter­kie­fer auf die Brust: Die 2 war kein Mul­ti­pli­ka­tor, son­dern die abso­lute Zahl. Ich hatte im Auf­takt­mo­nat also genau 2 E-Books von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ ver­kauft. Zwei. Z W E I ! ! !

Ich traute mich kaum, mei­nen Blick zu den Print-Verkaufszahlen zu rich­ten. Wenn das E-Book — die digi­tale Zukunft, der Ret­ter der Bran­che, das Lesen 2.0 — schon so jäm­mer­lich abge­schnit­ten hatte, wie sollte es dann erst bei der Papier­form aus­se­hen? Dem Medium von ges­tern. Den bedruck­ten toten Bäumen.

   Tau­send­mal mehr Papier

Halb erwar­tete ich dort eine 210 zu sehen: meine 10 Frei­ex­em­plare plus die 200 Bücher, die ich für mich bestellt hatte. Und tat­säch­lich: Dort stand eine 210 — jedoch mit einer wei­te­ren 6 an Schluss, also 2.106. Dem­nach hatte ich bei wei­tem mehr Papier­bü­cher als Digi­tal­bü­cher ver­kauft. Das Tot­holz, es lebt!

Lang­sam ließ ich den Zet­tel sin­ken, raschelte dabei extralaut mit dem Papier und schubste mein Gehirn zur nächs­ten Frage: 2.106… par­don: 2.108 Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ hatte ich also im Auf­takt­mo­nat ver­kauft. Ist das viel? Eher nicht. War ich zufrie­den? Eher schon — auch wenn ich mir man­gels Erfah­rung und Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten keine bestimmte Ver­kaufs­zahl als Ziel gesetzt hatte.

Nun muss ich zu mei­ner Schande geste­hen: Diese Ver­kaufs­zah­len von Anfang Juli sind der letzte mir bekannte Zwi­schen­stand. Seit­dem habe ich nichts mehr von Rowohlt gehört; ich ver­mute ein­mal, dass die nächste halb­jähr­li­che Abrech­nung Anfang Januar im Brief­kas­ten lie­gen wird. Im Sep­tem­ber stand ich jedoch in E-Mail-Kontakt mit dem Ver­lag, und da schrieb mir die Lek­to­rin, dass aktu­ell etwa 2.400 Exem­plare ver­kauft seien. Was ich zudem sicher weiß: Die Erst­auf­lage von 5.000 Büchern ist noch nicht gänz­lich ver­hö­kert, denn sonst wäre der Ver­lag wegen einer zwei­ten Auf­lage an mich herangetreten.

   Lei­der nicht ausgesorgt

Ich würde also schät­zen, dass bis­lang knapp 3.000 Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ ver­kauft wor­den sind. Heißt für mich einer­seits, dass ich mit dem Buch lei­der nicht für den Rest mei­nes Lebens aus­ge­sorgt habe und wei­ter arbei­ten muss (mehr zu den Finan­zen hin­ter Tür­chen #17). Ande­rer­seits habe ich weit mehr Men­schen erreicht und weit mehr Exem­plare unters Volk gebracht, als ich es mit einem Buch im Selbst­ver­lag geschafft hätte (–> Tür­chen #9) — grob geschätzt rund zehn­mal so viele.

Ich kann mit die­sen Ver­kaufs­zah­len also gut leben, zumal ich die Frage nach ihnen ohne­hin nur noch wie folgt beant­wor­ten werde: „Ich sag’s mal so: Ich habe von mei­nem Buch mehr als 1.000-mal so viele gedruckte Exem­plare wie E-Books ver­kauft. Und die sind ja bekannt­lich die Zukunft…“

 

Bis­her im Adventskalender:

Dez 18, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    Kein Kommentar

Türchen 18 — Anonyme Bekanntschaften

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Anonyme Bekanntschaften.

Frédéric Bierbrauer (links) und und Florian Romer sind Erna & Co.

So köst­lich das SLS-Menü von Frédé­ric und Flo auch war — ihre Erna & Co. habe ich lei­der nicht in mei­nem Buch untergebracht.

Auf mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise habe ich aller­lei Men­schen getrof­fen, deren Gast­freund­schaft und Hilfs­be­reit­schaft mich tief beein­druckt haben. Bei­spiels­weise Mario Samm­ler, der mich bei grau­tris­tem Nie­sel­re­gen im mecklenburg-vorpommerschen Nie­mands­land auf­ge­le­sen und in sein Zuhause mit­ge­nom­men hat — zugleich eines der renom­mier­tes­ten Whisky-Geschäfte Mit­tel­deutsch­lands. In Marios „The Quaich“ habe ich einen unver­gess­li­chen Nach­mit­tag erlebt, nicht zuletzt wegen der herz­li­chen Art des Haus­her­ren und sei­ner Frau Ela. (Hier geht’s zum aus­führ­li­chen Bericht im Blog)

Auf mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise habe ich aller­lei Gerichte ver­kos­tet, die mir nicht sel­ten die Freu­den­trä­nen in die Augen gedrückt haben. Bei­spiels­weise bei Erna & Co., ein Food­truck in Stutt­gart, wo sich der Schwabe mit haus­ge­mach­ten regio­na­len Spe­zia­li­tä­ten von Spätzle bis Maul­ta­sche ver­sor­gen kann. Ich habe dort einen unver­gess­li­chen Nach­mit­tag mit den bei­den Grün­dern Flo­rian Romer und Frédé­ric Bier­brauer ver­bracht — nicht nur wegen ihres vor­züg­li­chen SLS-Menüs (Sai­ten­würste, Lin­sen, Spätzle), das ich glücks­se­lig bis zum letz­ten Soßen­rest ver­putzt habe. (Hier geht’s zum Inter­view im Blog)

  Stoff für gefühlt 781 Seiten

Auf­merk­sa­men Leser mei­nes Buches wer­den die genann­ten Per­so­nen und Gerichte sicher bekannt vor­kom­men. Nicht. Denn weder Mario und „The Quaich“ noch Flo, Frédé­ric und Erna fin­den sich in „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ wie­der. Genauso wenig wie ich im Buch von mei­nem Besuch in der Eppen­dor­fer Grill­sta­tion berichte oder mei­nen Erleb­nis­sen auf der Insel Rügen. Auch über den Pfef­fer­pott­hast im Alten Markt in Dort­mund, den Schweins­bra­ten in der Gast­stätte Groß­markt­halle in Mün­chen oder den Buddenbrock’schen Plet­ten­pud­ding in der Schif­fer­ge­sell­schaft zu Lübeck — kein ein­zi­ges Wort!

Mario Sammler probiert sich durch seine Whiskysammlung.

Mario Samm­ler in „The Quaich“.

Warum? Auf diese Frage gibt es keine all­ge­mein­gül­tige Ant­wort. Mal musste ich mich schwe­ren Her­zens für eine ande­ren Epi­sode aus dem jewei­li­gen Bun­des­land ent­schei­den (also Frän­ki­sches Schäu­fele statt Schweins­bra­ten), mal passte die Geschichte the­ma­tisch nicht ins Kapi­tel (Erna & Co. oder die Eppen­dor­fer Grill­sta­tion), mal hätte es einen Bruch in mei­ner Rei­se­route gege­ben (The Quaich) und mal — oder genauer gesagt in den aller­häu­figs­ten Fäl­len — fehlte mir schlicht der Platz. Schließ­lich war mein Buch ursprüng­lich auf 256 Sei­ten ange­legt. 302 sind es gewor­den. 781 hätte ich gefühlt fül­len können.

