Jan 28, 2013 - Brandenburg, Niedersachsen    2 Kommentare

Lieber Knieperfuchs als Hasselhoff

Wir Deut­sche lie­ben Würste und David Has­sel­hoff, haben im Schnitt so viel Humor wie eine Scheibe Zwie­back, sind Frem­den gegen­über reser­viert bis ableh­nend und gehen am Ende eines Spiels mit 22 Leu­ten immer als Sie­ger vom Platz. So weit die liebs­ten Klischees. Dass einige von ihnen in der Rea­li­tät schnel­ler zer­brö­seln als Vam­pire im Son­nen­licht, soll­ten wir spä­tes­tens seit den jüngs­ten Fuß­ball­welt– und Euro­pa­meis­ter­schaf­ten wissen. Und noch ein wei­te­res Vor­ur­teil ist — zumin­dest nach mei­ner Erfah­rung — mei­len­weit von der Wahr­heit ent­fernt: näm­lich das vom unter­kühl­ten, unfreund­li­chen Deutschen.

Tat­säch­lich habe ich auf mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise mehr offene, auf­ge­schlos­sene und extrem hilfs­be­reite Men­schen getrof­fen, als ich in mei­nem Leben Scho­ko­rie­gel ver­drückt habe — und glaubt mir, das ist eine erschre­ckend große Menge. Da waren etwa die 97 Auto­fah­rer, die mich fast 3.900 Kilo­me­ter durch die ganze Repu­blik kut­schiert haben. Oder die 27 Couch­sur­fer, die mich ohne Gegen­leis­tung bei sich zu Hause beher­bergt haben. Ganz zu schwei­gen von den aber­dut­zen­den Gast­wir­ten, Hob­by­kö­chen, Koch­buch­au­to­ren und Essens­lieb­ha­bern, die ihre Zeit für mich geop­fert und ihre Rezepte, ihr Küchen­wis­sen und fast immer auch eine Kost­probe mit mir geteilt haben.

Deutsch­land und Gast­freund­schaft? Seit mei­ner Reise weiß ich: Das passt so gut zusam­men wie Cur­ry­wurst und Pom­mes frites.

Drei beson­ders hilfs­be­reite und lie­bens­wür­dige Men­schen habe ich dabei in Bran­den­burg und in Nie­der­sach­sen getrof­fen — und von ihnen gibt es nun Neues zu berich­ten. Da ist zunächst ein­mal Horst Fenske vom Deut­schen Haus in Pritz­walk — der Knie­per­fuchs, wie er sich nennt, der seit Jahr­zehn­ten für den Knie­per­kohl kämpft und auch mir eine deftig-leckere Por­tion auf­ge­tischt hat. Um für sei­nen Knie­per­kohl zu wer­ben, schlüpft Fenske bis­wei­len in ein manns­gro­ßen Fuchs­kos­tüm, was ich bei mei­nem Besuch natür­lich nur zu gerne erlebt hätte. Lei­der war der Plü­sch­an­zug damals in der Wäsche, doch für die RBB-Sendung Zibb ist der Wirt nun in das tie­ri­sche Dress gestie­gen. Hier geht’s zum fünf­mi­nü­ti­gen Knieperfuchs-Beitrag, der außer­dem viel Wis­sens­wer­tes rund um den Knie­per­kohl enthält.

Ebenso herz­lich wie in Pritz­walk wurde ich auch in Osna­brück begrüßt, wo ich einen der denk­wür­digs­ten Abende mei­ner Reise erlebte. Zunächst setzte mir der Metall­künst­ler Jona­than ein durch­aus aben­teu­er­li­ches Gericht namens Wurste­brot vor, und danach saß ich mit dem Jour­na­lis­ten und Couch­sur­fer Daniel Hop­kins bis spät in die Nacht bei reich­lich Bier & Schnaps zusam­men. (zum Bericht im Blog)

Schon damals erzähl­ten Jona­than und Daniel von ihrem Plan, die aben­teu­er­li­che Lebens­ge­schichte des Künst­lers in einem Buch nie­der­zu­schrei­ben. Nun wird das Werk im März 2013 erschei­nen; bei Ama­zon kön­nen bereits Vor­be­stel­lun­gen hin­ter­legt wer­den. Ich selbst habe noch keine Zeile von dem Buch gele­sen, und doch durfte ich einen Nach­mit­tag lang Jona­thans Erzäh­lun­gen lau­schen und bin mir daher sicher: „Und Sirius hat es gese­hen — Vom Leben ver­ge­wal­tigt“ (Link zu Ama­zon) ist abso­lut lesenswert.

Auch mein Buch „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ kann man inzwi­schen bei Ama­zon vor­be­stel­len — gerne über das Wer­be­ban­ner in der rech­ten Spalte (Warum?). Darin berichte ich aus­führ­lich von mei­nen Tref­fen mit dem Knie­per­fuchs, mit Jona­than und Daniel und mit den vie­len ande­ren hilfs­be­rei­ten Deut­schen, die ich auf mei­ner kuli­na­ri­schen Tour getrof­fen habe. Außer­dem geht’s um Würste, und das nicht zu knapp. Und sogar der Fuß­ball taucht am Rande mal auf.

Nur David Has­sel­hoff konnte ich lei­der auf den rund 260 Sei­ten nicht unter­brin­gen. Doch gedenkt man sei­nes Tête-à-têtes mit einem Cheese­bur­ger, ist das — zumin­dest aus kuli­na­ri­scher Sicht — kein gro­ßer Verlust.

Mit dem Künstler Jonathan beim Wurstebrotessen in Osnabrück. Seine Lebensgeschichte erscheint nun als Buch.

Mit dem Künst­ler Jona­than beim Wurste­bro­tes­sen in Osna­brück. Seine Lebens­ge­schichte erscheint nun als Buch von Autor Daniel Hopkins.

Horst Fenske ist für den RBB in Knieperfuchskostüm geschlüpft.

Horst Fenske ist für den RBB ins Knie­per­fuchs­kos­tüm geschlüpft.

Jan 21, 2013 - Bloggen    Kein Kommentar

Das nächste Projekt

Vom Schreibtisch aus geht es zu neuen kulinarischen Abenteuern.

Vom Schreib­tisch aus geht es zu neuen kuli­na­ri­schen Abenteuern.