  Ungu­tes Gefühl im Magen

Was mich frei­lich in eine Zwick­mühle brachte. Da hat­ten her­zens­gute Men­schen ihre Zeit geop­fert und oft auch ihr Essen mit mir geteilt, in dem Wis­sen, dass ich ein Buch über meine Reise schreibe — und dann tau­chen sie hin­ter­her in dem Werk gar nicht auf. Ist das fair? Sicher nicht. War das ver­meid­bar? Lei­der genauso wenig. Schließ­lich wusste ich im Vor­hin­ein ja nicht, wie viel „Stoff“ ich benö­tige, was mir noch so alles auf der Reise wider­fährt, und wie das fer­tige Buch letzt­lich aus­se­hen wird. So habe ich lie­ber ein Restau­rant mehr besucht, eine Speise mehr geges­sen und ein Tref­fen mehr ver­ein­bart — als am Ende mit zu wenig Schrei­bens­wer­tem dazustehen.

Zwar habe ich nie­man­dem zuge­si­chert, dass er, sein Gericht oder sein Geschäft spä­ter im Buch auf­tau­chen wird — und über­dies alle dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Auf­bau und Inhalt des Wer­kes noch nicht fest­ste­hen. Jedoch bleibt da trotz­dem ein ungu­tes Gefühl in der Magen­grube, auch wenn sich bis­lang noch nie­mand bei mir beschwert hat.

Daran kann auch die Dank­sa­gung auf den Sei­ten 302 & 303 von„Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ nichts ändern, in der ich all jene Men­schen auf­zähle, die davor nicht nament­lich im Buch auf­tau­chen. Denn ohne sie wäre meine Deutsch­land­tour nicht die unver­gess­li­che Reise gewor­den, die sie war — und ohne diese Men­schen hätte ich mein Buch wohl nicht schrei­ben kön­nen. Des­halb auch an die­ser Stelle ein dickes Danke an:

Bas­tian aus Nürn­berg, Peter vom Land­bier­pa­ra­dies in Nürn­berg, Petra und Robert aus Bam­berg, Tho­mas und Maik aus Alten­burg, Ines und Co. aus Gör­litz, Gabi aus Cott­bus, Daniela, Jens, Frie­de­rike und Marie aus Ber­lin, Heide und Wolf­gang aus Rangs­dorf, Isa­bel aus Mag­de­burg, Cars­ten Bör­ner vom Gast­hof Zur Grü­nen Laterne in Sten­dal, Chady aus Pritz­walk, Mat­thias Thei­ner vom Hotel Zur Guten Quelle in Schwe­rin, Anne­ma­rie aus Schwe­rin, Clau­dia aus Stral­sund, Alex­an­dra und Chris­tiane Fosche­poth aus Put­bus, die Fischer Jens Engel­brecht und Roberto Brandt aus Rügen, Kath­leen von Rügen TV, Mario Samm­ler von The Quaich in Neu­bran­den­burg (danke, Mario, für deine unver­gleich­li­che Gast­freund­schaft), Anna aus Lübeck, Wolf­gang Stef­fen von der Schif­fer­ge­sell­schaft in Lübeck, Kris­tine und Lud­wig aus Kiel, Felix aus Schles­wig, Sinja und dem St. Pauli Tou­rist Office aus Ham­burg, Mar­kus Ex von der Eppen­dor­fer Grill­sta­tion, Tors­ten und Kers­tin aus Bre­men, Anne und Elmar aus Emden, Inka und Frank aus Osna­brück, Flo aus Bochum, Rai­ner und Bernd von der Bio-Bäckerei Hut­zel in Bochum, Frank Jülich von der Gast­stätte Zum Alten Markt in Dort­mund, Janine, Peter und Sas­kia aus Aachen, Rai­ner und Jacky aus Maring-Noviand, Marco aus Bad Dürk­heim, Sabrina aus Saar­brü­cken, Sarah und Sebas­tian aus Frank­furt, Caro und Mag­da­lena aus Stutt­gart, Frédé­ric und Flo­rian von Erna & Co. (eure Lin­sen mit Spätzle und Sai­ten sind schlicht genial!), Ramona aus Mühl­acker, der Tarifa-Familie aus Ravens­burg, Felix aus Immen­stadt und Gabi Wal­ter von der Gast­stätte Groß­markt­halle in Mün­chen.

 

Bis­her im Adventskalender:

Dez 17, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    1 Kommentar

Türchen 17 — Buch schreiben macht reich. Nicht.

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Buch schrei­ben macht reich. Nicht.

Mein Buch. Von Zaster überschüttet. Leider nur im Wortsinn.

Mein Buch. Von Zas­ter über­schüt­tet. Lei­der nur im Wortsinn.

Schüch­terne Men­schen soll­ten Bücher schrei­ben. Denn auf Par­tys, im Büro­auf­zug oder beim Small­talk gibt es kaum ein Thema, dass sich bes­ser zum Plau­dern eig­net. Ich zumin­dest habe bis­lang noch kei­nen Men­schen getrof­fen, der nicht wenigs­tens fünf Minu­ten lang Inter­esse zeigt, wenn ich von mei­nem Buch und des­sen Ent­ste­hungs­ge­schichte erzähle.

Nun habe ich — abge­se­hen von mei­ner Bezie­hung — in kaum ein ande­res Pro­jekt der­art viel Liebe, Zeit und Anstren­gung gesteckt wie in mein Buch, wes­halb ich nur zu gerne davon berichte (halb­wegs regel­mä­ßige Leser die­ser Web­seite wer­den das noch als Unter­trei­bung abtun). Es gibt nur einen Haken: Wäh­rend ich am liebs­ten über Kapi­tel­ein­stiege, dra­ma­tur­gi­schen Auf­bau und sprach­li­che Kniffe debat­tie­ren würde oder wenigs­tens über Gerichte, Rezepte und Köche, drängt es 97 Pro­zent mei­ner Gesprächs­part­ner spä­tes­tens bei der zwei­ten Frage zu fol­gen­dem Thema: „Wie viel hast du eigent­lich mit dei­nem Buch verdient?“

   Offen zugäng­li­che Zahlen

Aus die­sem Grund geht es hin­ter Tür­chen #17 im Advents­ka­len­der heute um das liebe Geld. Doch zunächst zwei Vorbemerkungen:

  1. Die ver­brei­tete Vor­stel­lung, Buch­au­to­ren ver­die­nen sagen­hafte Reich­tü­mer, ent­hält unge­fähr so viel Wahr­heits­ge­halt wie einst das Daum’sche reine Gewis­sen. Schon rich­tig: Mit einem Buch kann man ein hüb­sches Sümm­chen machen — aller­dings nur „wenn es in 42 Spra­chen über­setzt wird, Hol­ly­wood sich um die Film­rechte reißt, und die im Buch erfun­dene Comic­fi­gur auf T-Shirts, Tas­sen, Bett­wä­sche gedruckt und als Merchandising-Artikel ver­kauft wird“, wie es bei buch-schreiben.de treff­lich heißt. Ansons­ten gelte: „Was ver­dient ein Autor? — In der Regel zu wenig.“
  2. Die über­wäl­ti­gende Mehr­heit hat kaum eine Vor­stel­lung davon, was ein Buch­au­tor mit sei­nem Erst­lings­werk ver­dient. Dabei braucht es nur eine Google-Suche, um recht genaue Zah­len ans Licht zu brin­gen (hier oder hier). Mehr noch: Im Jahr 2005 haben sich der Ver­band Deut­scher Schrift­stel­ler in ver.di und eine Reihe von Belletristik-Verlagen dar­auf geei­nigt, was unter einem „ange­mes­se­nen Hono­rar“ zu ver­ste­hen sei. Auf die­ses haben Auto­ren seit­dem einen Anspruch — und kön­nen es im Ernst­fall sogar ein­kla­gen. Übri­gens: Auch der Rowohlt-Verlag, der mein Buch ver­legt hat, gehörte zu den Unter­zeich­nern — inso­fern ver­rate ich hier nicht etwa geheime Ver­trags­de­tails, son­dern ordne nur offen zugäng­li­che Zahlen.