Und, was kommt als nächs­tes? Das ist die zweit­häu­figste Frage, die mir seit der Rück­kehr von mei­ner kuli­na­ri­schen Reise gestellt wird. (Ganz vorne liegt Wo hat’s am bes­ten geschmeckt? – doch dar­über habe ich mich schon an ande­rer Stelle ausgelassen)

Gemeint ist damit: Wel­che Region kommt als nächs­tes auf mei­nen Spei­se­rei­se­plan, nach­dem ich mich durch alle 16 deut­schen Bun­des­län­der gefut­tert habe? Viel­leicht „Öster­reich, wie es is(s)t“? Das wäre zwei­fels­frei ein süßes Ver­gnü­gen. Oder „Bay­ern, wie es trinkt“? Das könnte eine mehr­jäh­rige Ange­le­gen­heit wer­den. Oder doch lie­ber „Die Süd­see, wie sie is(s)t“? Um bei der Recher­che ein paar Traum­in­seln abzuklappern.

Doch tief in mir ahne ich: Eine sol­che Reise per Anhal­ter, auf der Jagd nach kuli­na­ri­schen Deli­ka­tes­sen, die Unter­künfte nur via Couch­sur­fing suchend — so etwas werde ich zu 96-prozentiger Wahr­schein­lich­keit nicht wie­der­ho­len. Nicht, dass es nicht reiz­voll wäre, sich durch Ita­lien, Frank­reich oder Spa­nien zu schlem­men — im Gegen­teil: Ich liebe Pasta, ver­ehre fran­zö­si­schen Käse und würde für eine gute Cho­ri­zo­wurst meine Mut­ter belü­gen. Nein, der Grund ist viel­mehr: Ginge ich nun erneut auf Schlem­mer­reise, wären die Neu­gier, die Nai­vi­tät, der Reiz des Neuen und auch die Angst lange nicht mehr so prä­sent wie damals, als ich an einem grau­trü­ben Regen­tag an der Auto­bahn­auf­fahrt in Mün­chen erst­mals den Dau­men in die Luft streckte.

Denn bereits auf mei­ner drei­mo­na­ti­gen Deutsch­land­tour habe ich gemerkt, dass sich mit der Zeit eine gewisse Rou­tine ein­ge­schli­chen hat. Stand ich anfangs noch zit­ternd am Stra­ßen­rand, weil ich fürch­tete, dass nie­mals ein Auto hält, wurde ich mit der Zeit zum abge­brüh­ten Tram­per. Erwar­tete ich bei mei­nen ers­ten Couch­sur­fing–Gast­ge­bern noch einen von Stirn bis Zeh täto­wier­ten Atom­phy­si­ker, der in sei­ner Frei­zeit mit hal­lu­zi­no­ge­nen Pil­zen expe­ri­men­tiert, so wusste ich nach ein paar Wochen, dass man in Deutsch­land über­all pro­blem­los couch­sur­fen kann — und das bei weit­ge­hend nor­ma­len Leu­ten. Und trieb mich zu Beginn mei­ner Reise noch die Sorge um, an einem Ort kein lan­des­ty­pi­sches, tra­di­tio­nel­les Gericht zu fin­den, so ent­wi­ckelte ich mit der Zeit Metho­den, dank derer ich fast immer einen pas­sen­den Spei­se­part­ner fand — mal über die Zei­tungs­re­dak­tion vor Ort, mal über die Stadt­ver­wal­tung, mal über das Internet.

Kurzum: Je län­ger meine Reise dau­erte, desto pro­fes­sio­nel­ler orga­ni­sierte ich sie — und desto abge­klär­ter wurde ich. Und lei­der: desto lang­wei­li­ger wurde es. Denn rück­bli­ckend waren es gerade meine Nai­vi­tät, meine Feh­ler und meine Neu­gier, die mir die denk­wür­digs­ten Rei­se­er­leb­nisse bescherten.

Außer­dem ist das Leben ohne­hin zu kurz, um zwei­mal das glei­che zu tun — und so will ich heute mein neues Pro­jekt vor­stel­len, das ich dies­mal nicht auf der Straße, son­dern vom Com­pu­ter aus angehe: die Schmau­s­epost. Kurz gesagt, han­delt es sich dabei um einen wöchent­li­chen News­let­ter zum Thema Essen. Wer sich auf www.schmausepost.de anmel­det, erhält jeden Frei­tag­nach­mit­tag eine E-Mail mit Nach­rich­ten aus der kuli­na­ri­schen Welt, eine Samm­lung lesens­wer­ter Arti­kel sowie aus­ge­wählte Bei­träge und Rezepte von diver­sen Foodblogs.

Logo der Schmausepost.

Logo der Schmausepost.

Blei­ben ein paar Fragen:

  • Die Idee?

Im Zuge mei­ner Reise und des Buch­schrei­bens habe ich mich (noch) inten­si­ver mit dem Thema Essen aus­ein­an­der­ge­setzt. Im Web bin ich dabei auf zig inter­es­sante Blogs, tolle Lese­ge­schich­ten und nach­ko­chens­werte Rezepte gesto­ßen. Aber eine Web­seite, die sozu­sa­gen das Best-of die­ser Lese­häpp­chen sam­melt, habe ich ver­geb­lich gesucht. Und viel­leicht geht es ja nicht nur mir so? Des­halb will ich nun zumin­dest einige Monate lang aus­pro­bie­ren, ob so ein wöchent­li­cher News­let­ter Leser bzw. Abon­nen­ten findet.

  • Die Arbeit?

Woche für Woche schaue ich an die hun­dert Web­sei­ten durch — dar­un­ter klas­si­sche Nach­rich­ten­sei­ten, Por­tale, Newsti­cker, Home­pages von Ver­bän­den und Orga­ni­sa­tio­nen sowie unzäh­lige Food­blogs. Außer­dem ver­traue ich auf ein brei­tes Essens-Netzwerk bei Twit­ter. Für die Schmau­s­epost, die pünkt­lich zum Wochen­ende immer am Frei­tag­nach­mit­tag erscheint, wähle ich knapp zwei Dut­zend Nach­rich­ten und Arti­kel aus; zudem gibt es zwei Rezepte, und auch ein „Food­blog der Woche“ soll regel­mä­ßig vor­ge­stellt wer­den. Den Inhalt der ein­zel­nen Geschich­ten fasst die Schmau­s­epost in zwei, drei Sät­zen zusam­men. Wer mehr wis­sen oder den kom­plet­ten Text lesen will, der fin­det unter dem Bei­trag die zuge­hö­ri­gen Links.

  • Die Vor­bil­der?

Ähnli­che Ange­bote wie die Schmau­s­epost gibt es zu zahl­rei­chen The­men. Ich selbst lese bei­spiels­weise den sehr gut gemach­ten News­let­ter von turi2.de, der zwei­mal täg­lich alle Nach­rich­ten aus der Welt des Jour­na­lis­mus lie­fert. Für Fuß­ball­fans gibt es jeden Mor­gen Fokus Fuß­ball, das sich als „täg­li­che Blog– und Pres­se­schau zur schöns­ten Neben­sa­che der Welt“ ver­steht. Und über den Münch­ner Jour­na­lis­ten Kars­ten Loh­meyer bin ich auf das Tages­brie­fing auf­merk­sam gewor­den, einen täg­li­chen News­let­ter für die Ver­si­che­rungs­wirt­schaft. Und das sind nur drei Bei­spiele — sicher gibt es noch zig mehr. (wei­tere Bei­spiele gerne per E-Mail an info(ät)schmausepost.de)

  • Der Lohn?

Wozu die ganze Arbeit? Nun, zum einen würde ich mich ja ohne­hin aus per­sön­li­chem Inter­esse auf die Suche nach lesens­wer­ten Bei­trä­gen zum Thema Essen machen — wenn­gleich nicht so orga­ni­siert und in dem Aus­maß. Zum ande­ren glaube ich, dass die Schmau­s­epost mit der Zeit ihre Leser fin­den wird — und dann wäre ich prin­zi­pi­ell auch bereit, Anzei­gen in den News­let­ter auf­zu­neh­men, und mir so ein paar Euro zu ver­die­nen. Das wird sicher nicht schon in ein paar Wochen sein, aber viel­leicht in eini­gen Mona­ten. Und wenn nicht? Dann habe ich es wenigs­tens versucht.

  •  Und jetzt?

Jetzt würde ich mich natür­lich freuen, wenn sich mög­lichst viele von euch die Web­seite der Schmau­s­epost ein­mal anse­hen — und dich dann für den News­let­ter anmel­den. Denn noch befinde ich mich in der Aus­pro­bier­phase und suche drin­gend nach Ver­suchs­ka­nin­chen, die mir Feed­back geben. Was gefällt euch an der Schmau­s­epost? Und noch wich­ti­ger: Was gefällt euch nicht? Was könnte man ver­bes­sern? Wel­che Inhalte wür­den sich anbieten?

Schon jetzt sage ich lie­ben Dank für Anre­gun­gen, Kri­tik und Tipps — gerne per Mail an info(ät)schmausepost.de.

Jan 14, 2013 - Bloggen    2 Kommentare

Ein Blog blickt zurück

Das war 2012 bei „Deutsch­land, wie es is(s)t“.

Ins­ge­samt 28.000 Besu­cher hat der Blog „Deutsch­land, wie es is(s)t“ im ver­gan­ge­nen Jahr ver­zeich­net — das mel­det der Jah­res­rück­blick mei­nes Sta­tis­tik­pro­gramms, der vor eini­gen Tagen in mein Post­fach geflat­tert ist. „Wenn jeder Besu­cher ein Film wäre“, heißt es mit Ver­weis auf das Can­nes Film Fes­ti­val 2012 wei­ter, „dann würde die­ses Blog 6 Film Fes­ti­vals fül­len“. Ich habe mir den Satz mehr­fach durch­ge­le­sen. Doch ent­we­der ent­geht mir der tie­fere Sinn die­ses Ver­gleichs — oder aber er ist etwa so sinn­frei wie das Abend­pro­gramm von RTL.

Doch egal: Abge­se­hen von dem Ver­gleich umfasst der Jah­res­rück­blick 2012 eine Menge inter­es­san­ter Fak­ten. Hier meine Favoriten:

  • 542 Besu­cher ver­irr­ten sich am 21. Juni auf meine Seite und mach­ten ihn damit zum geschäf­tigs­ten Tag des Jah­res. Belieb­tes­ter Arti­kel an die­sem Tag war übri­gens die Über­sichts­seite zu mei­ner Route.
  • Mein Arti­kel über Couch­sur­fing („Die per­fekte Welle“) war der belieb­teste Arti­kel des Jah­res. Platz zwei geht an das Inter­view mit den schwä­bi­schen Spätz­le­ex­per­ten von Erna & Co.
  • 90% der Besu­cher kamen aus Deutsch­land. Die wei­te­ren Plätze: USA und Österreich.
  • Und zuletzt noch die häu­figs­ten Such­be­griffe, über die Sur­fer zu mei­nem Blog gelang­ten: „Schnüsch“, „Tei­chel­mauke“ und „Couch­sur­fing Deutschland“.

Doch damit genug vom ver­gan­ge­nen Jahr (hier der kom­plette Rück­blick) — ris­kie­ren wir lie­ber einen Blick in die Zukunft. Was also bringt 2013 für die­ses Blog? Nun, zunächst ein­mal werde ich wei­ter berich­ten, wie es um mein Buch „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ steht. Nach­dem sich die Lek­to­rin das Manu­skript vor­ge­nom­men hat, liegt es nun beim Rowohlt Ver­lag, der aktu­ell einen Gra­fi­ker für die Rei­se­s­kiz­zen sucht und den Text anschlie­ßend zum Kor­rek­tur­le­sen geben wird. Nach der­zei­ti­gem Plan soll das Buch dann im Juni 2013 auf den Markt kom­men.

Außer­dem werde in die­sem Jahr nicht nur in Buch­form über meine kuli­na­ri­sche Reise berich­ten, son­dern auch dar­über hin­aus. Mehr dar­über folgt in einem der kom­men­den Ein­träge — es lohnt sich also auch 2013 ab und zu mal bei „Deutsch­land, wie es is(s)t“ vorbeizuschauen.