Und damit zu Mam­mons Schot­ter. Im Prin­zip ist es denk­bar sim­pel: Als Autor erhalte ich einen bestimm­ten Anteil von jedem ver­kauf­ten Buch — und zwar je nach Ver­kaufs­zahl fünf bis sie­ben Pro­zent des Netto-Verkaufspreises (= Laden­preis ohne 7% Mwst.). Die­ser Wert ist bei Taschen­bü­chern üblich, fin­det sich in oben genann­ten Ver­gü­tungs­re­geln sowie in der Wiki­pe­dia.

   Gesamt­ho­no­rar = Fixhonorar

Nun braucht es kei­nen Rechen­schie­ber, um in mei­nem Fall grob zu über­schla­gen: Bei einem Laden­preis von €8,99 und einem Netto-Verkaufspreis von €8,40 strei­che ich pro Buch rund 40 Cent ein. Da nicht zu erwar­ten steht, dass sich „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ in Bestseller-Sphären ver­kauft (gemein­hin spricht man davon ab 100.000 Exem­pla­ren), scheint die­ser Lohn in einer Liga mit ban­gla­de­schi­schen Nähe­rin­nen zu spie­len. Auf den ers­ten Blick.

Zudem gibt es eine zweite Kom­po­nente des Ver­trags: das Fix­ho­no­rar. Es bewegt sich im mitt­le­ren, vier­stel­li­gen Eurobe­reich und wurde mir bereits über­wie­sen — hälf­tig bei Abgabe des Manu­skripts und am Erschei­nungs­tag des Buches. Die­ses Fix­ho­no­rar wird mit den antei­li­gen Ein­künf­ten ver­rech­net. Heißt: Erst, wenn mein Anteil (die 5 bis 7 Pro­zent je Buch) das Fix­ho­no­rar über­steigt, sehe ich wei­te­res Geld. Zugleich muss ich jedoch nichts vom Fix­ho­no­rar zurück­zah­len — selbst, wenn sich mein Buch kein ein­zi­ges Mal ver­kauft hätte.

In Fall von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ lässt sich das Ganze auch weit­aus sim­pler aus­drü­cken: Ich müsste schon mehr als 10.000 Exem­plare ver­kau­fen, damit mein Ver­kaufs­an­teil das Fix­ho­no­rar über­steigt — und das wird nicht pas­sie­ren. Dem­nach wird mein Gesamt­ho­no­rar mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit gleich dem Fix­ho­no­rar sein.

   Mythos vom aus­beu­te­ri­schen Verlag

Wenn ich diese Summe nun her­un­ter­rechne auf die Zeit, die ich mit Recher­che und Schrei­ben ver­bracht habe, dann kommt man auf einen Stun­den­lohn, der irgendwo zwi­schen nicht­exis­tent und kärg­lich pen­delt — einer­seits. Ande­rer­seits erhalte ich unab­hän­gig vom Ver­kaufs­er­folg einen fixen Betrag, sodass das Risiko vor­erst ein­mal beim Ver­lag liegt (der ja die sons­ti­gen Kos­ten trägt).

Ohne­hin ist es nicht etwa so, dass Ver­lage sich auf Kos­ten ihrer Auto­ren dumm und dus­se­lig ver­die­nen. Einen inter­es­san­ten Ein­blick hierzu gibt es bei Voland & Quist, die ein­mal im Detail auf­ge­schlüs­selt haben, wel­cher Anteil des Ver­kaufs­prei­ses letzt­lich beim Ver­lag hän­gen bleibt. (Inwie­fern sich diese Rech­nung mit einem Groß­ver­lag wie Rowohlt ver­glei­chen lässt, sei ein­mal dahingestellt).

Des Wei­te­ren will ich an die­ser Stelle noch ein­mal auf Tür­chen #12 ver­wei­sen, hin­ter dem ich all jene Leis­tun­gen auf­ge­lis­tet habe, die der Ver­lag für mich über­nom­men hat — vom Lek­to­rat bis zum Mar­ke­ting. Unent­gelt­lich, ver­steht sich. Und zuletzt gilt es wohl auch noch die Fol­ge­ein­nah­men eines sol­chen Buch­pro­jekts zu beden­ken, die vor­wie­gend nicht beim Ver­lag, son­dern in mei­ner Tasche lan­den — etwa Hono­rare bei Lesun­gen oder wei­tere Aufträge.

All diese Punkte ändern frei­lich nichts daran, dass der Autor in 99 Pro­zent aller Bücher keine Reich­tü­mer ver­dient. Jedoch legen sie nahe, dass auch die beliebte Geschichte vom aus­beu­te­ri­schen Ver­lag eher ins Reich der Mythen gehört. Am bes­ten trifft es wahr­schein­lich die Ein­schät­zung eines befreun­de­ten Autors, der bereits meh­rere Bücher geschrie­ben hat, und dem ich mein Hono­ra­r­an­ge­bot vor­ge­legt habe. Sein Kom­men­tar: „Nicht üppig, aber fair.“

Bis­her im Adventskalender:

Türchen 16 — Zwölf Sekunden Ruhm

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Zwölf Sekun­den Ruhm.


Meine zweite Lesung fand im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig statt.

Meine zweite Lesung fand im Zeit­ge­schicht­li­chen Forum in Leip­zig statt.

Andy War­hol hat jedem Men­schen 15 Minu­ten Ruhm ver­spro­chen, und mein Vier­tel­stünd­chen schien an einem som­mer­lich war­men Junia­bend des Jah­res 2013 gekom­men. Im Zeit­ge­schicht­li­chen Forum in Leip­zig, wo meine kuli­na­ri­sche Deutsch­land­reise in der Wech­sel­aus­stel­lung „Is(s) was?!“ ver­tre­ten ist, stand die zweite Lesung nach der Pre­miere in Mün­chen auf dem Programm.

Wie es sich für einen nicht-weltbekannten Autor gehört, stand ich noch vor dem ers­ten Besu­cher im Vor­trags­saal; und wie es sich für einen nicht-weltbekannten Autor gehört, trieb mich die Ner­vo­si­tät zum drit­ten Mal bin­nen zehn Minu­ten auf die Toilette.

    „Sie sind doch Patrik Stäbler!“

Auf dem Weg dort­hin kam mir ein Mann Mitte 40 ent­ge­gen. Ein Zuhö­rer!, schoss es mir durch den Kopf. Betont läs­sig warf ich ihm ein „Grüß Gott!“ ent­ge­gen und wollte wei­te­rei­len — doch das war nicht im Sinne des freund­lich drein­bli­cken­den Herrn.

Sie sind doch Patrik Stäbler!“, rief er mir has­tig. Ich nickte ver­wun­dert und strich im Geiste fol­gende Mög­lich­kei­ten: Ver­wand­ter? Nein! Bekann­ter? Nein! Ver­wirr­ter? Offen­bar auch nicht! Konnte es tat­säch­lich sein — ich traute mich den Gedan­ken kaum wägen. War dies tat­säch­lich ein Leser? Gar ein Fan? Ein Fan!

„Ja, das bin ich“, ant­wor­tete ich mit zitt­ri­ger Stimme.

Hab ich mir doch gleich gedacht!“, säch­selte der Mann fröh­lich. „Würd ja sonst nie­mand hier den lie­ben Gott grüßen.“

    „Bitte unter­schrei­ben Sie hier“

Der Mann nes­telte an sei­nem Jute­beu­tel herum und angelte einen Pack Post­kar­ten her­vor. „Hät­ten Sie gerade einen Moment für mich?“, fragte er und bat mich mit­tels einer Arm­be­we­gung zum nächs­ten Tisch. Dort brei­tete er die Post­kar­ten aus und hielt einen Filz­schrei­ber unter mei­nen Unter­kie­fer, der etwa auf Bauch­na­bel­höhe hin­un­ter­ge­sackt war.