Euch allen danke ich nun fürs Mit­le­sen und Kom­men­tie­ren im ver­gan­ge­nen Jahr, für viele kluge Anre­gun­gen und Hin­weise, ohne die meine Deutsch­land­tour weit­aus ärmer gewe­sen wäre. Und für 2013 wün­sche ich euch stets: Guten Appetit!

Jan 9, 2013 - Buch    4 Kommentare

Kontrolle ist besser

Ach, was muss man oft lesen…

Es ist mein drit­ter Schnaps bin­nen zehn Minu­ten – und das um elf Uhr mor­gens. Den­noch weiß ich aus siche­rer Quelle: Diese brü­nette Dame, die sich gerade um meine Potenz sorgt, habe ich noch nie im Leben getroffen. Ich kippe den Kräu­ter­schnaps hinab und spüre, wie sich der bei­ßende Trunk den Weg in mei­nen Magen bahnt. 

So stand es in mei­nem Manu­skript, im Kapi­tel über Thü­rin­gen, wo ich von einer Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­ons­fach­kraft mit blen­den­dem Zahn­pas­ta­lä­cheln zum Schnaps­t­rin­ken genö­tigt wurde — doch das nur am Rande.

Gefühlt habe ich die­sen Satz in den letz­ten drei Mona­ten etwa ein­und­acht­zig­mal gele­sen. So wie das gesamte Manu­skript zu „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“. Uner­müd­lich habe ich an dem Text gefeilt, For­mu­lie­run­gen gegen­ein­an­der abge­wägt, Sätze umge­stellt und umge­schrie­ben, gestri­chen und geflucht.

Wer will da jetzt noch einen Feh­ler fin­den?“, dachte ich, als ich das fer­tige Manu­skript Mitte Novem­ber an Bar­bara Imgrund schickte. Die Lek­to­rin war mir vom Rowohlt Ver­lag ver­mit­telt wor­den, und pünkt­lich zu Weih­nach­ten erhielt ich das Manu­skript von ihr zurück — mit Anmer­kun­gen. Darin fand sich unter ande­rem Folgendes:

Es ist mein drit­ter Schnaps bin­nen zehn Minu­ten – und das um elf Uhr mor­gens. Den­noch weiß ich aus siche­rer Quelle: habe ich kei­nen Zwei­fel: Diese brü­nette Dame, die sich gerade so rüh­rend um meine Potenz sorgt, habe ich noch nie im Leben getroffen. Ich kippe den Kräu­ter­schnaps her­un­ter und spüre, wie sich der bei­ßende Trunk den Weg in mei­nen Magen bahnt. 

Es sind nur drei kleine Ände­run­gen und doch machen sie diese Pas­sage ver­ständ­li­cher (Ände­rung 1), lesens­wer­ter (Ände­rung 2) und kor­rekt (Ände­rung 3).

Und die­ser Absatz ist nicht Aus­nahme: Auf jeder der 191 Manu­skript­sei­ten hat die Lek­to­rin eine Reihe von Kor­rek­tu­ren und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­gen ver­merkt, die sich grob in drei Grup­pen ein­tei­len las­sen. Ers­tens: Ver­ein­heit­li­chung der Schreib­weise (vor allem bei den Rezep­ten enorm hilf­reich). Zwei­tens: Recht­schrei­bung und Gram­ma­tik. Und drit­tens: inhalt­li­che Vor­schläge — meist Umfor­mu­lie­run­gen, um den Text ver­ständ­li­cher oder prä­zi­ser zu machen.

Doch nicht nur von der Fülle der Anmer­kun­gen war ich über­rascht, son­dern auch von der Qua­li­tät. So habe ich gefühlte 90 Pro­zent der Vor­schläge anstands­los über­nom­men; nur hier und da blieb ich bei der ursprüng­li­chen Ver­sion. Beson­ders beein­druckt hat mich, wie gut die Lek­to­rin bei ihren Anmer­kun­gen den Sprach­stil des Manu­skripts getrof­fen hat. Denn nicht zuletzt aus mei­ner Zeit als Zei­tungs­re­dak­teur weiß ich, wie schwer es ist, Texte zu redi­gie­ren und dabei den ursprüng­li­chen Duk­tus des Autors beizubehalten.

Kurzum: Auch wenn mir bei mei­nem ers­ten Buch die Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten feh­len, bin ich mehr als zufrie­den mit der Arbeit von Bar­bara Imgrund. Durch ihr Lek­to­rat hat das Manu­skript in mei­nen Augen beträcht­lich an Qua­li­tät gewonnen.

Wie es nun wei­ter­geht? Nach­dem ich das Manu­skript noch ein­mal durch­ge­fors­tet und die Anmer­kun­gen der Lek­to­rin ein­ge­ar­bei­tet habe, liegt es jetzt wie­der beim Rowohlt Ver­lag. Dort sucht man gerade nach einem Zeich­ner, der Skiz­zen zu mei­nen Rei­se­sta­tio­nen anfer­tigt, mit denen die Kapi­tel jeweils begin­nen sol­len. Ende des Monats geht das Manu­skript in die Her­stel­lung und ein Kor­rek­tur­le­ser macht sich auf die Suche nach Feh­lern. Danach erhalte ich die soge­nann­ten Druck­fah­nen, also den ers­ten Kor­rek­tur­ab­zug des Buches. Darin kön­nen noch ein­mal letzte Ände­run­gen vor­ge­nom­men wer­den. Dann kom­men Lay­out, Druck und­so­wei­ter, ehe das fer­tige Werk im Juni 2013 auf den Markt kommt.

Über die wei­te­ren Schritte werde ich an die­ser Stelle berich­ten, damit ihr wisst, wie viel Arbeit in so einem Buch steckt, wenn ihr es (hof­fent­lich) im Som­mer in den Hän­den hal­tet. Was euch dann inhalt­lich erwar­tet? Das soll die soge­nannte Tite­lei ver­ra­ten, also die Kurz­zu­sam­men­fas­sung sowie die Kurz­bio­gra­fie des Autors, die meist auf den ers­ten Buch­sei­ten ste­hen. Für diese Tite­lei habe ich Anfang der Woche einen Text­vor­schlag an den Ver­lag geschickt, den ich euch natür­lich nicht vor­ent­hal­ten will.

Zum Inhalt:

Patrik Stäbler liebt Essen. Für die Lasa­gne sei­nes Stam­mita­lie­ners würde er die eigene Groß­mut­ter betrü­gen, Sus­hi­lo­kale zie­hen ihn magisch an, und sein Grü­nes Curry teilt er nicht mal mit den bes­ten Freun­den. Einen schwar­zen Fle­cken gibt es jedoch auf Stäblers Spei­se­karte — aus­ge­rech­net die Küche sei­nes Hei­mat­lan­des. So sind ihm Sau­ma­gen, Labskaus und Eis­bein so unbe­kannt wie Obe­lix ein Diät­plan. Also begibt sich der Nim­mer­satt auf eine kuli­na­ri­sche Deutsch­land­tour: Per Anhal­ter reist er durch alle 16 Bun­des­län­der, über­nach­tet bei Frem­den und begibt sich auf die Suche nach tra­di­tio­nel­len, lan­des­ty­pi­schen Gerich­ten. Sein Hun­ger führt Stäbler zu skur­ri­len Spei­sen wie Tei­chel­mauke, Schnüsch und Dib­belab­bes — und zu skur­ri­len Men­schen wie dem Mutz­bra­ten­kö­nig, einem Ster­ne­koch in der Cur­ry­wurst­bude oder dem Stamm­metz­ger von Hel­mut Kohl. „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“ ist ein unter­halt­sa­mer Rei­se­be­richt, der Appe­tit macht auf Deutsch­land und die deut­sche Küche.

Zum Autor:

Patrik Stäbler, gebo­ren 1980, hat in Mün­chen und Detroit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten stu­diert. Nach einer Reise um die Welt und einem Volon­ta­riat in der Pro­vinz kehrte er zurück in die pro­vin­zi­ellste aller Welt­städte — nach Mün­chen. Dort lebt Stäbler heute als Jour­na­list und Autor.

Dez 10, 2012 - Buch    9 Kommentare

Ein Platz am Mittelfinger

Aus dem Kata­log: Einer reckt den Mit­tel­fin­ger, der andere den Daumen.

Ein eiför­mi­ges Strich­männ­chen blickt mich mit Angela-Merkel-Mundwinkeln an — und streckt mir sei­nen gereck­ten Mit­tel­fin­ger ent­ge­gen. Dar­un­ter steht die Über­schrift: „Starr­köpfe über­zeu­gen — Psy­cho­tricks für den Umgang mit Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern, Fun­da­men­ta­lis­ten, Part­nern und Ihrem Chef.“ Ich bin leicht ver­wirrt: Was genau wol­len die Damen und Her­ren vom Rowohlt-Verlag mir damit sagen? Haben die in mei­nem Pri­vat­le­ben geschnüffelt?

Ich halte den Vor­schau­ka­ta­log „Sach­buch 2013″ in der Hand; ihn habe ich vor­ges­tern aus mei­nem Brief­kas­ten gezo­gen. Kein Anschrei­ben ist in dem Umschlag beige­legt, allein ein Zet­tel steckt in Seite 22, von der mich jener mit­tel­fin­ger­re­ckende Starr­kopf anglotzt. Ich über­fliege das hand­be­schrie­bene Stück Papier: „Lie­ber Herr Stäbler, anbei unsere druck­fri­sche Vor­schau für Sie mit Ihrem Buch auf Seite 23.“

Erst jetzt wan­dert mein Blick auf die rechte Hälfte des auf­ge­schla­ge­nen Kata­lo­ges: Auch dort blickt ein Männ­chen vom Buch­co­ver — wenn­gleich jenes etwas freund­li­cher drein­schaut und dem Betrach­ter nicht den Mit­tel­fin­ger, son­dern sei­nen Dau­men ent­ge­gen­streckt. „Eine unter­halt­same Ver­bin­dung von Koch– und Rei­se­li­te­ra­tur“ ver­spricht die Über­schrift, und „mit Rezep­ten!“ — was mich wie­derum leicht ner­vös wer­den lässt, weil ich im Geiste schon erboste Groß­müt­ter­chen an mei­ner Türe rüt­teln sehe, die sich über mein Rezept für Eis­bein mit Kraut echauffieren.

Doch sei’s drum: Jetzt gibt es ohne­hin kein Zurück mehr. Unter dem Titel „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten — Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus“ (Danke Evi für die Unter­zeile!) wird das Buch zu mei­ner kuli­na­ri­schen Reise laut Kata­log im Juni 2013 erscheinen.

Tut mir ehr­lich leid, Ihr Öster­rei­cher, dass es für Euch teu­rer wird!

Nun könnte der gedruckte Vor­schau­ka­ta­log (Down­load hier) zu der Ver­mu­tung ver­lei­ten, mein Buch sei längst fer­tig und ebenso druck­be­reit — doch weit gefehlt. Denn aktu­ell beant­worte ich im Wochen­takt ein gan­zes Bün­del von Fra­gen wie „In wel­cher Form kommt das Knob­lauch in das Rezept für Stral­sun­der Fischtopf — gehackt, Pul­ver oder Zehe?“. Oder: „Bitte bele­gen Sie die Zitate von Seidel-Pielen im Kapi­tel Ber­lin mit Erschei­nungs­ort, Ver­lag, Erschei­nungs­jahr, evtl. Auf­la­gen­höhe, Sei­ten­zahl.“ Absen­der der Fra­gen ist die Lek­to­rin Bar­bara Imgrund, die sich gerade durch mein Manu­skript wühlt — und das dan­kens­wer­ter­weise offen­bar sehr gewis­sen­haft. Ach ja: Das erwähnte Buch von Seidel-Pielen heißt „Auf­ge­spießt — Wie der Döner über die Deut­schen kam“ und ist äußerst lesens­wert. Aber das nur am Rande.

Vor­aus­sicht­lich zu Weih­nach­ten schickt mir Frau Imgrund dann das Manu­skript mit all ihren Ver­bes­se­run­gen, Anre­gun­gen und Vor­schlä­gen zurück, sodass ich zwi­schen Weih­nachts­gans und Sil­ves­ter­sause ein paar besinn­li­che Tage vor dem Rech­ner ver­brin­gen werde. Danach kommt das Manu­skript zu den Kor­rek­tur­le­sern, von dort zurück zu mir, wie­der gegen­le­sen, wie­der Feh­ler aus­bes­sern, wie­der schi­cken — und dann, ja dann steht das Buch im Juni 2013 in den Rega­len. So der Plan.