Denn diese Post­kar­ten waren keine Post­kar­ten, son­dern — mir fällt kein ande­res Wort ein — Fan­kar­ten. Dar­auf prangte in Hoch­glanz das Cover mei­nes Buches neben zwei Fotos von mir, die der Mann offen­bar von mei­ner Web­seite her­un­ter­ge­la­den hatte. Dazwi­schen gähnte mich ein wei­ßes Recht­eck an, auf das kurz dar­auf der Filz­stift zeigte.

„Könn­ten Sie mir bitte diese zehn Kar­ten immer hier unterschreiben?“

Ich schnappte nach Luft, wäh­rend mein Gesicht sich unwil­lent­lich ketchu­prot färbte. 

Aber sicher“, erwi­derte ich und ver­suchte mög­lichst wenig Selbst­ge­fäl­lig­keit in die Stimme zu legen — ver­geb­lich: Ich klang wie Lothar Mat­thäus, wenn er erklärt, dass ein Lothar Mat­thäus jeden Club der Welt trai­nie­ren kann.

    Farb­wech­sel per Mausclick

Has­tig griff ich zu Karte Num­mer eins und setzte schwung­voll meine Unter­schrift in das weiße Käst­chen — und an die­ser Stelle könnte die Geschichte eigent­lich enden. Schnitt. Klappe. Abspann.

Doch statt­des­sen plap­perte der Mann wei­ter. Er besu­che jede Ver­an­stal­tung hier im Zeit­ge­schicht­li­chen Forum. Mein Teint erblasste von ketchupfar­ben zu blass­rot — offen­bar hatte er ent­ge­gen mei­ner Annahme diese Lesung mit mir nicht schon vor Mona­ten dick im Kalen­der notiert.

Mehr noch: Er hole sich von jedem Künst­ler diese zehn Unter­schrif­ten­kar­ten. Von jedem. J-E-D-E-M !! Als hätte jemand die Szene per Maus­click in schwarz-weiß kon­ver­tiert, wich jeg­li­che Rot­schat­tie­rung aus mei­nem nun asch­fah­len Gesicht.

Das ist so’n Hobby von mir“, fuhr er unge­rührt fort. „Man weiß ja nie, wofür diese Kar­ten spä­ter mal gut sind. Außer­dem kann ich mir so die Namen merken.“

Das saß.

Mit zitt­ri­ger Hand signierte ich die rest­li­chen Kar­ten. Der Mann faselte wei­ter, dass er Komi­ker sei. Glaube ich. Und dass sol­che Ver­an­stal­tun­gen stets Stoff böten für seine eige­nen Auf­tritte. Oder irgend­et­was in die Richtung.

Der­weil musste ich an War­hol den­ken — und das hatte etwas Tröst­li­ches. Schließ­lich blei­ben mir jetzt immer­hin noch 14 Minu­ten und 48 Sekun­den des Ruhms.

 

P.S. Lange Zeit war obige Geschichte meine liebste Lesungsa­n­ek­dote — bis ich ver­gan­gene Woche mein Buch in der Stadt­bi­blio­thek Gar­ching vor­stellte. Denn nach der Ver­an­stal­tung kam eine Dame auf mich zu und drückte mir die­sen Zet­tel in die Hand:

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Bis­her im Adventskalender:

Dez 13, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    Kein Kommentar

Türchen 13 — Reisen in Bildern (2)

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Reisen in Bil­dern, die Zweite.


Da die Bil­der­reise am Niko­laus­tag gut ange­kom­men und mein Foto­ar­chiv mit weit mehr als 1.500 Schnapp­schüs­sen immer noch gut gefüllt ist, gibt’s heute im Advents­ka­len­der erneut was auf die Augen. Wie­der 29 Fotos. Wie­der von (fast) allen Sta­tio­nen mei­ner Reise. Wie­der bunt gemischt. Damit viel Spaß und einen ent­spann­ten 3. Advent!

 

Nürnberg -

Nürn­berg — Des Malers liebste Boazn?

Bamberg -

Bam­berg — Weil’s eh wurscht ist.

Schmölln -

Schmölln — Der Bahn­hof. Eher trist.

Cottbus -

Cott­bus — Die Platte. Eher trist.

Berlin -

Ber­lin — Ein U-Bahnhof. Eher lustig.

Im Spreewald -

Im Spree­wald — Get one Gurke!

Magdeburg -

Mag­de­burg — Elf Hasen müsst Ihr sein!

Pritzwalk -

Pritz­walk — Beim Knie­per­fuchs gibt’s nicht nur Getränke ab 1 Euro.

Schwerin -

Schwe­rin — Gefällt mir.

Stralsund -

Stral­sund — Gefällt mir. Nicht!

Irgendwo in Sachsen-Anhalt -

Irgendwo in Sachsen-Anhalt — Irgend­wie mett.

Lübeck -

Lübeck — Tho­mas Mann, aus Marzipan.

Kiel -

Kiel — Poe­tik für Passanten.

Eckernförde -

Eckern­förde — Sprot­ten ste­chen, das Mikado des Nordens.

Hamburg -

Ham­burg — Gese­hen in St– Pauli.

Bremen -

Bre­men — Charles? Poldi? Boateng?

Ostfriesland -

Nor­den — Auch der Ost­friese fin­det mal ein Korn.

Bochum -

Bochum — Ein­stei­gen, auch ohne Durst.

Aachen -

Aachen — Das Printen-Mädchen.

Irgendwo in der Pfalz -

Irgendwo in der Pfalz — Nomen est omen.

Saarbrücken -

Saar­brü­cken — Dia­bo­li­scher Dreiklang.

Saarbrücken -

Saar­brü­cken — Muss die Stadt sparen?

Frankfurt -

Frank­furt — Die sie­ben hei­li­gen Kräuter.

Frankfurt -

Frank­furt — Das Grüne-Soße-Denkmal.

Wachenheim -

Wachen­heim — Ein Sau­ma­gen reift bei 72 Grad.

Mühlacker -

Mühl­acker — Hach, Deutschland.

Stuttgart -

Stutt­gart — Museum mal anders.

Ravensburg -

Ravens­burg — Dr Schwob.

Kempten -

Kemp­ten — Der Bankdrücker.

 

Bis­her im Adventskalender:

Dez 12, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    4 Kommentare

Türchen 12 — Wieso ein Verlag?

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Wozu braucht man eigent­lich einen Verlag?


Das erste Exemplar gab's mit persönlichem Grußkärtchen der Rowohlt-Lektorin.

Das erste Exem­plar gab’s mit per­sön­li­chem Gruß der Rowohlt-Lektorin.

Vor­weg dies: Ich hätte mein Buch auch dann geschrie­ben, wenn meine Ver­lags­su­che (-> Tür­chen #9) erfolg­los ver­lau­fen wäre. In dem Fall hätte das Werk einen ande­ren Titel (-> Tür­chen #11) und ein ande­res Cover (–> Tür­chen #3), darin wür­den sich weder hüb­sche Über­sichts­kar­ten noch gra­fisch auf­ge­peppte Rezepte fin­den, es wäre teu­rer und ehr­lich gesagt auch schlech­ter — aber exis­tie­ren würde es den­noch. Denn seit dem Sie­ges­zug des Inter­nets kann Jeder­mann denk­bar leicht ein eige­nes Buch ver­öf­fent­li­chen. Dazu lädt man bei einem Self-Publishing-Anbieter wie epu­bli ein­fach sein Manu­skript hoch (als pdf), und für schlappe 14,95€ erhält das Werk eine ISBN-Nummer und kommt bei Ama­zon & Co. in die digi­ta­len Regale.