Zum Ver­grö­ßern: kli­cken, war­ten, noch ein­mal klicken.

 

 

Nov 28, 2012 - Buch    Kein Kommentar

Ein spannendes „Buch-Experiment“

Tei­len lohnt sich — auch beim Buchschreiben?

Vor­vor­ges­tern habe ich 20 Euro für ein Buch von Dirk von Geh­len hin­ge­blät­tert — und doch halte ich das Buch weder in den Hän­den, noch werde ich das in Bälde tun. Denn sein Werk namens „Eine neue Ver­sion ist ver­füg­bar“ wird vor­aus­sicht­lich erst im Mai 2013 erschei­nen — und den­noch haben bereits jetzt rund 250 Käu­fer mehr als 8.000 Euro für das Buch aus­ge­ge­ben. Warum ich dar­über an die­ser Stelle schreibe? Weil ich von Geh­lens Pro­jekt in vie­ler­lei Hin­sicht span­nend finde — gerade im Hin­blick auf mein eige­nes Buch „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten“, das im kom­men­den Früh­jahr im Rowohlt Ver­lag erschei­nen wird.

Da ist ers­tens die Finan­zie­rung: Der SZ-Journalist von Geh­len ver­zich­tet auf die Zusam­men­ar­beit mit einem Ver­lag und setzt statt­des­sen auf die Crowdfunding-Plattform Start­next. Dort kön­nen Mit­glie­der ihre Pro­jekte der Öffent­lich­keit vor­stel­len und von einer Viel­zahl von Unter­stüt­zern Geld für die Finan­zie­rung sam­meln — egal ob das nun eine Buchi­dee, die Pro­duk­tion von „Chucks ohne schlech­tes Karma“ oder ein Spiel­film­pro­jekt ist. Als Dank für ihre Inves­ti­tion erhal­ten die Unter­stüt­zer das Pro­dukt, eine Gewinn­be­tei­li­gung und/oder andere Gegen­leis­tun­gen. Im Falle von Geh­lens reicht das von der eBook-Version der Buches (€12) über die Papier­va­ri­ante in Basis– (€20) und Premium-Version (€30) bis hin zu einem Vor­trag des Autors (€500).

Ich selbst habe im Früh­som­mer eben­falls mit dem Gedan­ken gespielt, mein Buch per Crowd­fun­ding zu finan­zie­ren, ehe ich mich dann doch für den Rowohlt Ver­lag ent­schie­den habe. Warum Crowd­fun­ding? Weil ich die­ser Art der Finan­zie­rung gerade im künst­le­ri­schen Bereich gro­ßes Poten­zial zutraue. Und weil es den Pro­du­zen­ten direkt mit sei­nen Kun­den zusam­men­bringt. Hier ent­schei­det nicht die Mar­ke­ting­ma­schi­ne­rie des Ver­la­ges über Erfolg oder Miss­er­folg eines Buches, nicht die Kre­dit­ab­tei­lung der Bank über eine Startup-Idee und nicht das Film­stu­dio über ein Dreh­buch  - son­dern nur der Kunde. Ihn gilt es zu über­zeu­gen — und genau das sollte doch der Sinn jeg­li­chen Pro­duk­tes sein.

Noch span­nen­der als die Finan­zie­rung ist jedoch zwei­tens die Idee hin­ter von Geh­lens Buch. Wie der Titel „Eine neue Ver­sion ist ver­füg­bar“ ver­rät, ver­steht er sein Buch nicht als abge­schlos­se­nes Werk, son­dern eher als eine Art Ent­wick­lungs­pro­zess. Dies ist zugleich das Thema sei­nes „Buch-Experiments“. Denn von Geh­len will die Leser — also alle, die sich vorab zur Unter­stüt­zung des Pro­jekts bekannt haben — in den Ent­ste­hungs­pro­zess des Buches ein­bin­den. Wenn ich ihn rich­tig ver­stehe, dann will er den Akt des Buch­schrei­bens für seine Leser öffent­lich machen, ihre Anre­gun­gen auf­grei­fen, mit ihnen dis­ku­tie­ren und so das Buch bis zu einem gewis­sen Grad gemein­sam mit ihnen ent­wi­ckeln. Der Leser bekommt für den „Kauf­preis“ also nicht nur das fer­tige Buch, son­dern auch einen Ein­blick in den Entstehungsprozess.

Diese Idee erin­nert mich an mein eige­nes Buch — aller­dings nur, was die Recher­che anbe­langt. Denn auch wäh­rend mei­ner kuli­na­ri­schen Reise stand ich im stän­di­gen Dia­log mit den Lesern mei­nes Blogs bzw. mei­ner Face­book­seite — und habe davon enorm pro­fi­tiert. Bei­spiels­weise wäre ich ohne die Anre­gung von Uli (er hat mir über Face­book geschrie­ben) nie auf die Idee gekom­men, einen Abste­cher nach Osna­brück zu unter­neh­men und mich dort auf die Suche nach Stop­sel zu machen. Und ohne Roberts Hin­weis (wie­der Face­book) hätte ich Ost­fries­land unbe­se­hen links lie­gen las­sen. Mit­hin wären also zwei Sta­tio­nen, die nun­mehr ein kom­plet­tes Kapi­tel im Buch fül­len, gar nicht auf mei­nem Spei­se­plan auf­ge­taucht. Und das ist beleibe nicht alles: Durch die zahl­lo­sen Tipps, Anre­gun­gen und Hin­weise hat meine Reise der­art an Qua­li­tät gewon­nen, das ich es im Nach­hin­ein sogar bereue, mein Pro­jekt nicht noch aus­führ­li­cher, noch offen­si­ver und noch inter­ak­ti­ver im Web prä­sen­tiert zu haben.