Drängt sich eine Frage auf: Wozu braucht es da noch einen Ver­lag? (Der über­dies bei guten Ver­kaufs­zah­len einen Groß­teil des Gewinns ein­streicht — doch dazu hin­ter einem spä­te­ren Tür­chen mehr). Die Ant­wort dar­auf ist viel­schich­tig — und hat sich mir in ihrer gan­zen Band­breite erst wäh­rend des Ent­ste­hungs­pro­zes­ses von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ erschlos­sen. Exklu­siv für den Advents­ka­len­der wage ich nun einen Annä­he­rungs­ver­such in vier Punkten:

1) Reich­weite

Der nahe­lie­gendste Grund: Ohne einen Ver­lag hätte ich mein Buch zwar an Freunde und Bekannte sowie an Bekannte von Freun­den und Freun­den von Bekann­ten ver­kau­fen kön­nen; über­dies wären wohl meh­rere Hand­voll Exem­plare über meine Web­seite bzw. meine Face­book­seite geor­dert wor­den; ja womög­lich hätte ich sogar den einen oder ande­ren Buch­händ­ler in mei­ner Umge­bung über­zeu­gen kön­nen, das Werk in sei­nen Laden zu stel­len. Aber mehr auch nicht. Dank des Rowohlt-Verlages jedoch steht „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ auch im Hugen­du­bel in Stutt­gart, am Leip­zi­ger Flug­ha­fen, in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek des Saar­lan­des und in zig wei­te­ren Buch­lä­den, Büche­reien und Geschäf­ten (und im Muse­ums­la­den in Leip­zig), wo poten­zi­elle Leser wenigs­tens die Chance haben, einen Blick auf das Buch zu werfen.

Man mag diese Markt­macht der Ver­lage gut oder schlecht hei­ßen — doch wer nicht gerade über 200.000 Facebook-Freunde ver­fügt, eine Web­seite mit mil­lio­nen­fa­chen Zugriffs­zah­len oder ein Heer von Mini­job­bern, die Tele­fon­bü­cher durch­ar­bei­ten, um das eigene Buch bei allen Ein­trä­gen von Abele bis Zypries anzu­prei­sen, der fährt mit der Unter­stüt­zung eines Ver­la­ges wahr­schein­lich sehr viel bes­ser als Einzelkämpfer.

2) Wer­bung

Die ZEIT, der MDR, die Ber­li­ner Zei­tung, der Münch­ner Mer­kur, der BR, die Stutt­gar­ter Nach­rich­ten, diverse Blog­ger und noch viele mehr haben über mein Buch berich­tet. Weil die Idee hin­ter mei­ner Reise so genial ist und meine Sprach­ge­wand­heit sogar Reich-Ranicki-selig die Freu­den­trä­nen in die Augen gedrückt hätte? Das mag ich mir viel­leicht nach dem drit­ten Glas Rot­wein ein­re­den — aber wahr­schein­lich spielt der Name „Rowohlt“ auf dem Cover die grö­ßere Rolle. Ohne den Ver­lag wäre das Rezen­si­ons­ex­em­plar wohl deut­lich sel­te­ner bis in die Redak­tion vor­ge­drun­gen — oder dort acht­los weg­ge­wor­fen wor­den. Schließ­lich habe ich lange genug bei Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten gear­bei­tet, um zu wis­sen, wel­che Mas­sen an Büchern dort ange­spült wer­den (und wie mit ihnen umge­gan­gen wird — Stich­wort eBay).

In puncto Rezen­si­ons­ex­em­plare war Rowohlt übri­gens äußerst groß­zü­gig. Nicht nur, dass der Ver­lag stan­dard­mä­ßig sei­nen Pres­se­ver­tei­ler bemühte, mein Buch in sei­nen Kata­log auf­nahm und diverse Pres­se­an­fra­gen bediente. Auch alle Jour­na­lis­ten, die ich auf mei­ner Reise getrof­fen hatte, wur­den mit Rezen­si­ons­ex­em­pla­ren bedacht. Dazu stellte mir der Ver­lag drei Bücher für ein Gewinn­spiel auf mei­ner Face­book­seite zur Ver­fü­gung und machte gleich zehn Exem­plare für eine Lese­runde bei Lovely­books locker. Als epubli-Schreiber müsste man all diese Dinge selbst finan­zie­ren — und würde es sich daher wohl zwei­mal über­le­gen, ein Buch zu ver­schi­cken, wenn die Chance auf eine Bespre­chung eher mau aussieht.

Zur Wer­bung gehört seit Län­ge­rem auch das Thema Social Media, und hier gibt’s bei Rowohlt eben­falls eine eigene Abtei­lung — oder zumin­dest eine Mit­ar­bei­te­rin, mit der ich mich aus­ge­tauscht habe. Sie ver­sorgte mich mit einem Social-Media-Leitfaden für Auto­ren, unter­stützte mich bei mei­nen Aktio­nen und — wohl das Wich­tigste — nutzte den Face­book– und Twitter-Kanal des Ver­lags, um meine Auf­rufe zu ver­brei­ten. Ach ja, im ver­lags­ei­ge­nen Maga­zin von Rowohlt gab’s auch noch einen (übri­gens sehr nett gemach­ten) Bericht über mein Buch.

3) Qua­li­tät

In einem frü­he­ren Ein­trag habe ich bereits über das Lek­to­rat geschwärmt. Keine Frage: Ohne die Unter­stüt­zung der freien Lek­to­rin Bar­bara Imgrund wäre mein Buch bei wei­tem nicht so gut gewor­den (bezie­hungs­weise noch schlech­ter — je nach Sicht­weise). Die Kos­ten, die ich dafür tra­gen musste, lagen bei genau null Euro — selbst­ver­ständ­lich zahlt der Verlag.

Und das ist bei­leibe nicht alles: Vom Cover, das die haus­ei­ge­nen Gra­fi­ker anfer­ti­gen, über die Kar­ten, das Schrift­bild und die Tite­lei bis hin zur dop­pel­ten und drei­fa­chen Recht­schreib­prü­fung — stets stan­den die diver­sen Rowohlt-Mitarbeiter bereit. Alle mit einem Ziel: das Buch durch ihre Hilfe ein Stück­chen bes­ser machen. Zuge­ge­ben, auch für das eigene epubli-Buch kön­nen Lek­tor, Gra­fi­ker, Kor­rek­tur­le­ser und Co. ange­heu­ert wer­den. Allein die Kos­ten dürf­ten in 98% der Fälle die Gesamt­ein­nah­men des Buches um Län­gen übersteigen.

4) Kos­ten

Ich habe mir ehr­lich gesagt die genaue Kos­ten­struk­tur von Self-Publishing-Seiten wie epu­bli nur flüch­tig ange­schaut. Aber der Schnell­test mit dem epubli-Preisrechner ergibt:

  • Ein Buch mit 304 Sei­ten (wie „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“)
  • im Schwarz-Weiß-Druck, Din-A5-Format, Softcover
  • bei einer Bestel­lung von 500 Exem­pla­ren (was eine sehr opti­mis­ti­sche Anzahl wäre, hätte ich das Buch nur unter Freun­den vertrieben)

–> kos­tet pro Stück €11,13

Und wenn ich das rich­tig sehe, dann ist bei die­sem Preis noch kein Gewinn für den Autor ein­ge­plant. Heißt: Der Ver­kaufs­preis müsste wohl eher um die 15 Euro lie­gen, damit wenigs­tens etwas Geld in die Kas­sen kommt. Bei einem Groß­ver­lag wie Rowohlt hin­ge­gen ist der Pro­duk­ti­ons­pro­zess natur­ge­mäß güns­ti­ger. So wech­selt mein Buch für €8,99 den Besit­zer — und hier ist der Gewinn für Ver­lag wie Autor bereits berücksichtigt.

Fazit

Nun will ich Self-Publishing-Angebote kei­nes­falls schlecht­re­den — ich selbst habe ja mit dem Gedan­ken gespielt, mein Buch auf diese Weise unter die Leute zu brin­gen. Für meine Situa­tion und mein Buch muss ich jedoch rück­bli­ckend sagen: Ich bin heil­froh, dass der Rowohlt-Verlag und ich zuein­an­der gefun­den haben.