Anders hin­ge­gen ver­lief das eigent­li­chen Schrei­ben mei­nes Buches: Das habe ich ganz klas­sisch als Ein­zel­kämp­fer vor dem Com­pu­ter erle­digt — sieht man ein­mal von den Hin­wei­sen eini­ger Freunde, der Lek­to­rin und dem Kor­rek­tur­le­ser ab. Ob genug mei­ner Blog-Leser das Buch finan­zi­ell unter­stützt hät­ten? Das weiß ich nicht. Ob sie Inter­esse an einer Debatte über die Inhalte gehabt hät­ten? Weiß ich auch nicht. Was ich aber weiß: Wenn sich genug Blog-Leser am Ent­ste­hungs­pro­zess des Buches betei­ligt hät­ten, dann wäre das in meh­re­rer Hin­sicht vor­teil­haft für das End­er­geb­nis gewesen:

  1. Anre­gun­gen: in punkto Rezepte, Auf­bau des Buches, Aus­wahl der Gerichte und Geschich­ten. Natür­lich hätte ich mir nicht wahl­los dik­tie­ren las­sen, was ich schreibe. Aber wenn 190 von 200 Lesern vehe­ment dafür plädieren, meinen Besuch beim Whisky-Liebhaber aus Neu­bran­den­burg doch lie­ber ins Buch auf­zu­neh­men (lei­der musste ich diese Epi­sode aus Platz– und Logik­grün­den weg­las­sen), dann würde ich die Ent­schei­dung gege­be­nen­falls revi­die­ren. Schließ­lich ist man als Autor auch ein Stück weit Dienst­leis­ter — und wer zahlt, schafft an.
  2. Feh­ler­ver­mei­dung: Vier Augen sehen mehr als zwei — und ein paar Hun­dert dem­nach mehr als eine Handvoll.
  3. Kun­den­bin­dung: Wer den Ent­ste­hungs­pro­zess eines Buches ver­folgt, ja sich viel­leicht sogar mit Rat­schlä­gen und Hin­wei­sen daran betei­ligt hat, der wird wohl kaum dar­auf ver­zich­ten, sich das Werk her­nach auch ins Bücher­re­gal zu stel­len — und den Autor womög­lich sogar in wei­te­rer Hin­sicht zu unterstützen.

Kurzum: Ich bin sehr gespannt dar­auf, wel­che Erfah­run­gen von Geh­len mit sei­nem Buch-Experiment sam­melt — und werde sie sicher für kom­mende Pro­jekte im Hin­ter­kopf behalten.

Nov 14, 2012 - Buch    74 Kommentare

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Ser­vus und baba — mein Baby geht auf Reisen.

Und jedem Anfang wohnt ein Zau­ber inne, dich­tet Her­mann Hesse in sei­nen Stu­fen. Schon wahr. Außer­dem werde ich mich hüten, den guten Herrn Hesse zu bekrit­teln — das hebe ich mir für Momente eitels­ter Hybris auf, wenn mein Buch der­einst neben sei­nen Wer­ken im Regal steht (wobei „neben“ in die­sem Zusam­men­hang meint: Bei­des gibt’s bei Ama­zon). Und den­noch will ich an die­ser Stelle anmer­ken: Auch ein Ende kann sich durch­aus zau­ber­haft anfühlen.

Wobei Ende frei­lich über­trie­ben ist, denn fer­tig ist mein Buch Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten noch lange nicht. Aber zumin­dest ich habe meine Arbeit (vor­erst) abge­schlos­sen: Ges­tern habe ich das Manu­skript an den Rowohlt Ver­lag ver­schickt — 466.077 Zei­chen, 70.998 Wör­ter und 191 Din-A4-Seiten lang. Zum Ver­gleich noch mehr Hybris: Die Bibel — von Moses bis Offen­ba­rung — bringt es auf stolze 4,4 Mil­lio­nen Zei­chen und 739.000 Wör­ter; dafür haben daran auch mehr als vier­zig Schrei­ber gewer­kelt. Mei­nen Buch­sta­ben­wust wird sich nun eine Lek­to­rin vor­neh­men, ehe wir vor­aus­sicht­lich um den Jah­res­wech­sel herum noch ein­mal gemein­sam Feh­ler aus­bü­geln, Erzähl­kan­ten glät­ten und an Hol­per­kon­struk­tio­nen fei­len. Über die Details werde ich dann an die­ser Stelle berichten.

Zunächst aber zu mei­nem Buch, in dem ich die Erleb­nisse auf mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise schil­dere. Der kom­plette Titel lau­tet: Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten — Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus. Auf dem Cover­foto stre­cke ich mei­nen Dau­men in die Höhe — und mein Grin­se­ge­sicht dem Betrach­ter entgegen. Das Buch soll sech­zehn Kapi­tel umfas­sen — eines pro Bun­des­land -, wobei jedes mit einem Schwarz-Weiß-Foto beginnt und mit einem lan­des­ty­pi­schen Rezept endet. Anvi­siert sind 256 Sei­ten sowie ein Preis von etwa zehn Euro; Erschei­nungs­ter­min ist vor­aus­sicht­lich Mai 2013.

Reif fürs Museum

Etwa zu die­ser Zeit kön­nen ver­mut­lich auch Lese­faule mehr über meine Deutsch­land­reise erfah­ren. Denn momen­tan sieht es so aus, als sollte meine kuli­na­ri­sche Tour ins Museum kom­men — und zwar als Bestand­teil einer Wech­sel­aus­stel­lung, die sich um das Thema „Essen und Trin­ken in Deutsch­land“ dreht. Ein Mit­ar­bei­ter des betref­fen­den Muse­ums hat mich bereits in Mün­chen besucht, um Details und mög­li­che Expo­nate abzu­spre­chen. Genaue­res werde ich berich­ten, sobald die Sache fix ist.

Zunächst aber gilt es, die Manuskript-Abgabe gebüh­rend zu fei­ern. Wie? Natür­lich mit Essen! So gibt’s heute Mit­tag erst mal Gams­bra­ten von der Schwie­ger­mut­ter, ehe ich am Abend die Küche des Klingl­wirts in München-Haidhausen teste. Ich war zwar selbst noch nie in dem Gast­haus, aber zumin­dest für die Orts­gruppe von Slow Food Deutsch­land gehört es zu den gerade ein­mal zwei emp­feh­lens­wer­ten Loka­len in Mün­chen.

In die­sem Sinne beschließe ich auch die­sen Text mit den letz­ten bei­den Wor­ten aus mei­nem Manu­skript: Guten Appetit!