 

Bis­her im Adventskalender:

Dez 11, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    Kein Kommentar

Türchen 11 — Auf Titeljagd

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Auf Titeljagd.


Speisen und Reisen - das passt zusammen.

Spei­sen und Rei­sen — das passt zusammen.

So wie diese Web­seite einst unter dem Namen „Deutsch­land, wie es is(s)t“ fir­mierte (die Nach­we­hen sieht man noch in der Adress­zeile), so sollte auch mein Buch ursprüng­lich fol­gen­den Titel tra­gen: „Deutsch­land, wie es is(s)t — Eine Reise über den Tel­ler­rand hin­aus“. Mona­te­lang trug ich die­sen (Arbeits-)Titel mit mir herum, druckte ihn auf Auf­kle­ber und Visi­ten­kar­ten, nahm ihn mit auf Rei­sen und ver­riet ihn Couch­sur­fern, Auto­fah­rern und sons­ti­gen Men­schen, die mir auf mei­ner Tour begegneten.

Als im Som­mer 2012 die zustän­dige Lek­to­rin bei Rowohlt nach mei­nem Titel­vor­schlag fragte, musste ich also nicht lange über­le­gen: Deutsch­land, wie es is(s)t — Eine Reise über den Tel­ler­rand hin­aus tippte ich in die E-Mail, klickte aufs Senden-Knöpfchen und war­tete auf einen min­des­tens mit­tel­gro­ßen Begeisterungssturm.

    „Ver­gleichs­weise bieder“

Statt­des­sen teilte mir die Lek­to­rin freund­lich aber bestimmt mit, dass mein Titel bei ihr und ihren Kol­le­gen durch­ge­fal­len sei: „zu kom­pli­ziert mit der Klam­mer, ver­gleichs­weise bie­der“, so drückte sie sich aus. Vol­ler Ent­rüs­tung und Ent­täu­schung angelte ich einen Scho­ko­rie­gel aus mei­nem Vor­rat und ver­suchte mich mit­hilfe eines Zucker­schocks  zu besänf­ti­gen. Ver­geb­lich. Also schob ich im Stile eines Ket­ten­rau­chers einen zwei­ten Rie­gel hin­ter­her, wäh­rend ich immer noch irri­tiert auf den Bild­schirm starrte. Zu kom­pli­ziert? Und zu bieder???

Knapp 1.000 Kilo­ka­lo­rien und eine halbe Stunde spä­ter hatte sich mein Ärger in Fett auf­ge­löst — und ich kam nicht umher, der Lek­to­rin zuzu­stim­men. Tat­säch­lich muss man den Titel zwei– bis drei­mal lesen, ehe sich der Sinn ent­schließt. Und ganz ehr­lich: Würde ich im Geschäft inmit­ten von hun­der­ten kon­kur­rie­rende Covern zu einem Buch grei­fen mit dem eher kryp­ti­schen Titel „Deutsch­land, wie es is(s)t“? Eher nicht.

    Sau­ma­gen fällt durch

Und so begann die wochen­lange Suche nach einem neuen Titel — übri­gens knapp ein Jahr vor dem Erschei­nungs­ter­min, weil Titel und Cover bereits so früh fest­ste­hen müs­sen. Zunächst schlug die Lek­to­rin eine Kapi­tel­über­schrift mei­nes Buchs vor, näm­lich: Sau­ma­gen macht den Kohl nicht fett — Eine leckere Deutsch­land­reise. Das frei­lich konnte mich nicht über­zeu­gen. Schließ­lich habe ich zum einen eine Aver­sion gegen das Wort „lecker“; zum ande­ren bestand die Gefahr, dass Ex-Kanzler Hel­mut Kohl zum Erschei­nungs­zeit­punkt des Buches nicht mehr unter den Leben­den weilt. Und ein Wort­spiel auf Kos­ten eines Ver­stor­be­nen käme bei den meis­ten Men­schen unge­fähr so gut an wie ein jagen­der Metz­ger beim Veganerstammtisch.

Den­noch reizte mich der Sau­ma­gen, weil ich annahm, dass Wort wie Gericht ein Hin­gu­cker sind. Also pro­bierte ich in mei­ner nächs­ten Mail fol­gende Vari­ante: Per Anhal­ter zum Sau­ma­gen - Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus. Der (berech­tigte) Ein­wand der Lektorin: „Danke für Ihre Idee, doch die Anspie­lung auf „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ ist schon einige Male bei Büchern ver­wen­det worden.“

Nun ging ich zwei Tage in Klau­sur mit mei­nen Noti­zen und sam­melte alle noch so abwe­gi­gen Ideen und Gedan­ken­gänge. Her­aus kam diese Liste, die ich der Lek­to­rin zukom­men ließ:

  • Auf­ge­ga­belt - Eine Anhal­ter­reise zu Maul­ta­sche und Mutz­bra­ten (zu Schnüsch und Saumagen)
  • Dau­men hoch für Dib­belab­bes - Eine Anhal­ter­reise durch Deutsch­lands Küchen
  • Rund­speise zum Sau­ma­gen - Der deut­schen Küche auf der Spur
  • Marsch nach Gais­burg - Eine Anhal­ter­reise zu Sau­ma­gen & Co.
  • Deutsch­land nach Bauch­ge­fühl - Eine Anhal­ter­reise zu Eis­bein und Saumagen
  • Weil’s mehr als Wurst ist — Auf der Jagd nach Eis­bein und Saumagen
  • Der lange Weg zum Schnüsch — Eine Anhal­ter­reise durch Deutsch­lands Küche
  • Liebe geht durch den Saumagen
  • Tram­pen zur Teichelmauke
  • Auf Leib– und Magen­reise zum Saumagen
  • Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten - Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hinaus

Diese Vor­schlag­liste wollte ich mit der Lek­to­rin dis­ku­tie­ren, gemein­sam einen Titel her­aus­ar­bei­ten — doch dazu kam es nicht. Denn schon am nächs­ten Tag erreichte mich fol­gende Mail:

Lie­ber Herr Stäbler, wir haben einen abso­lu­ten Favo­ri­ten! Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten - Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus. Sind Sie mit der Kom­bi­na­tion ein­ver­stan­den? Ich würde mich sehr freuen, denn es ist ein äußerst char­man­ter Titel.

Eine Nacht lang ließ ich den Titel sacken — doch je län­ger ich dar­über sin­nierte, desto bes­ser gefiel er mir. Und so schrieb ich tags dar­auf — am 4. Juli 2012, ach wäre ich nur Ame­ri­ka­ner! — fol­gende sechs Wör­ter in eine wei­tere Mail gen Rowohlt: „Mit die­ser Titel­kom­bi­na­tion bin ich einverstanden.“

 

Bis­her im Adventskalender:

Dez 10, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    1 Kommentar

Türchen 10 — Todeskuss der Löschtaste

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Todeskuss der Löschtaste.


Eine Anhaltergeschichte aus dem schönen Rheinland-Pfalz musste leider dem Rotstift weichen.

Eine Anhal­ter­ge­schichte in Rheinland-Pfalz fiel der Lösch­taste zum Opfer.

Spä­tes­tens seit dem Sie­ges­zug der DVD weiß auch Otto-Normal-Filmgucker: Nicht alle Sze­nen, die für einen Kino­strei­fen auf­ge­zeich­net wer­den, lan­den her­nach auch im fer­ti­gen Werk. Statt­des­sen fal­len ganze Sequen­zen dem Schnitt zum Opfer — und tau­chen spä­ter als soge­nannte „dele­ted sce­nes“ im Bonus-Material der DVD wie­der auf.

Ob die Bezeich­nung „gelöschte Sze­nen“ nicht einer gewis­sen Sinn­haf­tig­keit ent­behrt, soll an die­ser Stelle nicht erör­tert wer­den. Viel­mehr geht es um die „dele­ted sce­nes“ in mei­nem Buch, die zwi­schen­zeit­lich zwar im Manu­skript auf­tauch­ten, bis zur fina­len Ver­sion jedoch der Lösch­taste zum Opfer fielen.

    Tram­pen oder Couchsurfing

Eine Stelle, mit der ich beson­ders lange geha­dert habe, war der Ein­stieg in das Kapi­tel über Rheinland-Pfalz. Bevor es in die Gemeinde Plat­ten und zum dor­ti­gen Teu­fels­bra­ten ging, stan­den zwei Mög­lich­kei­ten zur Aus­wahl: ent­we­der ein Bericht über die (durch­aus müh­same) Anreise oder eine Schil­de­rung des gemein­sa­men Abend­es­sens mit mei­nen (etwas gewöh­nungs­be­dürf­ti­gen) Couchsurfing-Gastgebern. Weil ich mich par­tout nicht ent­schei­den konnte, for­mu­lierte ich beide Pas­sa­gen aus, ehe ich mich für die Couchsurfing-Variante ent­schied. Warum? Haupt­säch­lich, weil ich bereits an ande­ren Stel­len im Buch von miss­glück­ten Anhal­ter­rei­sen berichte und befürch­tete, dass der Leser die­ses The­mas über­drüs­sig wer­den könne.

Da ich bezweifle, dass es jemals eine Ver­fil­mung, geschweige denn ein DVD von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ geben wird, will ich zumin­dest in die­sem Advents­ka­len­der jene Epi­sode erzäh­len, die gewis­ser­ma­ßen im Recall die Rote Karte sah (um ein­mal die sel­tene Kom­bi­na­tion von Cas­ting­show und Fuß­ball zumin­dest sprach­lich zusammenzubringen).

Hier also, was ich schrieb — und dann löschte:

 

Rheinland-Pfalz: Sau­ma­gen macht den Kohl nicht fett

Es gibt eigent­lich nur eine Sache, die für Anhal­ter schlim­mer ist, als stun­den­lang an einem Fleck aus­zu­har­ren, in der Kälte zu bib­bern, den klam­men Dau­men zu schwen­ken und den­noch Auto um Auto vor­bei­brau­sen zu sehen. Näm­lich: stun­den­lang an einem Fleck aus­har­ren, in der Kälte bib­bern, den klam­men Dau­men schwen­ken und den­noch Auto um Auto vor­bei­brau­sen sehen – bei Regen.

Für sol­che Situa­tio­nen hat der kluge Anhal­ter eine was­ser­dichte Jacke im Gepäck, sodass er zumin­dest eini­ger­ma­ßen tro­cken bleibt. In mei­nem Ruck­sack jedoch suche ich an die­sem Tag ver­geb­lich nach einer sol­chen – dafür bau­melt daran ein was­ser­dich­tes Zelt, das noch immer auf sei­nen ers­ten Ein­satz war­tet. Und so stehe ich mit durch­näss­ter Jacke, durch­näss­ten Klei­dern und durch­näss­ten Schu­hen hier im Nir­gendwo und flu­che leise vor mich hin.

Am Vor­mit­tag hat mich mein Dau­men recht zügig von Aachen über Köln bis in den Nord­wes­ten der Eifel gebracht. Doch quasi mit dem ein­set­zen­den Regen scheint auch die Mit­nah­me­lust der Auto­fah­rer hin­weg­ge­spült, und so stehe ich nun seit einer gefühl­ten Ewig­keit an die­ser Land­straße am Orts­rand von Blan­ken­heim. Mein Ziel, die kleine Gemeinde Plat­ten an der Mosel, dürfte noch etwa acht­zig Kilo­me­ter ent­fernt sein, wie mir der Blick auf die Karte gezeigt hat. Genauer gesagt war der Blick äußerst flüch­tig, wor­über ich mich spä­ter noch im Stile des HB-Männchens auf­re­gen werde.

Doch im Moment beschäf­tigt mich nur eine Frage: Soll ich meine Schuhe aus­zie­hen, die Socken aus­wrin­gen und ein fri­sches Paar aus dem Ruck­sack über­zie­hen? Oder wäre das ver­geb­li­che Mühe, weil auch der fri­sche Stoff nach zwei Minu­ten wie­der durch­nässt ist? Gerade als ich zum Schuh grei­fen will, hält plötz­lich ein nagel­neuer Klein­bus mit hol­län­di­schem Kenn­zei­chen neben mir. Ich stutze: Ist die­ses Gefährt nicht soeben an mir vor­bei­ge­don­nert? „Ja, das stimmt“, bestä­tigt Ruud, nach­dem ich mich, mei­nen Ruck­sack und gefühlte zwei Liter Regen­was­ser auf die Rück­bank gehievt habe. „Wir haben die­sen Bus erst seit kur­zem und total ver­ges­sen, dass wir jetzt genug Platz haben, um Anhal­ter mit­zu­neh­men.“ Ruud grinst, seine Frau Rita lacht. Die bei­den machen auf Anhieb einen freund­li­chen Ein­druck, was sich im Laufe unse­rer Fahrt bestä­ti­gen wird.

Wie so viele Nie­der­län­der spricht auch die­ses Ehe­paar her­vor­ra­gend Deutsch, sodass wir uns als­bald ange­regt unter­hal­ten. Ja sogar ein Stück selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen samt Man­da­ri­nen­saft reicht mir Rita, wäh­rend wir über Land­stra­ßen durch die ebenso grüne wie ver­reg­nete Eifel kur­ven. Die bei­den wol­len nach Cochem an der Mosel, etwa fünf­zig Kilo­me­ter fluss­ab­wärts von mei­nem heu­ti­gen Etap­pen­ziel. „Die­ses Plat­ten, wo du hin musst“, fragt Ruud nach etwa einer Vier­tel­stunde, „wo genau liegt das denn?“

Eine ehr­li­che Ant­wort würde lau­ten: Genau weiß ich das nicht. Doch ich plap­pere ein­fach drauf los: „Das ist gleich bei Traben-Trarbach um die Ecke“ – weil ich das bei mei­nem flüch­ti­gen Kar­ten­blick so erkannt haben will. Ruud wech­selt einige Sätze mit sei­ner Frau in Hol­län­disch, dann dreht sich Rita zu mir um: „Weißt du was? Wir fah­ren dich bis nach Traben-Trarbach.“ Ich bin ver­blüfft: „Aber das ist doch ein Rie­sen­um­weg für euch!“ Um genau zu sein etwa acht­zig Kilo­me­ter, wie ich spä­ter fest­stel­len werde. „Das ist kein Pro­blem“, winkt Ruud ab. „Wir müs­sen nicht vor heute Abend in Cochem sein. Und bei dem Wet­ter könn­ten wir ohne­hin nichts unternehmen.“

Eine Stunde spä­ter bringt Ruud den Klein­bus im Zen­trum von Traben-Trarbach zum Ste­hen. Es hat inzwi­schen auf­ge­hört zu reg­nen; hin­ter den Wol­ken spitzt sogar ab und zu die Sonne her­vor. „Und du bist sicher, dass du von hier nach Plat­ten lau­fen kannst?“, fragt Rita besorgt. Einen kur­zen Moment über­lege ich, die Karte her­vor­zu­kra­men – doch dann schiebe ich die­sen Gedan­ken bei­seite: „Ja, das ist kein Pro­blem. Ganz lie­ben Dank für eure Hilfe.“

Ich winke den bei­den zum Abschied und stapfe los. An einer Bus­hal­te­stelle ent­de­cke ich einen Umge­bungs­plan und steuere dar­auf zu – nur zur Sicher­heit, mur­mele ich leise. Doch schon im nächs­ten Moment ist es vor­bei mit der Ruhe. Statt­des­sen schleu­dere ich dem Plan mit hoch­ro­tem Kopf eine Schimpf­ti­rade ent­ge­gen, deren Wort­laut ich an die­ser Stelle nicht wie­der­ho­len will. Denn: Plat­ten ist tat­säch­lich einen Fuß­marsch von Traben-Trarbach ent­fernt – aller­dings nur, wenn man unter Fuß­marsch auch eine vier­stün­dige Wan­de­rung versteht.