Okt 23, 2012 - Buch    4 Kommentare

417.848 Zeichen später

Fasse dein Leben in 500 Zei­chen zusam­men — es gibt leich­tere Auf­gabe als diese.

Doch auch das gehört offen­bar dazu, wenn man ein Buch ver­öf­fent­li­chen will, und so feile ich nun schon seit knapp zwei Stun­den an mei­ner Vita, die ich an den Rowohlt-Verlag schi­cken soll — „für die Pres­se­vor­schau“, wie meine Lek­to­rin geschrie­ben hat.

Dabei sollte ich eigent­lich noch ein paar tau­send Buch­sta­ben an jene 417.848 Zei­chen anfü­gen, die mein Buch-Manuskript der­zeit umfasst. Denn schon mor­gen in drei Wochen (an die­ser Stelle sind die 500 Zei­chen übri­gens voll) muss ich die fer­tige Ver­sion an den Ver­lag schi­cken. So steht es zumin­dest in mei­nem Ver­trag, den ich vor mehr als drei Mona­ten unter­schrie­ben habe — damals, als mir noch eine gefühlte Ewig­keit zum Schrei­ben blieb.

Doch sei’s drum: Von 15 Kapi­teln gibt es zumin­dest schon mal eine erste Ver­sion; feh­len noch ein letz­tes Kapi­tel (Baden-Württemberg) sowie Ein­lei­tung und Schluss. Und dann folgt natür­lich das Über­ar­bei­ten. Und Über­ar­bei­ten. Und Über­ar­bei­ten. Was mich in Summe sicher noch ein­mal eine Hand­voll Nacht­schich­ten, eine Jah­res­ra­tion Kaf­fee und zwei bis drei mit­tel­große Ner­ven­zu­sam­men­brü­che kos­ten wird.

Trotz­dem bin ich nach wie vor zuver­sicht­lich, dass das Buch zu mei­ner kuli­na­ri­schen Essens­reise im kom­men­den Früh­jahr tat­säch­lich in den Rega­len lie­gen wird. Anvi­siert sind rund 250 Sei­ten, der Preis soll bei knapp zehn Euro lie­gen. Wie viel ich davon ein­strei­che? Nur so viel: Es ist ein Hono­rar, das man nie, nie, wirk­lich nie­mals auf die Arbeits­zeit umrech­nen sollte, weil es einen Stun­den­lohn ergibt, der sogar Erzie­he­rin­nen als Groß­ver­die­ner daste­hen lässt. Aber ums Geld ging’s mir ja ohne­hin nie, und so bin ich wei­ter mehr als zufrie­den, mit mei­nem Werk beim Rowohlt-Verlag gelan­det zu sein.

Immer­hin: Ein Titel für das Buch ist bereits gefun­den. „Spei­sende soll man nicht auf­hal­ten — Eine Deutsch­land­reise über den Tel­ler­rand hin­aus“ hat sich durch­ge­setzt gegen Über­le­gun­gen wie „Auf­ge­ga­belt — Eine Anhal­ter­reise zu Maul­ta­sche und Mutz­bra­ten“ oder „Deutsch­land, wie es is(s)t — Per Anhal­ter zu Schnüsch und Sau­ma­gen“. Auch ein Cover gibt es bereits: Es zeigt mei­nen Dau­men, mei­nen Ruck­sack und mich, der den Betrach­ter leicht debil angrinst — und den­noch gefällt mir das Gesamt­werk eigent­lich ganz gut. (Sobald das Cover offi­zi­ell abge­seg­net ist, werde ich es hier natür­lich posten).

Was bleibt? Ach ja, mein Leben in 500 Zei­chen, das ich euch selbst­ver­ständ­lich nicht vor­ent­hal­ten möchte:

Patrik Stäbler, gebo­ren 1980, hat in Mün­chen und Detroit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft, Infor­ma­tik und Ame­ri­ka­nis­tik stu­diert. Nach einer Reise um die Welt und einem Volon­ta­riat in der Pro­vinz zog er in die pro­vin­zi­ellste aller Welt­städte und lebt seit­dem als Jour­na­list und Autor in Mün­chen. Stäblers Liebe gilt dem Essen, dem Schrei­ben und dem Rei­sen – in die­ser Rei­hen­folge. Für sein jüngs­tes Buch tourte er per Anhal­ter durch Deutsch­land und spürte lan­des­ty­pi­schen Gerich­ten nach.

 

Jun 28, 2012 - Reiseleben    Kein Kommentar

Ein Déjà-vu mit Labskaus

Heute steht Labskaus auf mei­nem Spei­se­plan. Hin­ter mir lie­gen Schäu­feleTei­chel­mauke und Schnüsch, und in den kom­men­den Wochen werde ich mir Wurste­brot, Pfef­fer­pott­hast und Dib­belab­bes vorknöpfen.

Ein Déjà-vu? Nein, tat­säch­lich sitze ich seit vier Wochen am hei­mi­schen Rech­ner in Mün­chen und schreibe die Erleb­nisse mei­ner kuli­na­ri­schen Deutsch­land­reise in Buch­form nie­der — pro Bun­des­land ein Kapi­tel, also ins­ge­samt 16. Im Moment bin ich wie gesagt beim Labskaus und in Ham­burg ange­langt, Kapi­tel Num­mer acht, die Hälfte ist geschafft — könnte man meinen. Doch tat­säch­lich liegt höchs­tens ein Drit­tel der Arbeit hin­ter mir, denn schon jetzt graut mir vor dem Über­ar­bei­ten, Umstel­len und Umwer­fen des ers­ten Ent­wurfs, was mich sicher noch reich­lich Zeit und Schweiß kos­ten wird.

Aber sei’s drum: Ich komme voran — wenn auch nicht so schnell, wie ich anfangs gehofft hatte. Dafür hat sich in punkto Ver­lags­su­che Erfreu­li­ches getan. Denn aktu­ell deu­tet alles dar­auf hin, dass ein gro­ßer deut­scher Ver­lag mein Buch in sein Pro­gramm für das kom­mende Früh­jahr auf­neh­men wird. Sobald ich den Ver­trag unter­zeich­net habe, werde ich dar­über noch aus­führ­li­cher berichten.

Zuletzt weise ich noch auf drei schöne Bei­träge über meine Reise hin, die in den ver­gan­ge­nen Tagen erschie­nen sind:

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