Warum nur habe ich im Klein­bus nicht auf die Karte geschaut?, flu­che ich immer noch in einer Laut­stärke, dass sich ein Spa­zier­gän­ger mit Hund erstaunt zu mir umdreht. Weil ich mir sicher war? Mit­nich­ten! Viel­mehr wollte ich mir wohl keine Blöße geben, meine Unwis­sen­heit kaschie­ren und den erfah­re­nen Tram­per mimen. Seit län­ge­rer Zeit muss ich wie­der ein­mal an Schwe­rin, Katha­rina und ihre Tugend­karte den­ken: Wäre auch hier etwas mehr Inte­gri­tät ange­bracht gewesen?

Drei Stun­den und drei Fah­rer spä­ter errei­che ich schließ­lich mein heu­ti­ges Etap­pen­ziel. Meine Schuhe sind immer noch feucht und meine Laune immer noch ver­reg­net, sodass ich mich nach dem gemein­sa­men Abend­es­sen mit mei­nem Couchsurfing-Gastgeber früh ins Bett ver­ab­schiede. Dort gehe ich die­sen Anhal­ter­tag noch ein­mal in Gedan­ken durch und komme zu dem Schluss: Womög­lich wäre heute etwas mehr Inte­gri­tät wirk­lich hilf­reich gewe­sen, aber min­des­tens ebenso drin­gend hätte ich etwas nut­zen sol­len, das ich auch ohne Karte stets dabei habe —  näm­lich mei­nen Kopf.

Bis­her im Adventskalender:

Dez 9, 2013 - Buch, Weihnachtsaktion    5 Kommentare

Türchen 9 — Verlagssuche 2.0

Ihr braucht noch ein Weih­nachts­ge­schenk für einen Essens­lieb­ha­ber, Hobby-Koch oder Rei­se­en­thu­si­as­ten? Bis Hei­lig Abend ver­schi­cke ich signierte Exem­plare von „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ — und das ver­sand­kos­ten­frei (mehr dazu hier). Um diese Weih­nachts­ak­tion zu bewer­ben, schnüre ich einen Advents­ka­len­der: Von Mon­tag bis Frei­tag gibt es täg­lich eine Anek­dote rund um mein Buch — bei­spiels­weise, wie es zu dem Titel kam, wie viele Exem­plare ich bereits ver­kauft und wel­che Unsum­men ich damit ver­dient habe. Heute: Verlagssuche 2.0.


vertragsschuss

Besie­gelt: Rowohlt ver­legt mei­nen Reisebericht.

Im Jahr 2012 sind laut boersenblatt.net hier­zu­lande rund 91.100 Bücher auf den Markt gekom­men. Also knapp 250 Neu­hei­ten pro Tag oder 10 pro Stunde. Noch ein­mal: ZEHN neue Bücher in jeder Tages– und Nacht­stunde des Jah­res. Alleine ein Ver­lag wie Rowohlt — in puncto Umsatz Num­mer 21 unter den rund 3.000 Ver­la­gen in Deutsch­land — bringt laut Han­dels­blatt an jedem ein­zel­nen Arbeits­tag 2,5 neue Bücher heraus.

Dies vor­aus­ge­schickt, will ich nun erzäh­len, warum es an einem son­ni­gen Juni­tag des Jah­res 2013 nicht nur 1,5 Rowohlt-Neuheiten waren, die das Neon­licht der Buch­lä­den erblick­ten — son­dern auch ein Werk namens „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“. Die­ses Buch — das behaupte ich nach wie vor — wäre genauso erschie­nen, wenn es den Rowohlt-Verlag nicht gäbe — und auch sonst kein Ver­lag Inter­esse an mei­ner Spei­se­rei­se­er­zäh­lung gehabt hätte.

    Auf­ruf im Netz 

Was ich sagen will: Ich hätte die­ses Buch zusam­men­ge­stöp­selt, sogar wenn sich ledig­lich meine Mut­ter erbarmt hätte es zu lesen. Weil ich es schrei­ben wollte. Unbe­dingt. Was frei­lich nicht heißt, dass ich das Werk unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit hal­ten wollte — im Gegen­teil: Von Anfang an war es mein Ziel, einen Ver­lag zu fin­den, der die­ses Pro­jekt unterstützt.

Also ver­öf­fent­lichte ich kurz vor Rei­se­be­ginn fol­gen­den Auf­ruf auf mei­ner Web­seite:

liebeverlageneu

Die Reak­tion? Erst mal — nichts.

Ich war bereits rund zwei Monate unter­wegs, schrieb flei­ßig auf mei­ner Web­seite, twit­terte, face­bookte und ver­öf­fent­li­che Rei­se­ko­lum­nen in zwei Zei­tun­gen, da flat­terte plötz­lich eine Mail in mein Post­fach — inklu­sive zweier fol­gen­schwe­rer Sätze:

„Lie­ber Herr Stäbler, ich finde Ihre Reise und natür­lich vor allem die Idee dahin­ter sehr char­mant und kann mir tat­säch­lich vor­stel­len, dass dar­aus ein Buch wer­den könnte. Wollen wir uns ein­mal, ganz unver­bind­lich, dar­über unterhalten?“

Und ob ich wollte!, denn unter­zeich­net war das Schrei­ben von einer Lek­to­rin der Rowohlt-Verlags, sei­nes Zei­chens einer der grö­ße­ren und einer der renom­mier­tes­ten Ver­lage in Deutsch­land. Also kramte ich mein freund­lichs­ten E-Mail-Deutsch her­vor und ant­wor­tete, dass ich mir eine sol­che Zusam­men­ar­beit gut vor­stel­len könne. Ich klickte auf das Senden-Knöpfchen und war­tete. Und war­tete. Und war­tete. Inzwi­schen war ich von mei­ner Reise zurück­ge­kehrt, wie­der in Mün­chen, schrieb eine zweite Mail gen Rowohlt und war­tete. Und wartete.

    You’ve Got Mail

Nach eini­gen Wochen hatte ich die Rowohlt’sche Mail fast schon ver­ges­sen und die ers­ten zwei Kapi­tel mei­nes Buches geschrie­ben. Mit ihnen als Schreib­probe — eine sol­che wird in der Regel erwar­tet — wollte ich bei Ver­la­gen vor­stel­lig wer­den. Nur bei welchen?

Just als ich an einem Juni­mor­gen (des Jah­res 2012) den Rech­ner hoch­fuhr, um nach pas­sen­den Adres­sen zu suchen, ploppte eine Mail auf — wie­der aus Ham­burg, wie­der von Rowohlt. Sie habe mich nicht ver­ges­sen, schrieb die Lek­to­rin, sei aber etwas von der Arbeit absor­biert wor­den. Meine kuli­na­ri­sche Reise könne sie sich wei­ter sehr gut im Taschenbuch-Programm des Ver­la­ges vor­stel­len. Hier sei ihr Ange­bot; gerne könne man über das Kon­zept noch ein­mal sprechen.

Statt wie geplant auf Ver­lags­su­che zu gehen, sagte ich nach einer Darüber-schlaf-Nacht zu, unter­schrieb kurz dar­auf einen Ver­trag, und ziem­lich genau ein Jahr spä­ter stand „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ in den Buch­re­ga­len — ver­legt von Rowohlt.

 

P.S. Weil ich’s grad in der Sta­tis­tik ent­deckt habe: Im Schnitt kos­tete eine Print-Neuerscheinung im ver­gan­ge­nen Jahr 25,63 Euro. Inso­fern sind die 8,99 Euro für „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ ein ech­tes Schnäpp­chen — und ein per­fek­tes Weihnachtsgeschenk…

 

Bis­her im Adventskalender:

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